In den Geschäftsräumen der rechtpopulistischen Partei Pro Köln müffelt es wie in einer alten Behördenstube: abgestandener Rauch, frischgebrühter Kaffee. Markus Wiener, der Fraktionsgeschäftsführer, sitzt vor einer Wand, an der eine der Mohammed-Karikaturen hängt, mit denen es Pro Köln vergangenes Jahr in die Schlagzeilen geschafft hat. Wiener hat zu einer Pressekonferenz geladen, er sitzt vor fast leeren Stuhlreihen, die Arme hat er verschränkt, nur wenige Journalisten sind gekommen.

Trotzdem blickt Wiener zufrieden in die Runde. Er weiß, dass er einen Coup gelandet hat. Die Partei möchte dieses Jahr auf der Parade zum Christopher Street Day mitlaufen, der großen Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben.

Ausgerechnet Pro Köln. Die Partei, die in den vergangenen Jahren dadurch aufgefallen ist, dass sie gegen Muslime in Deutschland und andere Minderheiten hetzt. Ausgerechnet diese Partei möchte an der CSD-Parade in Köln teilnehmen, mit einem Festwagen, rot-weiß geschmückt, mit Karnevalsmusik und mit Schildern, auf denen eine Moschee durchgestrichen ist.

Dieser Plan der Rechtspopulisten spaltet die schwul-lesbische Szene in Köln. Viele sind entsetzt. Sie werfen der selbsternannten Bürgerbewegung vor, die Parade für ihre Propaganda zu missbrauchen. Manche wollen den Wagen mit einer Sitzblockade aufhalten oder sie möchten sich demonstrativ umdrehen, wenn er an ihnen vorbei fährt. Viele fürchten, dass nun auch andere CSD-Paraden von den Rechten für die Propaganda missbraucht werden. Andere sagen, man dürfe eine Partei, die im Stadtrat sitzt, nicht von einer Demonstration ausschließen.

Pro Köln versucht, die Menschen in Köln gegeneinander auszuspielen, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der seinen Wahlkreis in Köln hat. Die Geschäftsführerin des Kölner Sozialwerks für Lesben und Schwule, Beate Blatz, sagt: "Dieser Partei geht es darum, latente islamfeindliche Stimmungen innerhalb der Community für eigene Interessen zu instrumentalisieren."

Dieser Plan geht auf: "Mit unserer CSD-Teilnahme wollen wir darauf hinweisen, dass die Bedrohung für unsere homosexuellen Mitbürger hauptsächlich von Jugendlichen mit muslimischen Migrationshintergrund kommt", behauptet der Pro-Köln-Mann Markus Wiener. Wenig später plappern die ersten schwul-lesbischen Szene-Magazine dieses Argument bereits nach. So behauptet etwa das Magazin blu, von dem in Deutschland knapp 120.000 Exemplare kostenlos verteilt werden: Rund 40 Prozent aller Opfer anti-homosexueller Gewalt würden angeben, dass die Täter "nichtdeutscher Herkunft" seien.

Pro Köln erhält Unterstützung aus schwul-lesbischer Szene

Die Zahl, sagt blu-Herausgeber Olaf Alp, stamme vom Anti-Gewalt-Projekt Maneo, das Gewalt gegen Schwule und Lesben in Berlin dokumentiert. Dort wundert man sich über diese Interpretation. "Das ist Unfug", sagt Maneo-Projektleiter Bastian Finke, "so eine Aussage lassen unsere Daten nicht zu."

Aber Pro Köln freut sich über so viel Schützenhilfe aus der schwul-lesbischen Szene. "Wir haben ein Ventil geöffnet", sagt Markus Wiener. Die Partei hätte großen Zuspruch von Schwulen und Lesben bekommen, behauptet er.

Gründlich vorbereitet hat sich die selbst ernannte Bürgerbewegung allerdings nicht auf ihre neue Rolle als Kämpfer für die Rechte von Schwulen und Lesben. "Wir haben im Rat der Stadt Köln einen Antrag gestellt, dass der Oberbürgermeister sich für einen CSD in Istanbul einsetzen möge", erzählt Pro-Köln-Mann Tony Fiedler stolz. Dabei gibt es in Istanbul schon seit Jahren eine Schwulen- und Lesben-Parade. Als ein Journalist die Funktionäre darauf hinweist, schauen die sich hektisch an. "Ja, dann ist der wohl noch nicht bekannt genug", erwidert Markus Wiener etwas flapsig.