Katharina Nocun © cc-by-sa Miriam Juschkat

Meine Generation, so scheint es auf den ersten Blick, ist mit Glück gesegnet. Wir wachsen in Frieden auf, in einem der reichsten Länder der Welt. Doch in Wahrheit steht es schlecht um uns. Das verraten schon die Embleme, die man mir und meinen Altersgenossen aufklebt: Generation Praktikum. Generation Burnout. Generation Politikverdrossenheit. Generation Altersarmut. Das klingt nicht nach Glückskindern, das klingt nach Zukunftsangst. Leider stimmt es bei vielen.

Als wir zur Schule gingen, sagten uns die Lehrer, uns stünde die Welt offen. An der Universität rechneten uns dann unsere Professoren, die noch umsonst studiert und promoviert hatten, die Vorzüge von Bildungsgebühren vor. Wir nahmen Kredite auf. Wir gingen auf die Jagd nach Bildungsscheinchen. Soft Skills probten wir im Ehrenamt. Und dann noch Auslandssemester und Sprachkurse, Zusatzqualifikationen. Der Arbeitsmarkt sieht das gerne. Die Psyche weniger. Die Wartezeiten bei psychologischen Beratungsdiensten wurden länger und länger. Haben wir unseren Abschluss, wetteifern wir in der globalisierten, deregulierten Wirtschaft um begehrte Arbeitsplätze. 

Wir sind Getriebene. Auf der Realschule sagte man uns: Bei der Sparkasse stellen sie nur noch mit Abitur ein. Bei der Hauptschule hieß es: Beim Handwerk erwarten sie eigentlich Realschulabschluss. Schon im ersten Semester wussten wir, nach dem Bachelor-Studium gibt es nicht genügend Master-Plätze. Eine ständige Entwertung unserer Zukunftschancen ist das, eine Inflation. Dem hecheln wir hinterher.  

Der Ideal-Arbeitnehmer ist ein optimiertes Produkt

Die Zeit gerader Erwerbsbiographien ist nicht nur für meine Generation vorbei. Doch wir spüren das bereits in unserer Ausbildung. Der neue Ideal-Arbeitnehmer ist ein durch und durch optimiertes Produkt, das ständig neue Features braucht, um nicht zu veralten. Das verursacht Stress, Unsicherheit und auch Zukunftsangst.

Unbezahlte Praktika sind in vielen Berufsfeldern längst normal. Unnormal aber ist es, diesen Praktikanten dann im Anschluss einen Arbeitsvertrag zu geben, gar einen unbefristeten. Trotz geringer Arbeitslosigkeit hangeln sich viele gut ausgebildete junge Leute von einem Zeitvertrag und Honorarjob zum nächsten. Statt einer Festanstellung machen viele langfristige Bekanntschaften mit Zeitarbeitsfirmen. Es fehlt schlicht der politische Wille diese Entwicklung zu stoppen. In Italien nennt man meine Generation die 1.000-Euro Generation. In Griechenland heißt sie die 700-Euro Generation.

Wir sind mit menschengemachten Naturkatastrophen aufgewachsen. Als Tschernobyl explodierte, war meine Mutter mit mir schwanger. Alle paar Jahre beobachten wir scheiternde Klimakonferenzen. Echte Resultate erwartet sowieso niemand mehr. Aus Fukushima wird jeden Monat routiniert der radioaktiv verseuchte Wasserstand gemeldet. Was viele nicht begreifen: Das Wort Endlager hat aus der Perspektive eines 20-jährigen Menschen einfach eine andere Bedeutung. Unser ökologisches Erbe, unsere ökologische Last ist Folge der politischen Entscheidungen unserer Eltern. Das ist bitter.