SPD-SchattenkabinettSteinbrück holt sich selbst als Finanzexperten

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück beruft eine erfahrene Bundesministerin und eine junge Sozialpolitikerin ins Wahlkampfteam. Das Thema Finanzen will er selbst übernehmen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück  |  © Kai Pfaffenbach/Reuters

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat weitere Mitglieder seines Kompetenzteams vorgestellt: Die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wird für Verbraucherpolitik zuständig sein, die mecklenburgische Sozialministerin Manuela Schwesig soll sich um Familien- und Frauenpolitik, den Aufbau Ost sowie Demografie und Inklusion kümmern. Am Wochenende war bereits der bayerische SPD-Landeschef Florian Pronold als Mitglied von Steinbrücks Wahlkampfteam bekanntgegeben worden. Er ist für die Themen Verkehr und Infrastruktur zuständig.

Das Thema Finanzen will Steinbrück im Wahlkampf zur Chefsache machen. In sein zehn- bis zwölfköpfiges Schattenkabinett werde er keinen Spezialisten dafür aufnehmen. "Was das Thema Finanzen betrifft, glaube ich, dass ich es selbst wahrnehmen kann", sagte er bei der Vorstellung von  Pronold, Schwesig und Zypries als Mitglieder seines sogenannten Kompetenzteams. Steinbrück war während der großen Koalition von 2005 bis 2009 Bundesfinanzminister.

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Zypries sei eine äußerst erfahrene Bundespolitikerin, begründete Steinbrück die Berufung der 59-Jährigen bei Twitter. Sie war von 2002 bis 2009 Bundesjustizministerin der rot-grünen sowie der großen Koalition. "Auch in der globalen, vernetzten Gesellschaft darf Einkaufen und ein Vertragsabschluss keine Wissenschaft werden", schreibt Zypries in einer kurzen Vorstellung auf der Internetseite Steinbrücks. Deshalb wolle sie dafür sorgen, dass "der gesunde Menschenverstand immer ausreichend ist, um bewusste Entscheidungen zu treffen". 

Manuela Schwesig war bereits im Wahlkampfteam des SPD-Kanzlerkandidaten 2009, Frank-Walter Steinmeier. Die Landessozialministerin nennt in ihrer Vorstellung Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit als wichtigste Ziele. Sie will unter anderem die Ganztagsangebote in Kitas und Schulen ausbauen.

Lauterbach für Gesundheit im Gespräch

Die Süddeutsche Zeitung hatte am Wochenende zudem berichtet, dass der Bundestagsabgeordnete und Mediziner Karl Lauterbach die Gesundheitspolitik in Steinbrücks Team übernehmen könnte. Als sicher gilt, dass Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier im Kompetenzteam die Bereiche Außen- und Sicherheitspolitik verantworten wird.

Das SPD-Wahlkampfteam soll aus zehn bis zwölf Personen bestehen, davon die Hälfte Frauen. Bisher hat Steinbrück offiziell IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel (Arbeit und Soziales), Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann (Innen und Justiz), sowie die Design-Professorin Gesche Joost (Neue Medien) berufen. Zudem steht die Berufung von Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig für die Themen Energie und Ostdeutschland fest.

CDU kritisiert SPD-Wahlkampfteam

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe kritisierte Steinbrücks Wahlkampfteam als rückwärtsgewandt. Mit Pronold sei bereits der zweite Kritiker der Sozialreformen der Agenda 2010 berufen worden, sagte Gröhe. "Das ist personell und programmatisch kein Angebot an die Mitte unsere Gesellschaft, sondern ein Angebot an die Linkspartei." Bei der Wahl im Herbst werde es um die Frage gehen, ob Deutschland ein starkes Land bleibe oder eine veraltete SPD-Politik dies aufs Spiel setze. 

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Leserkommentare
  1. Steinbrücks Rentnerriege wird sang- und klanglos untergehen bei der nächsten Wahl. Eine "Neu"-Auflage nach alter Schröder-Agenda-Manier wollen die Noch-SPD-Wähler sicher nicht. Warum läßt man nicht endlich die jüngeren um Nahles und Siegmar Gabriel eine wirklich neue und wieder sozial-demokratische Politik machen? Ganz einfach, weil die alten Bonzen Steinmeier und Steinrück an ihren Posten kleben. Und sich immer noch nicht eingestehen können, daß sie mit Schröder total politisch gescheitert sind.

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    • Newo
    • 27. Mai 2013 11:59 Uhr

    Gabriel und Nahles müssten auch noch weg, um mal einen Neustart zu wagen, aber da müssen wir warten bis wohl die Natur ihren Lauf nimmt...

    "Warum läßt man nicht endlich die jüngeren um Nahles und Siegmar Gabriel eine wirklich neue und wieder sozial-demokratische Politik machen?"

