Bundesparteitag : Piraten wählen Nocun zur Politischen Geschäftsführerin

Katharina Nocun wird neue Politische Geschäftsführerin der Piraten. Der Parteitag wählte die 26-jährige Studentin zur Nachfolgerin von Johannes Ponader.

Die niedersächsische Bundestagskandidatin Katharina Nocun ist die neue Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Die Mehrheit der auf dem Parteitag in Neumarkt/Oberpfalz anwesenden Mitglieder wählte die Datenschutzexpertin der Partei zur Nachfolgerin des im internen Streit ausgeschiedenen Johannes Ponader. Sie kam auf einen Stimmenanteil von 81,7 Prozent. (Reaktionen auf die Wahl in diesem Storify)

Auf die Plätze der beiden 2012 zurückgetretenen Beisitzer rücken der Ingolstädter Pirat Andreas Popp und der Mannheimer Christophe Chan Hin nach.   

Mit einer kämpferischen Rede hatte die 26-jährige Studentin ihre Kandidatur vor den etwa 1.000 Parteimitgliedern begründet. Sie wolle die internen Strukturen verbessern, sagte Nocun. Sie beklagte, dass sich die Piraten "in internen Konflikten verheddern". Ihr Vorgänger Johannes Ponader war im Streit zurückgetreten. Bundeschef Bernd Schlömer war wegen eines Zeitungsinterviews heftigen Angriffen hessischer Piraten ausgesetzt.     

Die Partei müsse wieder als Team vorangehen "und verdammt noch mal die anderen vor uns hertreiben, denn sie haben es verdient", rief Nocun in die Halle. Mit nicht minder kämpferischen Worten bedankte sich die in Niedersachsen aufgewachsene Polin für das Vertrauen der Partei. "Wir haben es verdient, dass unsere Themen wieder nach vorne kommen, weil sie so lange mit Füßen getreten wurden", sagte sie.

Die Zahl der Mitbewerber war bis zur Abstimmung deutlich geschrumpft. Nocun hatte unter anderem die Unterstützung ihres Vorgängers Ponader, aber auch des Politischen Geschäftsführers der Piraten in Bayern, Bruno Gert Kramm oder der Berliner Netzaktivistin und Unternehmerin Anke Domscheit-Berg.  

Vor der Wahl hatte es einen Tumult gegeben, weil der Pirat Christian Jacken sich bei seiner Bewerbungsrede für das Amt als Mitglied der euro-kritischen Partei Alternative für Deutschland AfD geoutet hatte. Nach Ablauf seiner Redezeit und nach Zwischenrufen musste er vom Rednerpult weggeschickt werden.     

Ponader entschuldigt sich

Johannes Ponader hatte zuvor formell seinen Rücktritt erklärt. Er entschuldigte sich für Fehler, die er in seiner Amtszeit begangen habe. Ponader war parteiintern stark unter Druck geraten, Kritiker warfen ihm Alleingänge und mangelnde Teamfähigkeit vor. Der teils über Twitter geführte Streit kulminierte in der Veröffentlichung der SMS-Nachricht eines Berliner Piraten, mit der Ponader ultimativ zum Rücktritt aufgefordert hatte. Viele Parteimitglieder verübelten Ponader auch, wie unkritisch er sich zu seinem Leben mit Hartz IV bekannt hatte. Den daraufhin vollzogenen Abschied vom Leistungsbezug machte er öffentlich – in einem Zeitungsbeitrag in der FAZ,in dem er bis kurz vor dem letzten Absatz den Eindruck erweckte, er trete zurück.   

Seine Nachfolgerin Nocun wird die Partei in den Bundestagwahlkampf führen. Derzeit steht die Chance für einen Einzug schlecht – die Piraten stehen in Umfragen deutlich unter fünf Prozent. 

Bisher ist die Partei in vier Landesparlamenten vertreten: in Berlin, Schleswig-Holstein, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Und das ohne umfassendes Parteiprogramm. Das will der Parteitag noch bis zum Sonntag diskutieren – und dann als Basis für den Bundestagswahlkampf verabschieden.

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Politiker brauchen keine Bildung.

Glauben Sie wirklick, die Gesetze und Verbesserungsvorschläge kommen von Politiker selbst? Die haben doch alle ihre Berater und Textschreiber. Für jeden Bereich irgend ein Professor und statistiker, die alles ausrechnet wie ein Roboter.

