BundeskanzlerinSPD fordert Aufklärung über Merkels DDR-Vergangenheit

Ein neues Buch wirft die Frage auf, ob Angela Merkel als junge Frau eine Reformkommunistin war. Die SPD verlangt eine öffentliche Erklärung. Grüne und FDP beschwichtigen.

SPD-Vorstandsmitglied Ralf Stegner hat Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, über ihre DDR-Vergangenheit eine öffentliche Erklärung abzugeben. "Frau Merkel muss erklären, welche politische Funktionen sie in der DDR innegehabt hat", sagte Stegner der Welt. Dabei gehe es auch um ihre Position in der Jugendorganisation FDJ in ihrer Zeit als Physikerin an der Akademie der Wissenschaften der DDR.

Stegner bezieht sich auf ein neues Buch zu Merkels DDR-Zeit, das der Welt-Redakteur Günther Lachmann und Bild-Redakteur Ralf Georg Reuth geschrieben haben. Darin werfen die Autoren die Frage auf, ob Merkel als junge Frau eine Reformkommunistin gewesen sei. "Die jüngsten Berichte über Frau Merkel kommen für die Union jetzt zur Unzeit", sagte Stegner mit Blick auf den Bundestagswahlkampf.

Anzeige

Die Bundesregierung wies die Vorwürfe zurück. Vize-Regierungssprecher Georg Streiter verwies auf ein vor einigen Jahren erschienenes Buch über Merkel. Darin habe sie sich sehr ausführlich und sehr persönlich zur DDR-Zeit geäußert. Die Behauptung, dass die Kanzlerin vor mehr als 30 Jahren an der Akademie für Wissenschaften der DDR FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda gewesen sei, begleite sie seit ungefähr 20 Jahren.

Im 2004 erstmals erschienenen Buch Angela Merkel – Mein Weg. Ein Gespräch mit Hugo Müller-Vogg hatte Merkel gesagt, das Thema FDJ sei Teil ihres Lebens. "Das ist bekannt, da habe ich nichts zu verbergen." Sie sei Kulturbeauftragte der FDJ für ihre Gruppe an dem Institut gewesen: "Ich kann mich nicht erinnern, in irgendeiner Weise agitiert zu haben." Zugleich hatte sie betont, sie sei keine Widerstandskämpferin oder Bürgerrechtlerin gewesen. 

Grüne und FDP warnen vor vorschnellem Urteil

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth warnte vor vorschnellen Bewertungen. "Entscheidend ist persönliche Verantwortung zur Unterdrückung von Menschen. Solange die nicht nachgewiesen ist, sollte man sich mit der Bewertung zwangsweiser Eingliederungen in das SED-Machtsystem zurückhalten. Bei Angela Merkel ist sie nicht nachgewiesen", sagte Kurth der Welt. Für ehemalige DDR-Bürger sei es nichts Neues, dass jeder mit irgendeiner Funktion im System ausgestattet worden sei: "Darauf war das System aufgebaut."

Antje Hermenau, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im sächsischen Landtag, sagte: "Wer wie Angela Merkel zum Jugendaustausch in Moskau war und in den achtziger Jahren an der Akademie der Wissenschaften der DDR gearbeitet hat, war nicht 'Staatsfeind Nr. 1'. Das weiß im Osten jeder über 45. Kompromisse zu machen gehört zum Leben." Die Kanzlerin sollte sich jedoch nicht davor scheuen, über die Prägungen ihres Lebens durch die DDR offen zu sprechen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • AndreD
    • 11. Mai 2013 0:09 Uhr

    Es sind aber interessante Ansätze...

    Ich möchte aber doch meine Frage beantwortet sehen, bevor ich dann darüber diskutiere :-)

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "ist doch scheißegal"
    • scg
    • 11. Mai 2013 0:15 Uhr
    74. da sagt

    mein Personalausweis was anderes ;-)

    Antwort auf "Schleswig-Holstein"
  1. Die Redewendung "Ich kann mich nicht erinnern" wird immer dann verwendet, wenn eine direkte Lüge aufgedeckt werden könnte. Also dann, wenn irgendwo Beweise existieren, die die selbst-amnesierte Amnestie widerlegen (siehe Guttenberg, Schavan, Wulff, Höneß, etc.).

    Insofern hat Frau Merkel die Vorwürfe schon verifiziert. Was aber angesichts ihrer Karriere und des sich darin offenbarenden Charakters nicht überraschend ist (siehe Abschuss Kohls, Anbiederung an Bush, Beseitigung der Konkurrenten Merz, Koch, Rüttgers usw. sowie ihre allgemeine Politik, ebenda).

    Traurig an der jetzigen Geschichte ist eigentlich nur, dass die SPD keinerlei andere Kritikpunkte an der Kandidatin Merkel sieht. Und dass die Grünen und die FDP noch für zwei verschiedene Parteien gehalten werden....

