SPDSteinbrücks sonderbares K-Team

Eine Netzpolitikerin, die keine ist. Ein Sozialpolitiker, der dem widerspricht, was der Kanzlerkandidat fordert: Das Kompetenzteam von Peer Steinbrück wirft Fragen auf. von  und

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück neben den Mitgliedern seines Kompetenzteams Gesche Joost, Thomas Oppermann und Klaus Wiesehügel

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück neben den Mitgliedern seines Kompetenzteams Gesche Joost, Thomas Oppermann und Klaus Wiesehügel  |  © Steffi Loos/CommonLens

Wenn es ums Internet geht, ist Peer Steinbrück bisher nicht unbedingt durch Kompetenz aufgefallen. Das scheint ihm selbst klar zu sein, denn er hat sich nun Kompetenz eingekauft. Die Professorin Gesche Joost berät ihn ab sofort im Wahlkampf beim Thema Netzpolitik.

Das ist nicht schlecht, im Gegenteil, Joost hat viel über die Technik Internet und über die Frage, wie wir sie gestalten wollen, nachgedacht.

Anzeige

Aber es ist aus zwei Gründen erstaunlich. Zum einen, weil Steinbrück sich hinsichtlich netzpolitischer Kompetenz eigentlich nicht beklagen kann: Im Internet aktive und bewanderte Menschen wie Sascha Lobo oder Nico Lumma bemühen sich seit Jahren, Steinbrück und andere Politiker der SPD bei diesem Thema zu beraten. Wie man hört, bemühen sie sich eher vergeblich, der Kanzlerkandidat hört ihnen nicht unbedingt zu, wenn sie von Netzneutralität und ähnlichen Dingen reden. Vermutlich fürchtet Steinbrück nicht zu Unrecht: Lobo und Lumma würden sich ungebührend in den Vordergrund drängeln. Joost hingegen ist dafür da, dass Steinbrück glänzen kann.  

Zum anderen ist es erstaunlich, weil Joost netzpolitisch bisher nicht aufgefallen ist. Sie ist Professorin für Design, genauer für Interaktionsdesign. Sie erforscht, wie Schnittstellen zwischen Mensch und Computer aussehen müssen, damit beide sich verstehen. Bisher war ihr Job, zu untersuchen, wie Menschen mit dem Internet, mit Handys und mit dem steten Strom an Botschaften umgehen. Hantieren Männer anders mit solchen Geräten als Frauen, Alte anders als Junge?

Politik spielte bei ihr noch nie eine Rolle

Und sie hat sich Gedanken darüber gemacht, wie Kommunikationsgeräte aussehen sollten, damit sie uns nutzen und uns nicht auf die Nerven gehen. Sie hat Visionen entwickelt, unter anderem als Stiftungsprofessorin der Telekom Visionen über zukünftige Handys.

Politik spielte dabei nie eine Rolle. Es ging nur um die Technik. Nun also soll Joost Politik machen. Bei ihrer Vorstellung am Montag sagte sie zumindest die richtigen Dinge. Sie forderte, dass Netzneutralität im Gesetz verankert wird, dass alle Zugang zum Netz haben, dass alle den Umgang damit lernen können, dass offene Daten gefördert werden.

Sämtlich sinnvolle und wichtige Forderungen. Doch nach der Mensch-Maschine-Schnittstelle wird Joost nun eine andere erforschen müssen, die Schnittstelle Wähler-Politiker. Die ist mindestens ebenso komplex. Hoffentlich lässt ihr der politische Alltag genug Zeit, einen Weg zu finden, wie Steinbrück und das Netz sich verstehen können.


Leserkommentare
  1. wobei man Leute mit Strafanzeige vermutlich nicht massenwirksam medial platzieren kann.
    Schön wenn der Kandidat komplett andere Meinungen vertritt als sein Arbeitminister und GEwerkscahftsapparatschik.
    Sehr glaubwürdig, P€€r!
    anyway...
    Letzlich werden die Deutschen erkennen müssen, ob sie einen Superstaat mit profizierenden Funktionären haben wollen , die sich auf KOsten der Steuerzahler die Tascehn füllen oder ob sie eine klare Verschlankung des Staates wollen mit klaren Sparanstrenungen im Süden und einer Vereinigung freier Bürger ohne kollektive (öko)ideologie

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Machen wir doch jetzt schon seit Jahrzehnten. Wie lange sollen wir das noch fortführen bis sie einsehen das das nicht funktioniert. Es ist doch jetzt schon so, das der Staat an fast allen Stellen Handlungsunfähig ist.

