FDP-Parteitag : Brüderle polemisiert gegen "ökosozialistischen Gleichschritt"

Der FDP-Spitzenkandidat greift auf dem Parteitag Rot-Grün und sein Personal an. Steinbrück sei ein "sozialistischer Zauberlehrling", Trittin ein "Dracula".
FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle © Kai Pfaffenbach/Reuters

Mit scharfen Angriffen auf SPD und Grüne hat der FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle seine Partei auf den Bundestagswahlkampf eingestimmt. Rot-Grün wolle die Bürger "im ökosozialistischen Gleichschritt marschieren lassen", sagte Brüderle auf dem FDP-Sonderparteitag in Nürnberg. "Die Roten, die Grünen wollen die Menschen vom Staat abhängig machen. Genau das wollen wir nicht."

Besonders erregte sich Brüderle über das neue Wahlkampf-Motto der SPD: "Das Wir entscheidet". "Dieser Slogan ist unerträglich! Das ist Neokollektivismus!" Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sei zum "sozialistischen Zauberlehrling" geworden.

Brüderle erinnerte an den missglückten Start des SPD-Kanzlerkandidaten. Man müsse sich fremdschämen, in Berlin kursiere der Spruch "Pleiten, Peer und Pannen". Die Genossen seinen dramatisch nach links gerückt, Steinbrück sei mittlerweile ein "brutaler Steuererhöher".

Auch der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin wurde zum Ziel der Beschimpfungen Brüderles. Mit dem Wahlprogramm zur Erhöhung der Steuern auf Erbschaften, Grundstücke und Firmenwagen würden die Grünen eine "Anleitung zum Unglücklichsein" geben. Trittin wolle die Mitte aussaugen, er sei der "Graf Dracula für den Mittelstand".

"Vier gute Jahre"

Dagegen lobte der Bundestagsfraktionschef die Bilanz der schwarz-gelben Koalition. "Es waren vier gute Jahre für Deutschland und das Ganze." Dabei habe sich die FDP in vielen Punkten gegenüber dem Koalitionspartner durchgesetzt, zum Beispiel beim Thema Bürgerrechte sowie in der Bildungs- und Gesundheitspolitik. "Wir machen die Union immer besser", sagte Brüderle. "Wir sind das Upgrade der Unionsparteien."

Nach Brüderles Interpretation wird der FDP-Einfluss auch im Management der Euro-Krise deutlich. Ohne seine Partei an der Regierung müsste Deutschland für die Staatsschulden anderer Länder haften. "Wir sind das Bollwerk gegen Euro-Bonds und Zinssozialismus."

Am Nachmittag beschlossen die FDP-Delegierten nahezu einstimmig das Programm für die Bundestagswahl. Es gab nur eine Gegenstimme. Schwerpunkte sind Haushaltssanierung, Entlastung und Euro-Stabilisierung. "Das ist ein gutes Bürgerprogramm geworden", sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring zum Abschluss des zweitägigen Parteitags.

Unsere Redakteurin Lisa Caspari twittert unter @zeitonline_pol vom FDP-Parteitag.

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

106 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

Vielleicht ist es auch Erziehungssache

"Keine Verbote weil mündig? Das ist ein sehr banales Prinzip... Sehen Sie denn nicht, dass das nur ein vorgeschoebnes Prinzip ist?"
-----------------------
Nein, das ist die Kernthese des Liberalismus. Weg von "Mma hat gesagt..." hin zu "lass mich in Ruhe, ich mach das selbst".

Natürlich muss sich jeder Mensch im Leben mal für die eine oder andere Seite entscheiden.

@ 3. Derzeit "polemisieren" doch alle - ist Wahlkampf

"Es wäre die Chance der Medien, trotzdem oder gerade deshalb sachlich zu berichten und zu analysieren." (Zitat Ende)

Ist es nicht die urgeigenste Aufgabe und auch die Pflicht der Politik, sachlich statt polemisch zu informieren? Es wäre doch absurd. diese Aufgabe den Medien zu überantworten, um sich selbst auf z. T. sinnentleertes Wahlkampf-Getöse konzentrieren zu können.