AtommüllBrüchiger Konsens um die Endlagersuche

Der Bundestag bekennt sich grundsätzlich zur neuen Endlagersuche. Doch der Umweltminister könnte mit dem Projekt scheitern, wenn die Atomindustrie sich weiter sperrt.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) stemmt sich gegen ein mögliches Scheitern des Gesetzes für eine bundesweite Suche nach einem Atommüllendlager. "Dieser Konsens ist ein historischer Durchbruch", sagte Altmaier im Bundestag. Zuvor war der Druck auf den Minister gewachsen: Das Land Schleswig-Holstein hatte noch kurz vor der Regierungserklärung die Zustimmung des Landes davon abhängig gemacht, ob es Altmaier gelingt, sämtliche noch offene Fragen zu beantworten. Unter anderem geht es um die Zwischenlagerorte für die 26 noch ausstehenden Castor-Behälter aus der Wiederaufarbeitung im Ausland. Das Problem werde bis Mitte Juni geklärt, sagte Altmaier.

Andere Fragen konnte Altmaier nicht beantworten: etwa die nach der genauen Besetzung der 24-köpfigen Kommission, die bis Ende 2015 die Kriterien in einem transparenten Verfahren erarbeiten soll.

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Es gehe nun darum, nach dem Grundsatz der "weißen Landkarte" den "bestgeeigneten Endlagerstandort mit Blick auf die Sicherheit der Menschen und der Natur" zu finden, sagte Altmaier. Er hob hervor, dass es dabei "keine Vorfestlegung" bei der Standortsuche gebe. Das gelte für das bislang von der Regierung favorisierte niedersächsische Gorleben ebenso wie "für jeden anderen möglichen Standort in der Republik".

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin waren sich einig, dass ein Neustart bei der Suche nach einem atomaren Endlager dringend nötig sei. Auch sprachen sich im Bundestag alle Fraktionen bis auf die Linke für den erzielten überparteilichen Konsens aus.

Weil und Trittin forderten Altmaier aber erneut auf, die noch offenen Fragen umgehend zu klären. Dazu gehöre auch die Klarstellung, dass es tatsächlich wie zugesagt keine weiteren Castor-Transporte mit Atommüll in das in Gorleben bereits bestehende Zwischenlager geben wird. Die Klärung der offenen Punkte sei die Grundlage dafür, dass Vertrauen geschaffen werde, das wiederum wichtig für einen Neustart bei der Suche sei, sagte Trittin.

Verantwortung für Kosten bei Atomkraftwerksbetreibern

Immerhin, was die Finanzierung der Endlagersuche angeht, fand Altmaier in seiner Regierungserklärung klare Worte: Die Kosten des Auswahlverfahrens – Experten rechnen mit zwei Milliarden Euro – müssten von den Abfallverursachern getragen werden, sagte er. Die Generation, die das Problem verursacht habe, müsse es auch lösen. Bisher haben es die AKW-Betreiber abgelehnt, nach der kostenintensiven Gorleben-Erkundung nun erneut zu zahlen.

Nach Jahrzehnten erbitterten Streits hatten sich Bund und Länder im April auf einen Neuanfang bei der Suche nach einem atomaren Endlager geeinigt. Der fraktionsübergreifend eingebrachte Text, über den der Bundestag in erster Lesung beriet, orientiert sich an dieser ausgehandelten Einigung.

Das Endlagersuchgesetz soll noch vor der Sommerpause von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Ein Kernpunkt ist die Einrichtung einer Bund-Länder-Kommission, die Suchkriterien erarbeiten soll.

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Leserkommentare
  1. wie weit die Regierungen, die die Atomkraft forciert haben, über den Tellerrand hinausgeschaut haben. Nämlich überhaupt nicht! Das sich jetzt die Atomkraftwerksbetreiber weigern weitere Kosten für ein Endlager aufzubringen, ist eigentlich verständlich! Hat doch Herr Dr. Kohl seinerzeit endschieden, Gorleben und sonst nichts. Nu ist das Kind im Brunnen und eigentlich schon längst gestorben. Nun zieht man es wieder raus und glaubt, nach christlicher Lehre, es wiederbeleben zu können. Auch das wird sehr, sehr schwer, weil sobald eine Region in die nähre Auswahl kommt, geht "mit Sicherheit" wieder eine Protestwelle los, weil wer will schon diesen Müll vor der Haustür haben. Da sind doch Andere "viel besser" geeignet!!! Hier werden wir noch sehr viel Spaß haben, aber nicht unbedingt im positiven Sinn!!!

