Weil er den sexuellen Missbrauch eines kleinen Jungen in einer E-Mail nicht mit einem Foto ausgestattet, sondern nur mit Worten geschildert hat, kann ein Pädophiler möglicherweise mit einer milderen Strafe rechnen. Der Bundesgerichtshof (BGH) sprach den Mann zum Teil frei, da er seine E-Mail nicht bebildert hatte. Strafe gebe es nur für "tatsächliches" oder "wirklichkeitsnahes" Geschehen. Im vorliegenden Fall ging das Gericht davon aus, dass die Vorgänge erfunden waren.  

Der Gesetzgeber habe nur das Verbreiten kinderpornografischer Bilder oder Videos unter Strafe stellen wollen, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss. Denn Bildmaterial schaffe anders als reine Wortschilderungen einen starken Anreiz zur Nachahmung. (Az. 1 StR 8/13)

Rückgriff auf Gesetzentwurf von 2001

Der Gesetzgeber habe bei der Schaffung der Regeln ein anderes Vorstellungsbild gehabt, "das auf Darstellungen in Worten nicht zutreffen kann", schrieb der BGH. In der Begründung des Gesetzentwurfs sei 2001 auf "kinderpornografische Filme, Videofilme, Photographien oder authentische Tonaufnahmen" Bezug genommen worden. Die Regierung habe klargestellt, dass der Straftatbestand "auf die Fälle beschränkt bleiben" solle, "in denen durch Videofilm, Film oder Foto ein tatsächliches Geschehen wiedergegeben wird".

Demgegenüber sah sie bei "kinderpornografischen Romanen, Zeichnungen und Zeichentrickfilmen" den Strafgrund der Regelung nicht als erfüllt an, weil deren Besitz nicht dazu beitrage, dass Kinder als "Darsteller" bei pornographischen Aufnahmen missbraucht würden.

Damit muss das Landgericht Augsburg, das den Mann zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt hatte, das Strafmaß neu festsetzen. Der Pädophile war aber verurteilt worden, weil er ohnehin Hunderte kinder-und jugendpornografische Bilder und Videos per Internet versandt hatte.