Florian Pronold ©Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bayerns SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold kommt in das Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Er soll die Themen Verkehr und Infrastruktur übernehmen, heißt es aus SPD-Kreisen. Die Berufung des 40-jährigen Niederbayerns wird wahrscheinlich am Montag offiziell gemacht.

Pronold ist seit 2002 Abgeordneter im Bundestag und seit 2009 Vize-Vorsitzender der SPD-Fraktion. Er hat sich zunächst als Finanz-, dann als Verkehrspolitiker einen Namen gemacht. 2003 war Pronold einer der Initiatoren des SPD-Mitgliederbegehrens gegen die Agenda 2010. Heute gilt Pronold, der 1999 bis 2004 Vorsitzender der bayerischen Jungsozialisten war, als gemäßigter Linker. Er ist auch in der Bayern-SPD nicht unumstritten: Im Mai wurde er mit lediglich 80,6 Prozent als Landesvorsitzender bestätigt.

Von seiner Berufung in das Kompetenzteam erhofft sich die Partei Rückenwind für die Landtagswahl in Bayern, die am 15. September stattfindet. Mit Beharrlichkeit und markigen Sprüchen hat es Pronold, der bereits als 16-Jähriger in die SPD eintrat, zum aufstrebenden Berufspolitiker gebracht. Er gilt als guter Strippenzieher und sitzt auch im SPD-Bundesvorstand.

Bierzelt und "Latten-Gustl"

Zudem schaffte es Pronold, Steinbrück 2009 für einen morgendlichen Bierzelt-Auftritt vor 3.000 Menschen beim Gillamoos-Jahrmarkt in Abensberg zu gewinnen. Steinbrück sei von dieser Idee zunächst wenig begeistert, nach der Rede aber ganz angetan gewesen, berichtete Pronold. Der Hanseat habe gesagt: "Florian, wenn Du wieder ein Bierzelt für mich hast, sag Bescheid."

Pronold ist dafür bekannt, ähnlich wie Steinbrück gelegentlich rhetorisch über das Ziel hinauszuschießen: So bezeichnete der konfessionslose Rechtsanwalt zu Juso-Zeiten im bayerischen Kruzifix-Streit Jesus Christus als "überflüssigen Latten-Gustl". Sein beruflicher Werdegang klingt dagegen überaus solide: Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann arbeitete er bei der Sparkasse Deggendorf und nach einem Jura-Studium an der Uni Regensburg erhielt er die Zulassung zum Anwalt.

Schwesig ist Favoritin für die Familienpolitik

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Arbeits- und Sozialministerin aus Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, in das Kompetenzteam berufen werde; sie solle sich um Frauen- und Familienpolitik kümmern. Für Gesundheit sei der Bundestagsabgeordnete und Mediziner Karl Lauterbach im Gespräch. Als sicher gilt, dass Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in Steinbrücks Kompetenzteam die Bereiche Außen- und Sicherheitspolitik verantworten wird.

Das SPD-Wahlkampfteam soll aus zehn bis zwölf Personen bestehen, davon die Hälfte Frauen. Bisher hat Steinbrück offiziell IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel (Arbeit und Soziales), Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann (Innen und Justiz), sowie die Design-Professorin Gesche Joost (Neue Medien) berufen. Zudem steht die Berufung von Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig für die Themen Energie und Ostdeutschland fest.

Gesucht werden noch markante Köpfe für die Themenfelder Migration, Kultur und Kommunalpolitik. Auch den Bereich Wirtschaft hat Steinbrück bisher nicht besetzt; hier könnte die Wahl auf eine parteilose Frau fallen, spekuliert die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf SPD-Kreise.