MigrationWie gut, dass es so viele Zuwanderer gibt

Deutschland schrumpft und altert. Gleichzeitig wollen so viele Menschen aus dem Ausland herziehen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Ein Segen, kommentiert Ludwig Greven. von 

Deutsche neigen zu Pessimismus. Die Konjunktur lässt nach, die Arbeitslosigkeit könnte steigen, der Euro kriselt weiter: Solche Meldungen sind für viele Grund genug, um düster in die Zukunft zu schauen.

Von außen betrachtet, sieht es aber ganz anders aus: Deutschland ist für viele Menschen in Europa und der Welt offensichtlich nach wie vor ein hoch attraktives Land, das Arbeit, Wohlstand und Frieden verspricht. So attraktiv, dass wieder mehr Ausländer einwandern. 2012 waren es so viele wie seit 1993 nicht mehr. 

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Im Prinzip ist die starke Zuwanderung ein gutes Zeichen. Nicht nur, weil sie belegt, dass es Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ziemlich gut geht. Noch wichtiger ist: Deutschland ist auf Zuwanderer angewiesen.

Die meisten kommen aus Polen

Ohne Menschen, die hierher ziehen, würden bald noch viel mehr Arbeitskräfte fehlen, und die Schulen wären bald noch sehr viel leerer. Deutschland ohne Zuwanderer wäre ein schrumpfendes, schnell alterndes Land. Damit die Bevölkerungszahl in etwa gleich bleibt, braucht das Land wegen der demografischen Entwicklung pro Jahr etwa 250.000 bis 400.000 Einwanderer. Pro Jahr sterben hierzulande etwa 200.000 Menschen mehr als geboren werden.

Exakt 965.908 Nicht-Deutsche sind im vergangenen Jahr nach der amtlichen Statistik eingewandert, fast so viele, wie Köln Einwohner hat. Keine kleine Zahl also. Aber genauer betrachtet kamen unter dem Strich nur 387.149 dazu, da gleichzeitig 578.759 Ausländer abwanderten. Die sogenannte Netto-Zuwanderung entspricht also ziemlich genau der Zahl, die Deutschland aus demografischen Gründen benötigt.

Vor allem aber kommen heute andere Menschen. Unter den Zuwanderern ist eine wachsende Zahl von Fachkräften, die in vielen Branchen gebraucht werden. Abgenommen hat dagegen der Familiennachzug bei den früheren Gastarbeitern, die sich nur zeitlich befristet in Deutschland aufhielten, und die Zahl der Flüchtlinge. Die größte Gruppe der Zuwanderer kam im vergangenen Jahr aus Polen. Dahinter folgten Rumänen und Bulgaren, deren Zuzug in die großen Städte als zum Teil bedrohlich beschrieben wird. Sicherlich ist es für die betroffenen Städte und Gemeinden nicht einfach, diese Menschen unterzubringen, die oft kein Deutsch können und keine Ausbildung haben. Aber gemessen an der Gesamtzahl der Zuwanderer sind es weniger als 20 Prozent. 

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten sie auf haltlose Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/kvk

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    der es deutlich macht,warum wir JEDEN Migranten brauchen,auch wenn er keine Fachkraft ist,und vielleicht etwas Geld kostet.

    Denn die Lohnverteilung in Deutschland ist eine andere als in Skandinavien (Entlohnung von Berufen,Lehrer,Krankenschwestern, etcpp).
    Die Lohnspreizung in Deutschland ist zu hoch.

    Und durch Kosten ,verursacht durch Migration können Steuern steigen,und somit die höheren Löhne (die in Skandinavien erst gar nicht so hoch eingestuft sind) netto wieder zu drücken auf ihr reelles Mass.

    Das dem deutschen Normalverdiener das nicht einleuchtet,zeigt mir wirklich,das es uns noch viel zu gut geht,und noch viele hoffen,mit billigeren Steuern und Abgaben als in Skandinavien einen guten Job zu bekommen,aber gleichzeitig anders als in Skandinavien viele Berufe als Billig-Jobs in prekären Verhältnissen zu halten.