    3 Leserempfehlungen
  2. Schätze ihn übrigens sehr, obwohl ich seine Partei nie wählen würde. Das soll Sie jedoch nicht grämen, da ich alle anderen noch viel weniger je wählen würde.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "und halten Sie es "
    • AndreD
    • 11. Mai 2013 0:40 Uhr

    Aber sie haben Recht: Würde man Merkel wegen ihrer DDR-Vergangenheit kippen, dann würde niemand darüber diskutieren, was sie "eventuell" politisch falsch gemacht hat.

    Eigentlich keine schlechte Art und Weise, das System weiter bestehen zu lassen, ohne die notwendigen Modifikationen vornehmen zu müssen, wenn ein anderer da vorne stehen sollte...

    6 Leserempfehlungen
    • shtok
    • 11. Mai 2013 0:51 Uhr

    Eltern nicht in der Partei, dann noch falsche Klasse (Intelligenz) und auch nicht Willens 25 Jahre als Offizier zu verbringen, daher fürs Abi nicht qualifiziert trotzt 1.1 Durchschnitt. Flachpfeifen mit 2 Durchschnitt linientreuen Eltern keine Abi Probleme.
    Trotzdem nach langem Kampf doch noch BmA aka Hilfsabi.
    Selbes Spiel nicht geeignet für ein Studium, Gründe siehe oben. Ablehnung des Studienplatzes. Klassenkameraden, Eltern große linientreue Genossen in Dresden, kein Problem beim Studienplatz trotz schlechterer Leistungen, nach Wende alles Widerstandskämpfer und kirchlich.
    Weitere Bewerbung, obwohl nur 0.25 Bewerber auf eine Platz kamen. Gespräch mit dem Dekan Leistungen (1.8) sind mehr als ausreichend, aber Studienplatz nur bei Verpflichtung als Offizier auf Zeit (also 4 Jahre verschenken), wieder abgelehnt. Eingabe beim Rektor Theologe (sie sollten als Kenner wissen welche es ist), Verwunderung über Ablehnungsbegründung.

    Tut mir Leid aber ich habe das System wahrscheinlich besser kennengelernt als Sie, inklusive den Freunden von Horch und Guck und dem systemnahen Klüngel.
    Da hat man nicht mal so einen Studienaufenthalt in der UdSSR bekommen, dass war die Voraussetz. für höhere Aufgaben im System. Und bei der Dame geht es um die Akademie und nicht irgendeine POS.
    Auch Auslandreisen inklusive postdoc in Karlsruhe, wie sie der Mann der werten Kanzlerin machen durfte, war systemnahen Vertretern vorbehalten besonders . Aber natürlich kenne sie das System bedeutend besser.

    10 Leserempfehlungen
  3. ...dass damals die BRD die DDR einverleibt hat und nicht etwa umgekehrt?

    Eine Leserempfehlung
  4. 80. So eine

    Diskussion kann nur von Unkenntnis behafteten Menschen von sich gegeben werden, die leider vom Leben in der ehemaligen DDR keine Ahnung haben und hier Fallhöhen aus Trivialitäten konstruieren, die ich für völlig überzogen und unangemessen halte. Im Speziellen: wo wird hier gezeigt, das Frau Merkel hier wider gegen Menschlichkeit, oder andere ethische, oder moralische Dinge agiert? Hat sie Leute an die Stasi verpfiffen? Dergleichen habe ich nicht gelesen und vernommen. Was folgt als Nächstes? Wird das Teilnehmen als Messdiener oder Pfadfinder demnächst auch ganz nach Gusto ausgeschlachtet, 30 Jahre später? Das, was sich der Herr Stegner und somit eben auch die SPD hier herausnimmt, halte ich für extrem unverschämt. Die SPD markiert sich hier immer mehr als Verlierer. Denn solche Themen zu nutzen, hat weder etwas mit gutem Stil, noch mit Konstruktivität zu tun. Sondern nur mit Beschädigung. Wenn man seinen Wahlkampf nur aus der scheinbar wähnenden Schwäche des Gegenkanditaten zu zehren vermag, dann hat man selbst wohl auch nicht viel zum Wohle des Volkes beizutragen.
    Aber wenn Bild und Welt zusammenarbeiten, dann kommt eben so was raus. Vorallem werden hier nicht einmal im entferntesten Punkte genannt, die ein an sich Erheben über die Person und ein Potential kennzeichnen, womit man überhaupt etwas an kritischer Haltung gegenüber von Frau Merkel kreieren könnte. Deshalb halte ich diese Lektüre und die damit verbundene Diskussion für den Tiefflieger des Jahres.

    3 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, ds
  • Schlagworte Angela Merkel | Ralf Stegner | SPD | Akademie der Wissenschaften | FDJ | DDR
Service