Medienkritik : Scholz mag keine wehleidigen Politiker

Jammern und Stöhnen sollte ein Tabu für Politiker sein, sagt Olaf Scholz. Er mahnt seine Kollegen zur Raison – und lobt Peer Steinbrück für seine Tapferkeit.

Peer Steinbrück hat es schwer. Erst wurde der Kanzlerkandidat von den Italienern für seine Clown-Äußerung zu deren Spitzenpolitikern kritisiert. Nun geht ihn auch noch Altkanzler Helmut Schmidt an, der sagt, der SPD-Mann könnte seine Sache im Bundestagswahlkampf besser machen. Dass er diese Schelte tapfer erträgt, findet Olaf Scholz (SPD) lobenswert. Denn Hamburgs Erster Bürgermeister kritisiert Politiker, die sich im Umgang mit Medien wehleidig zeigen. "Ich kann Politiker, die darüber heulen, dass das Leben so schwer sei, nicht ausstehen", sagte Scholz der ZEIT. "Und deswegen gefällt es mir auch, dass Peer Steinbrück trotz aller Schwierigkeiten tapfer bleibt."

Sein Grundsatz sei immer gewesen: "Don't complain, don't explain. Beschwere dich nicht darüber, was war – und erkläre es auch nicht", so Scholz weiter. "Das habe ich ohne Ausnahme durchgehalten."  

Scholz warnte Politiker und Medien davor, sich von der realen Welt außerhalb von Berlin-Mitte abzukoppeln. Seiner Meinung nach formen Politiker und Journalisten "eine sehr kleine Gemeinschaft", die ständig gefährdet sei, "das, was man sich untereinander zu sagen hat und was man voneinander denkt, für ein Abbild der Welt zu halten". Das betreffe auch die Kommunikation der beiden Gruppen untereinander. Ihre Art lasse viele Bürger außen vor.

Weitere Kritik äußert der SPD-Politiker am Zynismus. Seine Kollegen würden ebenso wie Journalisten immer dann zu diesem Stilmittel greifen, "wenn sie zum Beispiel jemanden bewundern, der nicht die Wahrheit spricht", sagte Scholz. "Wenn sie jemanden gut finden, der damit durchkommt. Wenn sie Politiker durchkommen lassen, die bloß eine Methode gefunden haben, sich öffentlichkeitswirksam zu inszenieren und sie dadurch zum ,Helden’ verklären." Wer etwas gegen den Verdruss der Bürgerinnen und Bürger unternehmen wolle, dürfe nicht zynisch sein. "In dieser Frage bilden Journalisten und Politiker eine Schicksalsgemeinschaft", so Scholz.

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