    Mit MIndestlohn und steuern jenseits der 50 oder 60 Prozent passiert wie in Skandinavien goa nix schlimmes,nur das problematische Kosten in den Villenvierteln bezahlt werden.

    ich kann mir denken, was sie geschreieben haben :)
    also politisch korrekt muss man bei den Journalisten der Generation G schon kommenteire, sonst fliegt man raus. Sehr demokratisch.
    naja..Immigration will halt nicht jeder- vermutlich nachvollziehbar.
    Ich frage mich oft, wie wenig Steuern man zahlen muss( will heißen ,welchen Beamtenjob man habe muss ) , um solche Ausssagen zu tätigen, dass Steuern rauf müssen und der Überstaat noch mehr Migranten ausbilden kann.

    Nach dem Motto: Steuern rauf, aber bitte für die Anderen..schon ein bissel schizo bzw. inkonsequent, was die Moralapostelfraktion zur Zeit von sich gibt.

    • Skjelm
    • 08. Mai 2013 19:03 Uhr

    ....zu Deutschlands Familienpolitik.

    23 Leserempfehlungen
    • Sven77
    • 08. Mai 2013 19:04 Uhr

    Schon wieder so ein Bericht in dem der sogenannte Fachkräftemangel kolportiert wird. Wenn es diesen Fachkräftemangel wirklich gäbe, würden die Löhne für Fachkräfte kräftig steigen, da jeder Betrieb sie halten möchte.

    Davon ist in der Realität nichts zu spühren. Im Gegenteil, die Löhne sinken inflationsbereinigt schon seit einigen Jahren.

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    Natürlich weil die Ausbildung von Fachkräften etwas Geld kostet.
    Genau das wollen sich die Gesellschaften ob Aktien -oder anders
    wohl sparen. Wir leben in einer Zeit der schnellsten Entwicklung
    und genau das haben die Grossunternehmen bezüglich
    Ausbildung voll verpennt. Gewinne sind wichtiger.
    Oder man hofft auf Zuwanderer, die auch mit viel weniger Einkommen zufrieden sind, da sie es nicht anders aus ihren
    Herkunftsländern kennen. Das wäre natürlich die abscheulichste
    Planung. Wobei ich denke, das ist der Grund - verschlafen und
    verkalkuliert.
    Ob die Berichte aber wahr sind kann kein Mensch sagen,
    denn gelogen wird überall.

    "Wenn es diesen Fachkräftemangel wirklich gäbe, würden die Löhne für Fachkräfte kräftig steigen, da jeder Betrieb sie halten möchte."

    -> nur weil man "vom fach" ist, ist man noch lange keine fachkraft.

    Der behauptete Fachkräftemangel beruht darauf, daß Fachkräfte fehlen, die bereit sind, zu niedrigen Löhnen zu arbeiten.

    Die Firmen, die vierteljährlich statistische Fragebögen ausfüllen müssen, können auf die Frage "Warum konnten Sie offene Stellen nicht besetzen?" nur per Multiple Choice antworten.

    "Keinen geeigneten Bewerber gefunden" ist die passendste Antwort, wenn sie eigentlich antworten müssten und wollten, daß sie keinen geeigneten Bewerber gefunden haben, dessen Lohnforderung sie zahlen können.

    Den Sprachrohren in Politik und Tagesschau wird dann als Ergebnis der Umfragen mitgeteilt, es fehlten Fachkräfte.

    So läuft das. Zufall? Dummheit?

    Herr Greven,
    Sie schreiben: "Ohne Menschen, die hierher ziehen, würden bald noch viel mehr Arbeitskräfte fehlen, ..."

    Das verstehe ich nicht. Fehlen hier wirklich Arbeitskräfte? Selbst die offiziellen Zahlen bezeugen doch Arbeitslosigkeit. Von den unlauteren Praktiken der Zahlenerfassung mal abgesehen.