    Eine Leserempfehlung
  2. Ich mich lange Zeit mich Kerntechnik beschäftigt und habe sogar in dem Bereich gearbeitet - und letztendlich bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Endlager die schlechte Lösung ist.
    Alles kommt unter die Erde und liegt in irgendwelchen Stollen, die nur über Schächte erreichbar sind.
    Für den Fall, dass das Material wieder nach oben soll, weil z.B. der Schacht nicht mehr stabil ist, wird es teuer.

    Die Lösung aber ist recht einfach: Den radioaktiven Abfall einfach oberirdisch lagern, wie es ja auch bereits gemacht wird. Das Zwischenlager Ahaus oder Gorleben sind sehr geeignet als Aufbewahrungsort.
    Die Hallen sind gut geschützt und relativ günstig, der Abfall ist lecksicher verpackt - bei einer Strahlungsmessung misst man eher das Kalium aus dem Beton, als die Radioaktivität der Abfälle.
    Und für den (wahrscheinlichen) Fall, dass man die Abfälle irgendwann endgültig entsorgen kann, sind sie erreichbar.

    4 Leserempfehlungen
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    [Zitat]Die Lösung aber ist recht einfach: Den radioaktiven Abfall einfach oberirdisch lagern, wie es ja auch bereits gemacht wird. [/Zitat]

    Was Sie vorschlagen ist eine "Null"-Lösung!
    Die Dauer einer sicheren Lagerung liegt bei mindestens 20.000 Jahren (viele sprechen von 100.000, manche von 1mio. Jahre).
    Schlagen Sie doch bitte mal ein Geschichtsbuch auf und verfolgen Sie wieviele Kriege und Bürgergkriege im den letzten 10% dieser Zeit - also 2000 Jahre - über unser Land hinweggezogen sind. Warum sollte das in der Zukunft anders sein?
    Sie könnten auch mal ein Geologiebuch aufschlagen und sehen wie Deutschland vor 20.000 Jahren aussah: Eis bis zur Elbe, davor der Urstrom, der Rest quasi unbewohnbar.
    Das Zeug ungesichert in der Landschaft stehen zu lassen, in der Hoffnung das sich spätere Generation darum kümmern, liegt genau im Mainstream dieser verantwortungslosen Technologie.
    Das Zeug muss unter die Erde und die Kosten für die Rückholung müssen so hoch sein, dass sich jedweder Einsatz in Krieg oder Bürgerkrieg nicht lohnt!

    • ribera
    • 17. Mai 2013 15:15 Uhr

    Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu. Wir brauchen kein Atomendlager für die Ewigkeit.
    Es ist heute überhaupt nicht absehbar, welche technischen Möglichkeiten der Lagerung oder Vernichtung des Atommülls in 100 Jahren zur Verfügung stehen.
    Wir müssen den Atommüll sicher und gegebenenfalls umlagerbar verwahren.
    Das wäre für mich allerdings nicht überirdisch, wegen der Gefahren durch Flugzeugabstürze, beispielsweise.

  3. [Zitat]Die Lösung aber ist recht einfach: Den radioaktiven Abfall einfach oberirdisch lagern, wie es ja auch bereits gemacht wird. [/Zitat]

    Was Sie vorschlagen ist eine "Null"-Lösung!
    Die Dauer einer sicheren Lagerung liegt bei mindestens 20.000 Jahren (viele sprechen von 100.000, manche von 1mio. Jahre).
    Schlagen Sie doch bitte mal ein Geschichtsbuch auf und verfolgen Sie wieviele Kriege und Bürgergkriege im den letzten 10% dieser Zeit - also 2000 Jahre - über unser Land hinweggezogen sind. Warum sollte das in der Zukunft anders sein?
    Sie könnten auch mal ein Geologiebuch aufschlagen und sehen wie Deutschland vor 20.000 Jahren aussah: Eis bis zur Elbe, davor der Urstrom, der Rest quasi unbewohnbar.
    Das Zeug ungesichert in der Landschaft stehen zu lassen, in der Hoffnung das sich spätere Generation darum kümmern, liegt genau im Mainstream dieser verantwortungslosen Technologie.
    Das Zeug muss unter die Erde und die Kosten für die Rückholung müssen so hoch sein, dass sich jedweder Einsatz in Krieg oder Bürgerkrieg nicht lohnt!