    Die Leute wollen Straßen, aber keine Bauingenieure in den Ämtern.
    Die Leute wollen Bildung, aber keine Lehrer und Professoren.
    Die Leute wollen Sicherheit, aber keine neuen Polizisten.
    Die Leute wollen Steuerehrlichkeit, aber keine neuen Finanzbeamte.
    Die Leute wollen keine Lebensmittelskandale, aber keine neuen Kontrolleure.
    Die Leute wollen funktionierende Energienetze, funktionierendes Internet mit akzeptabler Geschwindigkeit und noch tausend Dinge mehr.

    Und die Leute wollen für nichts davon Geld ausgeben.
    Tja, so funktioniert aber kein Staat!

    • geni
    • 13. Mai 2013 20:44 Uhr

    stimmt in Baden-Würtemberg hat es die Grün-Rote Landesregierung mit der Verschlankung des Staates schon so weit getrieben, dass Vertretungslehrer über die Sommerferien gekündigt werden und dann zum nächsten Schuljahr wieder eingestellt werden. Ja das gab es auch schon unter schwarz-gelb. Bei der derzeitigen Regierung gab es bloß einen Anstieg von ca 1000%

  2. PolItik fest. Herr Wiesehügel wird sich Herrn Steinbrück beugen müssen. Warum tut er sich das an. Ich vermute relativ kurz vor der Wahl wird uns ein sozialer Bonbon präsentiert werden, den Herr Wiesehügel präsentieren darf.

    Ansonsten wäre es doch konsequenter den LaFo zu machen. Es wäre schon eine besondere Form des Masochismus ständig gegen die eigenen Ansichten handeln zu müssen.

    2 Leserempfehlungen
  3. Wenn er beweisen will, das er nicht nur ein Wiederholungstäter der Politik Schröders ist, was ihm ja auch viele zur Last legen, dann gibt es doch gar keinen anderen Weg als kritische Stimmen aus den eigenen Reihen nach vorne zu holen. Oder hätte er den Clement ausgraben sollen??

    Natürlich darf man Zweifel an die Ehrlichkeit dieses Wandels äußern, aber auch hier sollte gelten, im Zweifel für den Angeklagten. Im übrigen denke ich das es jedem klar ist, das die SPD einen zweiten Schröder nicht mehr politisch überleben würde.

    10 Leserempfehlungen
  4. war es nicht herr steinbrück selber, der -m.E. völlig zu recht!- das zu niedrige gehalt für die funktion 'bundeskanzler' angemerkelt hat?!

    wie muss es dann erst um die entlohnung der funktion 'minister' bestellt sein?!

    qualität hat nun mal in einer markt-/globalwirtschaft ihren preis!

    > herr steinbrück sollte wissen, was er gesagt hat!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    immer süße, wie die Sozen Steinreichs Leistungen als Rechtfertigung für seine räubersich überzogenen, asozialen Honorare vorbrachten..

    so geht WAhlkampf natürlich auch ^^

  5. immer süße, wie die Sozen Steinreichs Leistungen als Rechtfertigung für seine räubersich überzogenen, asozialen Honorare vorbrachten..

    so geht WAhlkampf natürlich auch ^^

    Eine Leserempfehlung
  6. sondern umfassend beratend soll ein Kompetenzteam sein, ohne dabei zur unueberschaubaren Armee anzuwachsen, und doch gleichzeitig repraesentativ fuer die Partei der man anghoert (Gerade in der SPD ist ja das Muentefering Dogma vom 'Stallgeruch' den man haben muesse, um in der SPD was zu werden, Gesetz), ohne dabei zur Strohmann-/-frauschaft zu verkommen. Nun hat Steinbrueck eventuell ja nur klug taktiert, moeglich aber, dass er Leute ausgesucht hat, die ihn wirklich umfassend beraten koennen. Mit Joost etwa nicht einfach eine Netzpolitik-Expertin sondern eine Kommunikationstechnologie-expertin, die auch die Schnittstelle Wissenschaft-Gesellschaft-Politik, sowie Zukunftstechnologien und Technikfolgenabschaetzung,usw. zu ueberschauen und dem Kandidaten zu vermitteln in der Lage ist.Dass sich ein Kandidat Leute holt, die ihm nicht als Ja-Sager zur Seite stehen,sondern auch andere Ansichten verstehen und vertreten, ist- ausserhalb der Boulevard-Presse-auch kein Manko, sondern kann ein Ausweis an Umsicht und der Faehigkeit zuhoeren zu koennen sein. Das wird sich aber eben erst zeigen muessen in der Praxis. Was daran so 'erstaunlich' sein soll, ist schwer zu verstehen.Erstaunlich ist, dass man erstaunlich findet, was eigentlich normal sein sollte,dass naemlich ein Spitzenkraft sich umfassendes Know-How einkauft,um umfassend beraten zu sein und unterschiedliche Ansichten und Moeglichkeiten erkunden zu koennen. Soll der Politker der Zukunft sich nur noch bei Wikipedia informieren?