  2. Deutschland ist für viele Menschen in Europa und der Welt offensichtlich nach wie vor ein hoch attraktives Land, das Arbeit, Wohlstand und Frieden verspricht. So attraktiv, dass wieder mehr Ausländer einwandern. 2012 waren es so viele wie seit 1993 nicht mehr.

    Und das hat sicher auch garnichts mit dem Niedergang unserer europäischen Nachbarländer zu tun. Damit, dass 50+ Prozent Arbeitslosigkeit in Spanien, Griechenland & Co. den Leuten garkeine andere Wahl lassen?

    Welch ein Zufall, dass all diese arbeitslosen Studierten jetzt nach Dutschland kommen und bestimmt auh nur die Hälfte wollen wie einheimische Fachkräfte.

    Und sicher hat die Regierung Merkel diese Einwanderungswelle auch nicht vorhergesehen, als sie die Austeritätsprogramme durchgeboxt hat, die diese Volkswirtschaften in die Rezession gedrückt haben.

    Und da jetzt alles so perfekt läuft für die deutsche Wirtschaft und ihren Fachkräftebedarf, übersieht man auch schnell, das die Anzahl der Aufstocker auch wieder gestiegen ist. Ob die 13 Mill. Minus bei der Steuerschätzung vielleicht auch damit etwas zu tun haben?

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    Es ist schlichtweg nur noch zynisch, den Zustrom von Zuwanderen als großen Erfolg zu feiern oder sogar wie Frau v. d. Leyen sich zu der Aussage zu versteigen, damit würde ja die Arbeitslosigkeit in den Herkunftsländern sinken.
    1.) durch den "Braindrop" von jungen, gut ausgebildeten Menschen aus südeuropäischen Krisenstaaten wird sich die Lage in den betreffenden Ländern noch weiter verschärfen und eine Modernisierung ist ausgeschlossen.
    2.) diese jungen Arbeitsimmigranten (deren Motive ich gut nachvollziehen kann) werden in Deutschland niemals soviel verdienen, dass sie ihre Angehörigen in den Ländern noch unterstützen können.
    3.) Schon jetzt werden diese Einwanderer zum Lohndumping eingesetzt insbesondere aus osteuropäischen Ländern.

  3. ...aber ich denke das Pessimismus durchaus angebracht ist.
    Die Wirtschaft in Europa geht weiter den Bach runter, was sich Zeitversetzt auf Deutschland auswirken muss.
    Die Eurokrise geht bald in die nächste Runde - Frankreich oder Italien - und die DAX - Blase wächst auch stätig.
    Zu glauben Deutschland sei eine Insel der Seeligen ist einfach naiv und wunschdenken.
    Nichts würde mich glücklicher machen als mich hier total zu irren, allein mir fehlt der Glaube....

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    • Burts
    • 08. Mai 2013 20:13 Uhr

    ist mir doch zuwenig - darum die Antwort hier.

    Ja man kann es garnicht oft genug sagen Deutschland ist keine Insel und sehr sehr abhängig von seinen Nachbarländern und verhält sich politisch seit Beginn der Kriese etwas ...sehr egozentrisch zum Schaden aller.

    Deutschland hat sich bestens für die Zukunft vorbereitet. In D. gibt es Zukunftstechnologien, die Millionen von Arbeitsplätzen schaffen. Z.B. AbrissingeneurInnen für AKWs, SolartechnikerInnen, WindkraftwerkerInnen, VogelbeobachterInnen, ... usw.

    • mieeg
    • 08. Mai 2013 19:10 Uhr
    6. [...]

    Entfernt, pauschalisierend. Die Redaktion/fk.

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    Fremdenfeindliche und pauschalisierende Äußerungen sind hier nicht willkommen. Die Redaktion/fk.

  4. das es so wenige aus der Schweiz, Norwegen, Kanada, Schweden oder Island sind! Warum wohl!?

