Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht in Deutschland großen Nachholbedarf bei der Integration von Zuwanderern in den öffentlichen Dienst. Deutschland nehme den Schlussplatz der OECD-Länder ein, sagte der OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Gerade für Zuwandererkinder sei der Zugang zum öffentlichen Dienst aber wichtig. 

Der öffentliche Sektor könne durch die Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund eine Vorbildfunktion übernehmen, hieß es von der OECD. Zugleich erhöhe dies ihre Sichtbarkeit im öffentlichen Leben. "Deutschland könnte hier viel von den skandinavischen Ländern lernen, wo der öffentliche Dienst geradezu als Motor für die Integration angesehen wird."

Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland fordert einen höheren Migrantenanteil im öffentlichen Dienst. Es gehe nicht um eine starre Quote, sondern darum, bestimmte Zielgrößen festzuschreiben, sagte ihr Vorsitzender Kenan Kolat. Der Verband fordert auch Änderungen des Aufenthaltsrechts: So sollen Zuwanderer, die vor der Einreise Deutsch lernen, schneller Aussicht auf eine Aufenthaltsgenehmigung und Einbürgerung bekommen. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf will Kolat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Integrationsgipfel übergeben, der am Dienstag im Kanzleramt stattfinden wird.

Die Bundesregierung berät dabei mit Vertretern von Wirtschaft und Verbänden über die Eingliederung von Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt. Es werden mehr als 100 Teilnehmer erwartet.

Rösler will mehr Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer

Wirtschaftsminister Philipp Rösler forderte eine stärkere Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus dem Ausland. "Die Sicherung von Fachkräften ist eine der größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft", sagte der FDP-Vorsitzende Spiegel Online. "Es wird allein nicht ausreichen, den Bedarf im Inland zu decken. Nach meiner festen Überzeugung brauchen wir auch mehr qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland."

Rösler forderte die CSU auf, ihre Bedenken gegen eine verstärkte Zuwanderung zurückzustellen. "Die CSU muss wissen: qualifizierte Zuwanderung nach Deutschland liegt im ureigenen Interesse auch der deutschen und auch bayerischer Unternehmen", sagte der FDP-Chef. 

Migranten mit Universitätsabschluss haben es schwer

Migranten mit akademischer Bildung haben es auf dem deutschen Arbeitsmarkt verhältnismäßig schwer: Bei denjenigen mit Universitätsabschluss liegt die Beschäftigungsquote laut der OECD-Studie mehr als zwölf Prozent unter derjenigen von in Deutschland Geborenen mit Universitätsabschluss. Dagegen haben niedrigqualifizierte Migranten auf dem Arbeitsmarkt ähnliche Chancen wie in Deutschland Geborene mit vergleichbarer Bildung.

Das Anfang April in Kraft getretene Anerkennungsgesetz sei für die vielen Zuwanderer mit ausländischen Qualifikationen zwar "ein wesentlicher Schritt nach vorn", hieß es von der OECD. Es müsse aber in die Nachqualifizierung investiert werden.

Insgesamt liege Deutschland bei der Arbeitsmarktintegration von Migranten im Mittelfeld der OECD-Länder. Nach den jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2011 lag ihre Beschäftigungsquote demnach bei 66,5 Prozent, die der in Deutschland Geborenen bei 73,4 Prozent. Es gebe aber eine positive Dynamik. Zwischen 2008 und 2011 sei die Beschäftigungsquote der Zuwanderer um vier Prozentpunkte gestiegen, deutlich mehr als bei den Nichtzuwanderern (1,5 Prozentpunkte). Dies war das größte Wachstum in der OECD.