Der amerikanische Hersteller der Drohne Euro Hawk hat der Darstellung der Bundesregierung über das Ende des Projekts bei der Bundeswehr widersprochen. Der Rüstungskonzern weiß nach eigenen Angaben nichts von einem Aus. "Northrop Grumman hat keine formelle Nachricht erhalten, dass das Programm beendet wird", teilte ein Sprecher des Unternehmens der ZEIT mit.

Vergangene Woche hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière das Projekt gestoppt. Grund sei, so das Verteidigungsministerium, dass die Drohne Euro Hawk für den zivilen europäischen Luftraum keine Zulassung erhalten werde. Das Flugzeug verfüge nicht über die notwendige Antikollisionstechnologie, um sicher zu navigieren. Außerdem habe die amerikanische Seite nicht alle Baupläne zur Verfügung gestellt, die zur Zertifizierung erforderlich gewesen seien.

Zu dem Vorwurf, es seien nicht sämtliche Baupläne nach Deutschland geliefert worden, teilte Northrop Grumman der ZEIT mit: "Wir haben unserem Kunden uneingeschränkten Zugang zu über 4.000 Dokumenten gewährt, um ihn bei der Zertifizierung zu unterstützen."   

Das Euro-Hawk-Projekt hatte schon mehr als eine halbe Milliarde Euro gekostet. Die Opposition verlangt Aufklärung von de Maizière, warum dies nicht früher geschah, obwohl das Ministerium laut Regierungskreisen schon 2011 von den Problemen wusste. Sie kritisiert außerdem, das Ressort habe auch Parlament und Kabinett nicht ausreichend informiert.

 Rechnungshof bekommt Einsicht

Inzwischen hat das Verteidigungsministerium auf Kritik an seiner Informationspolitik reagiert und dem Bundesrechnungshof Einsicht in sämtliche Akten zugesagt. Bislang waren der Behörde Teile der Papiere vorenthalten worden.

Derzeit ist zudem eine Arbeitsgruppe damit beschäftigt, für den Verteidigungsausschuss die Hintergründe für das Scheitern des langjährigen Drohnenprojektes zusammenzutragen. Untersucht werden laut de Maizière auch die Folgen für das Nato-Bodenüberwachungsprojekt Global Hawk.