Thomas de Maiziere hat das getan, was viele Politiker in ähnlicher Lage schon versucht haben: Nach dem Debakel um das unbemannte Aufklärungsflugzeug Euro Hawk, dessen Anschaffung er wegen fehlender technischer Zulassung vergangene Woche stoppen musste, versprach der Verteidigungsminister vorbehaltlose Aufklärung, um sich selber erst einmal aus der Schusslinie zu bringen.

Doch der Plan des bislang unbescholtenen Vorzeige-Ministers ging bislang nicht auf:  Die Angriffe der Opposition reißen nicht ab. Ebenso wie die Medien und der Bund der Steuerzahler fragen SPD, Grüne und Linke, aber auch Politiker aus der Koalition, wer für die Hunderte Millionen Euro teure Fehlanschaffung letztlich die Verantwortung trägt. War es am Ende nicht doch der Minister selbst, der angeblich schon früh in die Probleme eingeweiht war?

Auch innerhalb der Bundeswehr, die Milliarden einsparen soll, stößt die gescheiterte Euro-Hawk-Einführung und die damit verbundene Geldverschwendung auf Kritik.  Offizielle Informationen dringen jedoch nur sehr spärlich aus dem Verteidigungsministerium heraus. 

De Maizière hat eine Arbeitsgruppe aus Beamten zusammenstellen lassen – geleitet ausgerechnet von dem Mann, der im Ministerium auch für das Drohnen-Projekt verantwortlich war. Die Kommission soll einen Bericht vorbereiten, der an den Minister geht, damit de Maizière dem Verteidigungsausschuss Rede und Antwort stehen kann. Einem Sprecher des Ministeriums zufolge soll chronologisch aufgelistet werden, "wie genau wer zu welcher Zeit unterrichtet wurde und wer wann welche Entscheidungen getroffen oder eben auch nicht getroffen hat" –  bis zum Jahr 2001 zurück, als der Plan erstmals aufkam, die amerikanische Drohne zu kaufen. Was davon dem Parlament vorgelegt wird, bleibt allerdings unklar.

Das Vorgehen des Ministers erinnert an das erfolglose Krisenmanagement seines Vorgängers. Karl-Theodor zu Guttenberg hatte im Fall des Kundus-Bombardements ebenfalls größtmögliche Transparenz versprochen. Als dann ein Untersuchungsausschuss eingerichtet wurde, der den verheerenden Luftangriff am Kundus-Fluss aufarbeiten sollte, sagte er kaum noch etwas in der Öffentlichkeit. Und als er schließlich im Ausschuss befragt wurde, verwies der CSU-Politiker immer wieder auf die notwendige Geheimhaltung. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden dann die brisanten Details besprochen.

Am Ende kostete Guttenberg jedoch nicht diese Hinhalte-Taktik sein Amt, sondern seine zusammenkopierte Doktorarbeit. Dennoch dürfte auch Nachfolger de Maiziere kaum Erfolg damit haben, die Drohnenaffäre in ähnlich Weise aussitzen zu wollen.