Um politik zu machen braucht man nicht unbedingt Hirn oder irgendwelche Erfahrungen, sondern nur Wählerstimmen und einen guten Berater.

mal ganz ruhig bleiben bitte.

Ich habe selber studiert und finde nicht das ein Studium in irgendeiner Weise mit dem Druck, oder dem Stress einer richtigen Arbeitsstelle verglichen werden kann.

Diese Theorie ist ziemlich verrückt.

In einem Studium kannst du dich nur selber feuern(in dem du immer feiern gehst), es gibt keine, mitunter, gestressten Chefs, Mitarbeiter, Auftraggeber kein Druck weder von unten, noch von oben(es sei denn sie meinen unter- oder oberich), körperliche Unversehrtheit(Es sei denn ihr Laptop verbrennt ihnen denn Schoss).

Es wäre wirklich angenehm wenn die "Bildungselite" mal endlich akzeptieren würden das sie auch nur ein Teil vom ganzen sind und vielleicht doch keine zusätzlichen Sonderrechte mehr brauchen.
Die Leute, die ihren Körper, ihren Geist der Öffentlichkeit preisgeben bzw sich dem Verfall stellen, denn es halt nun mal gibt, sollten einfach besser beschützt werden, als die die Potentiell nachher sowieso das 2-10-10000 fache verdienen können.
Siehe Marc Zuckerberg.
Oder kommen Sie mir jetzt mit Darwin?

Ja, da haben Sie Recht!

--9. Ich bin sicher....---

<<...auch bei Phillip Mißfelder von der CDU ist Ihnen damals so richtig schlecht geworden, als der 2005 in den Bundestag einzog.>>
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Damals wurde mir zwar nicht schlecht, das Gefühl hat sich aber im Laufe der Zeit entwickelt. Und nicht wegen seiner Frisur, die mich bei keinem Politiker interessiert. Ich sehe genug Bilder von schön frisierten Haaren, wenn ich im Friseursalon sitze. Aber frisierte Inhalte erkenne ich auch ohne fremde Hilfe der Bilder.
Was soll dieser Einwand? Wenn jemand mit einem jungen Politiker nicht einverstanden ist, muss es nicht zwingend wegen des Alters sein. Das unnötige Schüren des nicht vorhandenen Generationenkonflikts ist einfach im Trend, und darum sachlich überflüssig.

bleiben Sie doch bitte beim Thema

abgesehen davon, dass ich "ruhig" genug bin, sollten Sie sich vor Kommentaren auf dieser Seite vielleicht entscheiden, ob Sie denjenigen, den Sie ansprechen, nun duzen oder siezen wollen. (Kann auch im übrigen Leben von Vorteil sein.) Vor allem aber verdrehen Sie mal eben etwas die Tatsachen; mein Kommentar war eine Reaktion auf jemanden, der zum Ausdruck brachte, Studenten hätten es sich seiner Ansicht nach nicht verdient, Politik uneingeschränkt mitgestalten zu dürfen, weil sie schließlich noch nicht vollwertig gearbeitet hätten. ;) Ob "Bildungselite" oder nicht, aber dieses Recht jedem wahlberechtigten Bundesbürger zuzugestehen hat wohl weniger was mit Sarrazinscher Logik oder universitärem Dünkel als mit Demokratie zu tun.

Wen es interessiert und auch der Vollständigkeit halber

"Bis Dezember 2012 war sie beruflich als Referentin für digitale Verbraucherrechte beim Verbraucherzentrale Bundesverband beschäftigt. Derzeit arbeitet sie als Redakteurin bei netzwelt und absolviert ein Teilzeitstudium in Wirtschaftsinformatik."(Wiki):

"Seit Jahren ist sie außerhalb von Parteien aktiv, engagierte sich im „Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung“, half bei der Verfassungsbeschwerde gegen den elektronischen Einkommensnachweis Elena, war im Asta der Uni Münster Referentin für Datenschutz und Freie Sofware. Nach ihrem Bachelorstudium ist sie nun in Hamburg eingeschrieben, studiert dort Politik, Wirtschaft und Philosophie. Ihr fehlt nur noch die Masterarbeit, aber die muss jetzt warten wegen des Wahlkampfs."(Freitag.de)