Weniger Heroin, mehr "Badesalz": Während der allgemeine Drogenkonsum weltweit stabil geblieben sei, sind erstmals mehr Designerdrogen als international verbotene Substanzen in den Umlauf geraten. Das teilte die UN-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in ihrem Jahresbericht mit. Die Bekämpfung der Designerdrogen ist schwierig, weil sie oft als Badesalz, Luftreiniger oder Düngemittel vermarktet werden und teilweise legal zu erwerben sind. Die sogenannten legal highs werden zur großen Herausforderung, warnte die Organisation.

Die Designerdrogen kommen immer schneller auf den Markt: Die Zahl der psychoaktiven Substanzen ist laut Bericht von 166 im Jahr 2009 auf 251 bis Mitte 2012 gestiegen. International kontrolliert und verboten sind 234 Drogen. Besonders schwierig gestalte sich die Bekämpfung, weil Produzenten meist in einem gesetzlichen Graubereich arbeiten und sich die chemische Zusammensetzung oft von herkömmlichen Drogen unterscheide. Hergestellt wird vorwiegend in Europa und Asien.

Die Antwort vieler Länder sei, einzelne Inhaltsstoffe der neuen Drogen zu regulieren. Oft ging danach die Verbreitung des jeweiligen Produkts zurück. Die genauen Auswirkungen und das Suchtpotenzial der neuen Drogen seien aber wegen der kurzen Zeit am Markt nur schwer absehbar. Vor allem junge Menschen probierten die Designerdrogen aus: Knapp fünf Prozent der 15- bis 24-Jährigen in der EU haben schon damit experimentiert.

Auswirkungen von Designerdrogen schwer absehbar

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte vor dem Problem. "Besonders junge Menschen müssen für die Gefahren dieser Drogen sensibilisiert werden", teilte er zum Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr mit. Insgesamt starben 2011 rund 211.000 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums.

Auf eine positive Entwicklung deuten derweil neue Auswertungen bei Konsumenten mit HIV hin: 1,6 Millionen Infizierte zwischen 15 und 64 Jahren spritzten sich 2011 Drogen. Das sind fast die Hälfte (46 Prozent) weniger als noch 2008 angenommen. Insgesamt injizierten sich 14 Millionen Menschen Rauschgift, zwölf Prozent weniger als geschätzt.

Hauptlieferland bleibt Afghanistan

Das Hauptlieferland für Opium, den Grundstoff für das gefährliche Heroin, bleibt weiterhin Afghanistan – trotz schlechter Wetterbedingungen, die teilweise zu Ernteausfällen führten. Das Land produzierte im vergangenen Jahr 74 Prozent des weltweiten Aufkommens.

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge haben im vergangenen Jahr rund 17 Millionen Menschen zumindest einmal Kokain genommen. Der Verbrauch, der bisher in West- und Zentraleuropa sowie Nordamerika am stärksten war, ging dort aber zuletzt zurück. Dafür wächst die Nachfrage in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa zum Teil stark an. Die mit Abstand am häufigsten konsumierte Droge weltweit bleibt aber weiterhin Cannabis.