ArbeitsmarktDer Staat verschläft die Integration

Um den Zugang von Migranten zum Arbeitsmarkt ging es beim sechsten Integrationsgipfel. Deutlich wurde: Ausgerechnet der Staat tut sich schwer mit Verbesserungen. von 

Die türkischstämmige Polizistin Serap Bahadir posiert am Freitag vor einem Polizeiwagen in Schwäbisch Gmünd.

Die türkischstämmige Polizistin Serap Bahadir posiert am Freitag vor einem Polizeiwagen in Schwäbisch Gmünd.   |  © Jan-Philipp Strobel/dpa

"Am Ende wird auf Marktplätzen, in Kitas und Schulen entschieden, ob Integration funktioniert." Die Worte von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) waren klar und einleuchtend und machten deutlich, wie hoch die Hürden hin zu Integration und Inklusion in Deutschland noch immer sind.

Auf dem sechsten Integrationsgipfel der Bundesregierung am Dienstag in Berlin traf Albig den Nerv dessen, was sich in Deutschland – trotz der wieder und wieder von Kanzlerin Merkel beschworenen Willkommenspolitik für Immigranten – noch immer als größte Hürde für Integration erweist. Teilhabe und Respekt beginnen im Bildungssektor, im Gewerbe, aber auch in den deutschen Behörden. Doch ausgerechnet dort mahlen die Mühlen der Veränderung besonders langsam.

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Hoch waren die Erwartungen, als Bundeskanzlerin Merkel 2006 den Gipfel als Dialogplattform zwischen Politik, Verbänden und Wirtschaft auf die Beine stellte. Doch trotz mancher Fortschritte überwiegt heute die Enttäuschung. "Statt immer neuer Aktionspläne brauchen wir endlich mehr konkretes Handeln für die Integration vor Ort", forderte etwa SPD-Vizechefin Aydan Özoğuz. Den Integrationsgipfel nannte sie "ein nettes Kaffeekränzchen". Dabei hatte dieses Kränzchen einen dringliches Thema als Schwerpunkt: der Zugang von Migranten zum Arbeitsmarkt.

Die Kanzlerin selbst zeigte sich auf dem Gipfel einsichtig für weiteren Handlungsbedarf: Die inzwischen große Gruppe der Unternehmer mit Migrationshintergrund – über 700.000 – sei hierzulande noch immer strukturell benachteiligt, etwa bei der Kreditvergabe. Auch der öffentliche Dienst müsse gezielt werben, sagte Merkel: "Integration und Partizipation gibt es nur dann, wenn Migranten auch im öffentlichen Dienst mehr teilhaben." 

Letztes Jahr erst hatte die Bundesregierung den "Nationalen Aktionsplan Integration" auf die Beine gestellt: Zu 400 Maßnahmen verpflichteten sich die Teilnehmer des Gipfels damals. Bessere Sprach- und Integrationskurse sind dort ebenso Zielpunkte wie die Integration von Migranten in den öffentlichen Dienst. Konkrete Maßnahmen sucht man gerade zum letzten Punkt jedoch vergeblich.

Bei der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt haben es Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland noch immer besonders schwer. Nach einer Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter Arbeitslosen hat gut jeder dritte Arbeitslose ausländische Wurzeln. Unter den Hartz-IV-Empfängern liege ihr Anteil sogar bei 42 Prozent. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigte zudem auf, dass Deutschland bei der Integration von Zuwanderern in den öffentlichen Dienst den Schlussplatz der OECD-Länder einnimmt.

"Der Anteil an Lehrern, Polizisten oder etwa Sachbearbeitern in der Ausländerbehörde ist im Vergleich zum Zuwandereranteil in der Gesellschaft viel zu gering", sagt auch die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Ayse Demir. Solange die Gesellschaft noch nicht so weit ist, bedürfe es eines staatlich gesteuerten Instruments, ist sie überzeugt.

Leserkommentare
  1. wenn Migranten an einem Job kein Interesse haben.
    "Das Bild unserer Behörden ist darum bei den Zuwanderern oft nicht gut, so dass sie teilweise kein großes Interesse haben, dort zu arbeiten."

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    Ernsthaft? Das haben sie aus diesem Satz rausgelesen?
    Kann es sein das sie gezielt nach so einem Satz gesucht haben, der ihnen dabei hilft Deutsche als Opfer zu sehen? Die Opferrolle hat den Vorteil, dass man auf den anderen nicht zu gehen muss und seinen eigenen Standpunkt nicht überdenken muss.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und konstruktiv. Danke. Die Redaktion/kvk

    3 Leserempfehlungen
    • bayert
    • 28. Mai 2013 20:42 Uhr

    Bewerben sich auch genügend Bürger mit Migrationshintergrund bei den Behörden. Wie definiert man Migrationshintergrund (gelten erst die Urenkel eines Einwanderers nicht mehr als Bürger mit Migrationshintergrund?)

    14 Leserempfehlungen
  3. Migranten, Schulen, Kinder, Bildung, Frauen, Arbeitslose, Rentner...das bringt halt kein Geld.

    2 Leserempfehlungen
    • Wupert
    • 28. Mai 2013 20:47 Uhr

    Der Titel ist bezeichnend "Der Staat verschläft die Integration", bic jetzt dachte ich das Migranten die nach Deutschland kommen sich hier integrieren sollen und nicht umgekehrt.

    Das gibt es nur in Deutschland.

