Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer während des Parteikonvents der CSU in München © Andreas Gebert/dpa

In der Verwandtenaffäre um bayerische Landtagsabgeordnete hat CSU-Chef Horst Seehofer Rücktrittsforderungen zurückgewiesen. "Ich weiß gar nicht, was der sich da einmischt", sagte Seehofer an die Adresse des bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude, der den Rücktritt von fünf Kabinettsmitgliedern verlangt. "Er ist weder Parteivorsitzender noch Fraktionsvorsitzender, noch braucht ihn irgendjemand zur Lösung des Problems", sagte Seehofer.

Die Affäre trübt die Stimmung auf dem CSU-Parteikonvent in München. Dort soll Seehofer in einem pompösen Ritual offiziell zum Spitzenkandidaten der Landtagswahl gekürt werden. Seehofer gibt sich unbeeindruckt: "Wir haben eine ganz klare Linie, die heißt Aufklärung und Transparenz, Schaffung von neuen Rechtsgrundlagen für die Zukunft und in eklatanten Einzelfällen personelle Konsequenzen."

Am Nachmittag hatte Landtagspräsidentin Barbara Stamm eine Liste mit allen in die Affäre verwickelten Abgeordneten veröffentlicht. Demnach hatten acht amtierende und ehemalige CSU-Minister und Staatssekretäre seit dem Jahr 2000 Familienmitglieder beschäftigt. Insgesamt stehen 79 Abgeordnete auf der Liste – von fast allen Fraktionen.

Ude sprach von einer "schweren Regierungskrise" in Bayern. Doch auch 21 Sozialdemokraten hatten Familienmitglieder ersten Grades eingestellt, darunter die frühere SPD-Landesvorsitzende Renate Schmidt.