Um einen Streit um die Platzvergabe in Gerichtssälen wie vor dem NSU-Prozess zu vermeiden, hat sich Bundesverfassungsrichter Peter Müller für eine gesetzlich geregelte Videoübertragung bei Prozessen ausgesprochen. "Sicher wäre es hilfreich, wenn der Gesetzgeber hier Klarheit schaffen würde", sagte Müller dem Magazin Focus.

Öffentlichkeit sei im Strafprozess ein unverzichtbarer Grundsatz. Die Gesetze müssten sich der heutigen Zeit anpassen. "Der gesellschaftliche Kontext, in dem die Regelungen ursprünglich geschaffen wurden, hat sich sicherlich verändert. Wir haben heute über Medien und Internet eine andere Vermittlung von Öffentlichkeit."

Damit schloss sich Müller dem Vorschlag des früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgericht, Hans-Joachim Papier, an. Papier hatte angeregt, eine Videoübertragung in einen zusätzlichen Presseraum bei Prozessen einzurichten. Den Vorschlag war eine Reaktion auf die Diskussion um das Losverfaren beim NSU-Prozess. Der Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte musste wegen des Streits  um die Platzvergabe an Journalisten verschoben werden. Nachdem zunächst ein erstes Vergabeverfahren nach Antragseingang von viele Medien kritisiert worden war, weil etwa keine türkischen Medien einen Platz in Gerichtssaal erhalten hatten, wurden die 50 festen Presseplätze in einem Losverfahren erneut verteilt, mit reservierten Plätzen für türkische Medien und bestimmte Mediengruppen.