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    "bic jetzt dachte ich das Migranten die nach Deutschland kommen sich hier integrieren sollen und nicht umgekehrt."

    Sie sollten Andere nicht für Ihre eigenen Denkfehler und Wissenslücken verantwortlich machen!
    http://de.wikipedia.org/w...(Soziologie)

    Der von außen kommt, muss von Innen überhaupt eine Chance zur Integration bekommen! Und genau dafür ist erst einmal Innen verantwortlich. Erst wenn Innen seine Hausaufgabe gemacht hat und es dennoch nicht klappt, kann der nackte Finger kommen.

    Aber es pöbelt sich halt leichter, wenn man selbst keine Verantwortung für eigenes Tun oder Unterlassen übernehmen muss.

  4. Ernsthaft? Das haben sie aus diesem Satz rausgelesen?
    Kann es sein das sie gezielt nach so einem Satz gesucht haben, der ihnen dabei hilft Deutsche als Opfer zu sehen? Die Opferrolle hat den Vorteil, dass man auf den anderen nicht zu gehen muss und seinen eigenen Standpunkt nicht überdenken muss.

    7 Leserempfehlungen
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    die opferrolle ist ja schon vergeben.

    • bayert
    • 28. Mai 2013 21:09 Uhr

    möglicherweise ist den Migranten die Bezahlung im öffentlichen Dienst zu gering. Mit gleicher Qualifikation verdient man in der Wirtschaft mehr Geld.

    4 Leserempfehlungen
  5. "Unter den Hartz-IV-Empfängern liege ihr Anteil [Menschen mit ausländischen Wurzeln] sogar bei 42 Prozent."

    Mögliche Gründen wären:
    - Migranten sind besonders benachteiligt (denkt der deutsche Idealist, der häufig Journalist ist)
    - Migranten sind besonders faul (denken viele, aber wenige laut)
    - Migranten sind für den Staat sehr teuer (denkt der Finanzpolitiker)
    - Migranten werden besonders durch unser soziales Netz gestützt (denke ich)
    - Migranten haben häufig keine guten Sprachkenntnisse, was sehr wichtig ist (denke ich auch)

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    Sie haben eine Kleinigkeit vergessen, nämlich die Vorrangregelung.

    "Und ein sozialversicherungspflichtiger Job ist (für Migranten) schwer zu bekommen, denn es gilt die Vorrangregelung, wonach einem gleich qualifizierten Deutschen die Arbeitsstelle als erstem zusteht. "

    http://www.zeit.de/gesell...

    .... vor sich her denkt, muss keinen Bezug zur Realität haben. So ist das mit dem Stammtisch. Und dort ist es auch völlig Bockwurst, ob das, was der Stammtischmensch so für Denken hält etwas mit Bildung, Information und Intellekt zu tun hat. (Wobei der Stammtisch in der Regel schon Schwierigkeiten hat, die drei Begriffe halbwegs zu unterscheiden - aber auch das gehört zum Stammtisch: Spiegel auf sich selbst ist völlig verpöhnt)

    - Migranten sind besonders benachteiligt (denkt der deutsche REALIST, der sich die FAKTEN anguckt!)
    - Migranten sind besonders faul (denkt der Stammtisch, ohne einen konkreten Belegt dafür zu haben=
    - Migranten sind für den Staat sehr teuer (denkt der Finanzpolitiker und damit in Teilen Recht. Die Frage ist nur: wer ist verantwortlich dafür? Dafür verantwortlich, dass wir 30 % Migranten haben, die HÖHER qualifiziert sind als durchschnittliche Deutsche. Dafür dass wir qualifizierte Ausländern durch ausländerfeindliche Politik lieber in andere Länder gehen lassen, ihre Abschlüsse nicht anerkenne und dadurch dafür sorgen, dass die ihre hohen Einkommensteuer lieber dort und nicht hier zahlen. Und dafür, dass wir Stammtischschwätzer Millionen mit ihren Büchern verdienen lassen, die in ihrem Job als Politiker in vielen Bereich versagt haben (in anderen nicht!) - ihre eigenen Versäumnisse aber lieber hinter Populismus verstecken.
    Und der deutsche Stammtisch, der zu faul (sic!) ist, die Zusammenhänge etwas differenzierter zu betrachten, applaudiert.

    Bin selbst von Herkunft Migrant (lassen wir mal die Rechtsschreibung, Migranten koennen das ja nicht.)
    Trotzdem finde ich die Punkte von frank12-13 recht passend.

    * Migranten sind besonders benachteiligt (eventuell gar nicht mal so sehr der Fall, dennoch werden in oekonomisch schwierigen Zeiten deutsche bevorzugt)

    * Migranten sind besonders faul (in ihren Heimatslaendern ist das oftmals der Fall, aber sobald in D angekommen fangen die meisten dann zu arbeiten an)

    * Migranten sind fuer den Staat sehr teuer (D ist ein Land das von Migration und Exportueberschuessen unglaublich positiv profitiert)

    * Migranten werden besonders durch unser soziales Netz gestuetzt (das stimmt nur zum Teil, da die Sozialleistung auch vom Aufenthaltsstatus abhaengt, generell kann man aber sagen das die Absicherung in D sehr gut ist, auch fuer Migranten)

    * Migranten haben haeufig keine guten Sprachkenntnisse (sicherlich der Fall, es fehlen oft auch die Basics sich um Stellen zu bewerben, z.B. einen anstaendigen Lebenslauf zu schreiben, auch bei hochqualifizierten Migranten-Akademikern)

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