    Der war gut! Nahles und Gabriel sind ja so unbescholten und unberührt. Die haben sich noch gar nicht an die Wirtschaft verkauft. haha

    Die Dauerstudentin und der Volkshochschullehrer? Man könnte sicher einige "creative" Vorschläge erwarten - das ist mal sicher. Aber Deutschland könnte man mit DIESER Truppe dann wirklich abschreiben. Wobei immer berücksichtigt werden muß, daß die Deutsche Industrie nicht wegen, sondern TROTZ unserer Kompetenzbolzen in der Politik erfolgreich ist. Ob sie aber das Dreamteam Nahles/Gabriel aushielte?

  2. In der oben verlinkten Vorstellung zum Kompetenzteam von Frau Schwesig findet sich der Satz:
    "Es gibt noch viel zu tun, damit wir endlich wirkliche Gleichstellung erreicht haben."

    Tatsächlich ist es nicht die Aufgabe der Politik "Gleichstellung" herzustellen.
    Fälschlicherweise wird dies immer wieder behauptet. Ziel muß es sein "Gleichberechtigung" (wie in Art3 GG verankert) zu erreichen.

    Gleichstellung bedeutet Ergebnisgleichheit, also jeder bekommt gleich viel Geld/Anerkennung, egal für welche Tätigkeit.

    Gruß
    tL

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    • 29C3
    • 27. Mai 2013 12:10 Uhr

    hat sich als populistisch agierende Neidvolle bereits mehrere male derart stark medial positioniert, dass ich ihre Aufnahme in das Team nicht verstehen kann.

    Der SPD alles gute, aber diesmal...

    ps. Mein Respekt vor Frau Zypries

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und verfassen differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    das ist auf den Punkt gebracht die ganze SPD Politik.

    • Newo
    • 27. Mai 2013 11:59 Uhr

    Gabriel und Nahles müssten auch noch weg, um mal einen Neustart zu wagen, aber da müssen wir warten bis wohl die Natur ihren Lauf nimmt...

    17 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Olle Kamellen"
  3. Nachdem die Wahlniederlage dank des Finanzmarktderegulierers Steinbrück bereits in trockenen Tüchern sein dürfte, darf auch noch die wandelnde Inkompetenz ("was ist noch mal ein Browser" Zypries ran.

    Das ist die Justizministerin, die für staatliche Geheimzensur (Stichwort Stoppschilddebatte) anlaßlose Vorratsdatenspeicherung und erkennungsdienstliche Behandlung aller Bürger (Fingerabdrücke abgeben) verantwortlich war.

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    "Das ist die Justizministerin, die für staatliche Geheimzensur (Stichwort Stoppschilddebatte) anlaßlose Vorratsdatenspeicherung und erkennungsdienstliche Behandlung aller Bürger (Fingerabdrücke abgeben) verantwortlich war."
    ------------------------
    Nicht zu vergessen: Im EInklang mit ihrer Partei. Leider scheinen die sPD-Wähler in diesen Punkten an AMnesie zu leiden oder sie wünschen sich eine Zensur wie in den guten alten Ost-Zeiten.

    • 29C3
    • 27. Mai 2013 12:10 Uhr

    hat sich als populistisch agierende Neidvolle bereits mehrere male derart stark medial positioniert, dass ich ihre Aufnahme in das Team nicht verstehen kann.

    Der SPD alles gute, aber diesmal...

    ps. Mein Respekt vor Frau Zypries

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Frau Schwesig"
  4. eine gute Wahl. Erfahren und in Berlin bewandert.
    Ich bin mir jetzt schon sehr sicher im Herbst SPD zu wählen.
    Es ist zwar schade nach dem Motto "der Zweck heiligt die Mittel" zu gehen, aber aus tiefster demokratischer Überzeugung MUSS Merkel weg. Dieses Nichtstun und alles nur auf Machterhalt ausgerichtete Handeln muss aufhören. Schröder hatte mir seiner (überflüssigen) Neuwahl wenigstens noch Rückgrat bewiesen, etwas das Merkel vollständig mit ihrer Beliebigkeit vermissen lässt.

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    • ngw16
    • 27. Mai 2013 12:29 Uhr

    Nämlich den Rekord der meisten vom BVerfG wg. verfassungswidrigkeit kassierten Gesetze.

    Noch eine Person, die dafür steht, dass die sPd den Schuss nicht gehört hat.

    durch nichts aufgefallen. Wieso ist sie eine gute Wahl? Vermutlich noch alternativlos?

  5. Ein aktuelleres Foto von Steinbrück und Zypries konnte die Redaktion wohl nicht auftreiben?
    Oder soll hier bewusst Meinung statt Meldung gemacht werden, denn so miesepetrig habe ich beide lange nicht gesehen..

    3 Leserempfehlungen
    • ngw16
    • 27. Mai 2013 12:29 Uhr

    Nämlich den Rekord der meisten vom BVerfG wg. verfassungswidrigkeit kassierten Gesetze.

    Noch eine Person, die dafür steht, dass die sPd den Schuss nicht gehört hat.

    9 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, tis, mpi
  • Schlagworte Frank Walter Steinmeier | Peer Steinbrück | Karl Lauterbach | CDU | Florian Pronold | Manuela Schwesig
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