ParteitagPonader bittet Piraten um Entschuldigung

In seiner Rücktrittsrede hat der umstrittene Politische Geschäftsführer eine Mitschuld am Parteiklima eingeräumt. Für die Piraten sieht er gute Wahlchancen.

Der scheidende Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader hat sich bei seiner Partei für Fehler entschuldigt. "Wo ich etwas falsch gemacht habe, da möchte ich Euch um Entschuldigung bitten", sagte Ponader auf dem Parteitag vor den etwa 700 Parteimitgliedern. Er habe sich stets als Brücke zwischen Vorstand und Partei verstanden und zu verhindern versucht, dass zwischen beiden zu viel Distanz entstehe. Das sei ihm "nicht immer gelungen".

Der 36-Jährige war intern wegen Alleingängen und Führungsschwäche umstritten. Noch am Freitag wollen die Piraten einen Nachfolger wählen. Ponader warnte davor, die Partei hierarchisch zu führen. "Die Piratenpartei ist kein Unternehmen, sondern eine starke, selbstbewusste Bewegung." Sie habe die Chance, "Demokratie grundlegend zu verändern". Ponader will nun wieder als einfaches Mitglied Basisarbeit machen.   

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Im Hinblick auf die Umfragewerte der Partei – derzeit unter fünf Prozent – versuchte Ponader, den Mitgliedern Mut zu machen: Er erinnerte an die Entwicklungen in der Linkspartei und der FDP, die kurz vor der Bundestagswahl an Wählersympathie hinzugewinnen konnten.

Die Piraten wollen auf dem dreitägigen Treffen in Neumarkt ihr Wahlprogramm beschließen. Hauptthemen sind in den kommenden Tagen unter anderem Bürgerrechte im Internet, mehr Transparenz und Demokratie, aber auch über Innen-, Rechts- und Außenpolitik.

Die von der Parteispitze vorgeschlagene Tagesordnung beschlossen die etwa 700 anwesenden Piraten nach nur rund 45-minütiger Debatte.

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Leserkommentare
  1. Vielleicht krigen die Piraten dieses Wochenende ja ihren Allerwertesten hoch, beschließen ein vernünftiges Programm und kommen in den Umfragen wieder besser weg.

    Denn ich persönlich habe Artikel über die Piratenpartei (und besonders ihrer Mitglieder) sehr gern gelesen. Dieses gegenseitige Zerfleischen ist für mich unterhaltsamer als jede Seifenoper.

    • vyras
    • 10. Mai 2013 18:47 Uhr

    "Im Hinblick auf die Umfragewerte der Partei – derzeit unter fünf Prozent – versuchte Ponader, den Delegierten Mut zu machen: ......"

    Wie eine Partei in der öffentlichen Wahrnehmung und damit der Wählergunst dasteht, hat in der heutigen Gesichter- und Mediendemokratie weniger mit den Punkten in ihrem Wahlprogeamm denn entscheidend damit zu tun, auf welche Weise Medien sie sich in den Medien präsentieren.

    Nachdem die "Piraten" von vielen Medien zu Anfang freudig begrüßt wurden, der "frische Wind" in der Parteienlandschaft wurde gelobt, Geschichten von sympatischen, lächelnden Nerds erzählt, hat sich das geändert, als in Umfragen für die nächsten Wahlen plötzlich 10% für sie vorhergesagt wurden.

    Da wurde meiner Wahrnehmung nach der Ton kritischer, der Fokus auf das gerichtet, was nicht so gut lief, vom "Chaos" war schnell die Rede, und die Personen kamen nicht mehr ganz so sympathisch rüber. Und die Partei selber hat das geliefert, was es brauchte, um dieses Bild zu verstärken.

    4 Leserempfehlungen
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    • Tom S.
    • 10. Mai 2013 19:15 Uhr

    Wenn sich die Parteien nach der Wahl denn wenigstens an ihre Wahlprogramme halten würden. Schon im Koalitionsvertrag werden gleich mal zig Punkte über den Haufen geworfen, teilweise 180 Grad ins Gegenteil verkehrt. In den Wahlprogrammen steht ja nicht dabei >>dieser Programmpunkt wird zuerst "verkauft"<<.

