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Deutschland zieht immer mehr Zuwanderer an. Zwischen 2010 und 2011 stieg die Zahl der Migranten so stark an wie in kaum einem anderen Industrieland. Das belegt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die in Berlin vorgestellt wurde. Knapp 300.000 Menschen kamen aus dem Ausland in die Bundesrepublik und damit rund 68.000 mehr als im Vorjahr. Deutschland steht an fünfter Stelle unter den OECD-Zielländern. 

Zwar wandern viele Menschen ein, allerdings kehren sie Deutschland schon bald wieder den Rücken. So blieb in den vergangenen Jahren nur jeder zweite Grieche und sogar nur jeder dritte Spanier länger als ein Jahr. Und das, obwohl die Berufsaussichten für sie gut sind: Die Beschäftigungsquote von Migranten stieg in Deutschland gegen den Trend – und zwar von 2008 bis 2012 um fünf Prozentpunkte. Allerdings zeigt die Studie auch, dass etwa Männer mit türkischen Wurzeln knapp doppelt so häufig arbeitslos sind wie jene ohne Migrationshintergrund.


Die Experten untersuchten auch die finanziellen Folgen von Migration: So zahlen Familien, deren Oberhaupt im Ausland geboren wurde, in den OECD-Staaten im Schnitt weniger Steuern und Sozialabgaben als inländische Familien. Rentenbeiträge und -zahlungen außer Acht gelassen, beziehen sie aber auch seltener Sozialleistungen. Dieser Trend gelte auch in Deutschland.

Griechen und Spanier verlassen ihre Heimat

Besonders deutlich sei das beim Arbeitslosengeld und bei Familienzulagen. Wohngeld und Sozialhilfe bezögen Zugewanderte dagegen geringfügig häufiger als in Deutschland Geborene. Den stärksten Unterschied gebe es bei Renten. Dies führen die Autoren darauf zurück, dass hier anteilig mehr Migranten im Rentenalter leben als in den meisten anderen OECD-Ländern. 

Insgesamt wanderten im Jahr 2011 etwa vier Millionen Menschen dauerhaft in die 34 OECD-Staaten ein. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von zwei Prozent, der Zuzug war aber trotzdem geringer als vor der Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise. 

Vor allem aus Krisenstaaten machten sich viele Menschen auf ins Ausland: Die Zahl der Einwanderer aus Griechenland und Spanien erhöhte sich zwischen 2007 und 2011 um 73 und knapp 50 Prozent. Auch Portugiesen und Italiener suchten in anderen OECD-Staaten nach Arbeit. Die Entwicklung setzte sich auch 2012 fort: "Vorläufigen Zahlen für 2012 zufolge stieg die krisenbedingte Wanderung vor allem aus Griechenland und aus Spanien weiter an", teilte die OECD mit.