"Am Ende wird auf Marktplätzen, in Kitas und Schulen entschieden, ob Integration funktioniert." Die Worte von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) waren klar und einleuchtend und machten deutlich, wie hoch die Hürden hin zu Integration und Inklusion in Deutschland noch immer sind.

Auf dem sechsten Integrationsgipfel der Bundesregierung am Dienstag in Berlin traf Albig den Nerv dessen, was sich in Deutschland – trotz der wieder und wieder von Kanzlerin Merkel beschworenen Willkommenspolitik für Immigranten – noch immer als größte Hürde für Integration erweist. Teilhabe und Respekt beginnen im Bildungssektor, im Gewerbe, aber auch in den deutschen Behörden. Doch ausgerechnet dort mahlen die Mühlen der Veränderung besonders langsam.

Hoch waren die Erwartungen, als Bundeskanzlerin Merkel 2006 den Gipfel als Dialogplattform zwischen Politik, Verbänden und Wirtschaft auf die Beine stellte. Doch trotz mancher Fortschritte überwiegt heute die Enttäuschung. "Statt immer neuer Aktionspläne brauchen wir endlich mehr konkretes Handeln für die Integration vor Ort", forderte etwa SPD-Vizechefin Aydan Özoğuz. Den Integrationsgipfel nannte sie "ein nettes Kaffeekränzchen". Dabei hatte dieses Kränzchen einen dringliches Thema als Schwerpunkt: der Zugang von Migranten zum Arbeitsmarkt.

Die Kanzlerin selbst zeigte sich auf dem Gipfel einsichtig für weiteren Handlungsbedarf: Die inzwischen große Gruppe der Unternehmer mit Migrationshintergrund – über 700.000 – sei hierzulande noch immer strukturell benachteiligt, etwa bei der Kreditvergabe. Auch der öffentliche Dienst müsse gezielt werben, sagte Merkel: "Integration und Partizipation gibt es nur dann, wenn Migranten auch im öffentlichen Dienst mehr teilhaben." 

Letztes Jahr erst hatte die Bundesregierung den "Nationalen Aktionsplan Integration" auf die Beine gestellt: Zu 400 Maßnahmen verpflichteten sich die Teilnehmer des Gipfels damals. Bessere Sprach- und Integrationskurse sind dort ebenso Zielpunkte wie die Integration von Migranten in den öffentlichen Dienst. Konkrete Maßnahmen sucht man gerade zum letzten Punkt jedoch vergeblich.

Bei der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt haben es Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland noch immer besonders schwer. Nach einer Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter Arbeitslosen hat gut jeder dritte Arbeitslose ausländische Wurzeln. Unter den Hartz-IV-Empfängern liege ihr Anteil sogar bei 42 Prozent. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigte zudem auf, dass Deutschland bei der Integration von Zuwanderern in den öffentlichen Dienst den Schlussplatz der OECD-Länder einnimmt.

"Der Anteil an Lehrern, Polizisten oder etwa Sachbearbeitern in der Ausländerbehörde ist im Vergleich zum Zuwandereranteil in der Gesellschaft viel zu gering", sagt auch die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Ayse Demir. Solange die Gesellschaft noch nicht so weit ist, bedürfe es eines staatlich gesteuerten Instruments, ist sie überzeugt.