    Bei meiner ersten Bundestagswahl hatte ich mir noch die Mühe gemacht, die Wahlprogramme zu lesen. Mittlerweile spare ich mir die Mühe, da ich ohnehin nur noch zur Wahl gegangen bin um "gegen Rechts" zu wählen, weshalb ich meine letzten Wahlentscheidungen einfach ausgewürfelt habe (natürlich ohne extreme Parteien) und zuletzt aus Protest die Piraten (die vor 4 Jahren absehbar nicht über 5% kommen würden) gewählt habe.

    So lange die Piraten in den Prognosen auf max. 6% liegen werde ich sie (mangels Alternative) wahrscheinlich wieder wählen. Einen Wahlerfolg von 8% oder mehr würde ich kritisch sehen. Damit wären einfach zu viele Unerfahrene in der Opposition, der vermutlich noch eine große Koalition gegenübersteht.

    • Bashu
    • 10. Mai 2013 19:17 Uhr

    Kann man sich bei einer Partei, die eh unter <5% herumdümpelt, an den exotischen Elementen und den technischen Ideen zur direkteren Demokratie (Liquid Feedback) erfreuen, so weht bei über 5% ein rauherer Wind. Da guckt man zu Recht mal genauer hinter den Vorhang.
    Aber ich hatte darüberhinaus auch manchmal den Eindruck, dass die Piraten runtergeschrieben werden, aber die Vorlagen haben sie ja selbst geliefert.

    Ponader wirkte in den wenigen Auftritten, die ich von ihm sah, sehr intelligent und überlegt. Schade, dass er es sich selbst mit seiner Partei verscherzt hat.

    • Tom S.
    • 10. Mai 2013 19:15 Uhr

    Wenn sich die Parteien nach der Wahl denn wenigstens an ihre Wahlprogramme halten würden. Schon im Koalitionsvertrag werden gleich mal zig Punkte über den Haufen geworfen, teilweise 180 Grad ins Gegenteil verkehrt. In den Wahlprogrammen steht ja nicht dabei >>dieser Programmpunkt wird zuerst "verkauft"<<.

    Bei meiner ersten Bundestagswahl hatte ich mir noch die Mühe gemacht, die Wahlprogramme zu lesen. Mittlerweile spare ich mir die Mühe, da ich ohnehin nur noch zur Wahl gegangen bin um "gegen Rechts" zu wählen, weshalb ich meine letzten Wahlentscheidungen einfach ausgewürfelt habe (natürlich ohne extreme Parteien) und zuletzt aus Protest die Piraten (die vor 4 Jahren absehbar nicht über 5% kommen würden) gewählt habe.

    So lange die Piraten in den Prognosen auf max. 6% liegen werde ich sie (mangels Alternative) wahrscheinlich wieder wählen. Einen Wahlerfolg von 8% oder mehr würde ich kritisch sehen. Damit wären einfach zu viele Unerfahrene in der Opposition, der vermutlich noch eine große Koalition gegenübersteht.

    2 Leserempfehlungen
  2. Voller Leute die höhnisch sich freuen dass ihre Klientelregierung weitermachen darf, ungestört von einer Partei für junge Leute die nicht in den 80ern stehengeblieben sind?

    unabhängig davon, dass sie überhaupt nicht zum Klientel ihrer Wahlparteien gehören. Egal, stimmen wir für die Volksparteien, auch wenn wir unseren Leiharbeiterlohn mit Hartz IV aufstocken müssen während die besten Posten an die Kinder und Ehegatten gehen.

    2 Leserempfehlungen
    • Bashu
    • 10. Mai 2013 19:17 Uhr

    Kann man sich bei einer Partei, die eh unter <5% herumdümpelt, an den exotischen Elementen und den technischen Ideen zur direkteren Demokratie (Liquid Feedback) erfreuen, so weht bei über 5% ein rauherer Wind. Da guckt man zu Recht mal genauer hinter den Vorhang.
    Aber ich hatte darüberhinaus auch manchmal den Eindruck, dass die Piraten runtergeschrieben werden, aber die Vorlagen haben sie ja selbst geliefert.

    Ponader wirkte in den wenigen Auftritten, die ich von ihm sah, sehr intelligent und überlegt. Schade, dass er es sich selbst mit seiner Partei verscherzt hat.

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  3. ohne das die doofe Öffentlichkeit über ihn redet. Da hat ein Mensch eine Intelligenz die für zwei reichen würde und trotzdem ist er unproduktiver Totalausfall.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte FDP | Die Linke | Piratenpartei | Außenpolitik | Brücke | Bundestagswahl
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