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Joost ist Steinbrücks "Piratin" und Wiesehügel sein "Linker". Jetzt sind wir aber überzeugt von dieser SPD, dem Gemischtwarenladen, der mit Parteichef Gabriel auch noch einen "Grünen" mit Tempolimit zu bieten hat.

    • sioux
    • 13. Mai 2013 20:06 Uhr

    Es wäre ja schon viel gewonnen, wenn sie Wiefelspütz mit der Stiefelspitz dahin befördert, wo man noch richtig die lästigen Bürger überwachen kann und wo Bürgerrechte ein dämliches Anliegen der Nicht-Elite sind, etwa in Richtung Kim the Kid. Dann wäre die SPD ja schon mal wieder ein wenig relevanter.
    Für dieses Mal aber werden die Grünen wieder ihre Ursprungs-Anarchie entdecken, um die Piraten zu kontern. Das jedenfalls ist zu hoffen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/se

  7. Machen wir doch jetzt schon seit Jahrzehnten. Wie lange sollen wir das noch fortführen bis sie einsehen das das nicht funktioniert. Es ist doch jetzt schon so, das der Staat an fast allen Stellen Handlungsunfähig ist.

    Die Leute wollen Straßen, aber keine Bauingenieure in den Ämtern.
    Die Leute wollen Bildung, aber keine Lehrer und Professoren.
    Die Leute wollen Sicherheit, aber keine neuen Polizisten.
    Die Leute wollen Steuerehrlichkeit, aber keine neuen Finanzbeamte.
    Die Leute wollen keine Lebensmittelskandale, aber keine neuen Kontrolleure.
    Die Leute wollen funktionierende Energienetze, funktionierendes Internet mit akzeptabler Geschwindigkeit und noch tausend Dinge mehr.

    Und die Leute wollen für nichts davon Geld ausgeben.
    Tja, so funktioniert aber kein Staat!

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/se

    formuliert. Vermutlich hat sich die 'Geiz-ist-geil'-Mentalität derart festgesetzt, dass alles nichts kosten darf. Es ist von Ihnen auf den Punkt gebracht worden

    Leute wollen schon Geld dafür ausgeben, aber halt nicht zusätzlich für die Pensionen ihrer tollen Beamten..

    Die angegebene AUfgaben sind auch ohne verbeamtete Funktionästräger machbar.
    Das wäre dem Staatshaushalt sicherlich dienlicher..

    das ein "Profdoc", der vermutlich auch vom Steuerzahler alimentiert wird, da natürlich zustimmt ,versteht sich von selbst

    Danke, Redkation, dass ich den Kommentar auf meinen Kommentar hiermit erneut kommentieren darf..
    ich darf ja meinen Respondenten antworten.merci

    Ich habe kein Problem, damit mehr Geld für einige Dinge auszugeben. Mein Problem ist eher:
    Warum werde ich so stark belastet, während andere, die das dreifache mit einem Fingerschnips zahlen könnten, kaum belastet werden? Warum muss ich Leute bezahlen, die wir nicht brauchen und die inkompetent sind oder Ämter, die nur von 12-15 Uhr geöffnet haben. Warum darf wer anderes entscheiden, was ich zu wollen und zu brauchen habe (z.B. mehr Sicherheit)? Warum dürfen mich Unternehmen und v.a. Politiker anlügen und für blöd verkaufen (Drosselkom, Staatstrojaner)? Warum haben Politiker und Unternehmer keine Angst mehr vor dem Volk?

    Ich befürchte, bald sind wir nicht mehr die emanzipierten Herrscher, sondern die betäubten Mitläufer.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service