Katja Kipping, Parteichefin

1. Was stand auf Ihrer Glückwunschkarte für den 150. Geburtstag der SPD?

Es war keine Karte, sondern ein Plakat, das ich ihr zur Geburtstagsfeier als Gastgeschenk mitgebracht habe. Darauf ein Spruch von Wilhelm Liebknecht, einem der Gründungsväter der Sozialdemokratie aus dem Jahr 1891. Der heißt: Im Krieg schweigt die Vernunft und die Humanität verhüllt ihr Haupt. Das hätte ich der SPD gerne ins Stammbuch geschrieben. Leider ist das nicht so gut angekommen bei Sigmar Gabriel.

2. Die Lebenslüge der SPD ist …

…zu glauben, dass es aufgeht, vor der Wahl links zu blinken und hinterher rechts abzubiegen und sich nicht mehr um die Dinge zu scheren, die man angekündigt hat.

3. Was gefällt Ihnen am Oppositionsdasein?

Das Wissen darüber, dass es überhaupt eine Opposition gibt, die für gesellschaftliche Alternativen steht. Manchmal gelingt es im Bundestag, über Bande zu spielen. Man bringt einen Antrag ein, von dem man weiß, er wird abgelehnt. Dafür bekommt man später aber 50 Prozent von dem, was man wollte. Das ist allerdings nicht immer so. Manchmal würde ich mir wünschen, dass es nicht diese absolute Blockadehaltung gegen alle unsere Anträge gibt.

4. Dieser Parteitag kann nicht …

…mehr schlecht geredet werden. Dafür lief es viel zu gut. Und er wird auch nicht einer der Parteitage sein, auf dem der Tanzabend ausgefallen ist. Das war oft genug der Fall, aber gestern, da haben wir getanzt bis nachts um eins. Erst waren die Delegierten ein bisschen verhalten, aber je später es wurde, desto heftiger wurde getanzt.

Bernd Riexinger, Parteichef

1. Was stand auf Ihrer Glückwunschkarte für den 150. Geburtstag der SPD?

Die SPD hat keine von mir bekommen. Aber wenn, dann hätte ich geschrieben, dass es tatsächlich ein Gewinn für die Partei wäre, wenn sie endlich wirklich sozialdemokratische Politik machen würde. Dass es schön wäre, wenn sie ernsthaft daran mitarbeiten würde, einen Politikwechsel herbeizuführen und die politischen Verhältnisse nach links rücken. Am Ende würde dann ein linker Block einem bürgerlichen Block gegenüberstehen. 

2. Die Lebenslüge der SPD ist …

…zu glauben, dass man die Interessen der Beschäftigten, der Erwerbslosen und Rentner vertreten kann, ohne sich mit den Vermögenden, den Banken und Konzernen anzulegen. Das ist ein Irrtum. Daran scheitert Peer Steinbrück gerade jeden Tag. So zu tun, als würde man soziale Interessen vertreten und es dennoch den Reichen recht machen. Man muss sich eindeutiger positionieren.

3. Was gefällt Ihnen am Oppositionsdasein?

Die Opposition kann unter Umständen mehr bewirken als die Regierung. Die Grünen etwa haben in der Opposition mehr für den Umweltschutz getan als in der Zeit, als sie in der Regierung saßen. Man kann Positionen, die gesellschaftlich mehrheitsfähig sind, so einbringen, dass sie andere Parteien übernehmen müssen. Insofern ist der Spruch von Müntefering, dass Opposition Mist sei, total verkehrt. Opposition ist kein Mist.

4. Dieser Parteitag kann nicht …

…mehr schief gehen. Er kann also nicht mehr zum Problem für die Linke werden. Im Gegenteil, er symbolisiert Aufbruchstimmung und Geschlossenheit. Er schafft uns die Voraussetzungen für einen guten, engagierten Wahlkampf.