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    • shtok
    • 08. Mai 2013 19:57 Uhr

    so schlecht nach D zurück kommt und man unbefristete Arbeitsverträge erhält, aus den man so schlecht raus kommt, obwohl man ja gerne in Prekäre als Akademiker in D tätig wäre, und da die AG hier in etwa das 2.5 fache an Gehalt bezahlen und man hier auch wählerisch mit den Fachkräften geworden ist, nachdem man nach zehn Jahren mitbekommen hat, das die Fachkräfte die jetzt D beglücken, doch nicht so fachlich waren.

    Aber D wird es auch noch lernen, besonders da GB ja jetzt eine ähnliche Policy fährt wie Canada, was Einwanderer in Sozialsysteme, Aufenthaltsgenehmigungen und die Vergabe von Arbeitsplätze angeht und man jetzt die dort abgewiesenen auch noch mit abfängt.

    Die Journalisten haben nur noch Glück, dass die Migranten der dt. Sprache nicht so mächtig sind, ansonsten würde auch dort der Rotstift angesetzt werden und man würde auf Einwanderer setzen, die bei Auslandsartikel noch den Vorteil hätten, nicht nur vom Hören Sagen zu schreiben.

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

  5. der es deutlich macht,warum wir JEDEN Migranten brauchen,auch wenn er keine Fachkraft ist,und vielleicht etwas Geld kostet.

    Denn die Lohnverteilung in Deutschland ist eine andere als in Skandinavien (Entlohnung von Berufen,Lehrer,Krankenschwestern, etcpp).
    Die Lohnspreizung in Deutschland ist zu hoch.

    Und durch Kosten ,verursacht durch Migration können Steuern steigen,und somit die höheren Löhne (die in Skandinavien erst gar nicht so hoch eingestuft sind) netto wieder zu drücken auf ihr reelles Mass.

    Das dem deutschen Normalverdiener das nicht einleuchtet,zeigt mir wirklich,das es uns noch viel zu gut geht,und noch viele hoffen,mit billigeren Steuern und Abgaben als in Skandinavien einen guten Job zu bekommen,aber gleichzeitig anders als in Skandinavien viele Berufe als Billig-Jobs in prekären Verhältnissen zu halten.

    Mit MIndestlohn und steuern jenseits der 50 oder 60 Prozent passiert wie in Skandinavien goa nix schlimmes,nur das problematische Kosten in den Villenvierteln bezahlt werden.

    4 Leserempfehlungen
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    • wd
    • 08. Mai 2013 19:43 Uhr

    Z.B. In Norwegen beinhaltet die „Steuer“ die Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.
    Bei uns wird das fein unterschieden.
    Ich nehme mal an, dass alle, die nicht über irgendwelchen Beitragsbemessungsgrenzen liegen, in Skandinavien niedrigere Abzüge vom Lohn hätten.
    Benutzen Sie mal ausländische „Lohnsteuerrechner“.
    Bei uns wird wegen der Beitragsbemessungsgrenze die Höchstrente bei 2000 € und etwas liegen. Wie hoch ist sie in Skandinavien?
    Die „Steuern“ (Abgaben ohne Gegenleistung des Staates an das bezahlende Individuum) sind bei uns höher als in Skandinavien.

    Entfernt. Bitte verfassen Sie konstruktive Beiträge. Danke. Die Redaktion/kvk

    Die skandinavischen Länder haben aus ihrer Sicht ja auch ein positives Wanderungssaldo gegenüber Deutschland, ähnlich wie die Schweiz, das hat wohl gute Gründe. Aus griechischer oder portugisischer Sicht mag Deutschland attraktiv sein, weil es dort überhaupt Arbeit und eine solide Infrastruktur gibt, aus deutscher Sicht sind Skandinavien und die Schweiz attraktiv, weil es dort eine wirklich gutes Absicherungsniveau und faire Löhne gibt...

    Vielen Dank für dieses klare und für jeden verständliche Statement, ich teile ihre Aussagen zu 100% und habe dem nichts zuzufügen. So spare ich mir einen Kommentar zum Thema: Ausländerfeindliche Grundstimmung in Deutschland, weil uns könnte vom Überfluß auch noch was gestohlen werden.

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