    Antwort auf "die wahre Katastrophe"
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    Der Abfall muss dann permanent verwaltet und kontrolliert werden was einen gewissen Aufwand bedeutet.
    Im Gegensatz zu der Endlageridee sind Probleme allerdings besser abfangbar
    Denken Sie sich mal ein unvorhergesehenes Ereignis tritt ein und der Müll muss wieder raus. Das ist bei einigen Endlagervarianten ein schlechtes Szenario. Denken Sie nur mal an die Asse.
    Die Kosten für die Kernenergie tragen wir egal ob direkt oder als Risiko

    Sie vergessen in Ihrem Kommentar die Wahrscheinlichkeit einer technischen
    Weiterentwicklung. In 100 Jahren kann man den ganzen Müll vielleicht in die Sonne schiessen oder eine neue Technik löst die Radioaktivität auf oder wer weiß was. Sie argumentieren mit der Logik der alten Römer: heute ein mächtiges Rom, immer ein mächtiges Rom. Nichts ändert sich. Ich denke auch, eine leichtere Zugänglichkeit wäre besser als den Müll so tief zu versenken dass man nie wieder drankommt. Technischer Fortschritt ist so etwas wie eine Naturgewalt und es ist aus der Erfahrung der Geschichte unsinnig zu argumentieren dass ausgerechnet in diesem Bereich niemals der technische Stand des 20. Jahrhunderts übertroffen werden wird.

  4. Die Behälter, die unter die Erde gebracht werden, sind nicht dafür ausgelegt, die radioaktiven Materialien bis zu deren Ungefährlichkeit einzuschließen (so einen Behälter gibt es gar nicht).
    Was passiert, wenn die Behälter unter der Erde vergessen werden? Dann sind sie irgendwann nicht mehr rückholbar und kontaminieren die Umgebung - genau das passiert, was verhindert werden sollte.

    Wenn Sie mal ein Geologiebuch aufschlagen, dann werden Sie feststellen, dass nicht vom 17.5. auf den 18.5. eine Eiszeit ausbrach. Eine aktive Reaktionsfähigkeit bei oberirdischer Lagerung ist viel sicherer, als keine bei unterirdischer Lagerung.

    Wenn jemand eine Bombe auf ein Zwischenlager wirft, dann habe ich ganz andere Sorgen. Ein gezielter kriegerischer Angriff auf ein solches Lager wäre militärischer Selbstmord. Es gibt ganz andere Ziele, die aus der Sicht lohnenswert anzugreifen sind.
    Die Halle, wie sie bspw. in Ahaus steht, ist bestmöglich gesichert für Erdbeben, Überschwemmungen und terroristische Angriffe, etc.

    Übrigens: Niemand hat davon gesprochen, es ungeschützt irgendwo stehen zu lassen.

  5. ...den ewigen Aufschrei nicht.

    Eine Gesellschaft, die Atomkraft als Energiequelle verwendet, muss auch mit den Konsequenzen, in diesem Fall Atommüll umgehen können. Hier ist die deutsche Gesellschaft leider sehr unaufgeklärt und könnte von Japanern und Chinesen lernen.

    Dass die Konzerne in die Pflicht der Abfallbeseitigung genommen werden, ist mehr als verantwortungslos. Hier ist der Staat gefragt, denn nur dann kann die sichere Lagerung über Jahrtausende garantiert werden.

    mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

    Eine Leserempfehlung
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    Der Staat kümmert sich um die Entsorgung. Es geht um die Verteilung der Kosten - die sollen die Energieunternehmen bezahlen. Dafür wurde z.B. die GNS und die GRS gegründet.
    Das ist auch richtig, schließlich haben die auch damit Milliardenbeträge erwirtschaftet und sogar noch Subventionen abgegriffen.
    Die Erkundung von Gorleben, der Asse, usw. aber trägt der Staat alleine, denn das hat wenig mit der abgesprochenen Einlagerung zu tun.

  6. Der Staat kümmert sich um die Entsorgung. Es geht um die Verteilung der Kosten - die sollen die Energieunternehmen bezahlen. Dafür wurde z.B. die GNS und die GRS gegründet.
    Das ist auch richtig, schließlich haben die auch damit Milliardenbeträge erwirtschaftet und sogar noch Subventionen abgegriffen.
    Die Erkundung von Gorleben, der Asse, usw. aber trägt der Staat alleine, denn das hat wenig mit der abgesprochenen Einlagerung zu tun.

    Antwort auf "Ich verstehe..."
  7. Ja genau. Und die Gefängnisstrafe könnte auch scheitern, wenn sich der verurteilte Kriminelle weiter sperrt. lol

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sdo
  • Schlagworte Peter Altmaier | Jürgen Trittin | CDU | Die Linke | SPD | Atommüll
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