ParteitagBeseelt von linker Harmonie

"Schön, dass Du da bist", könnte der Slogan zum Auftakt des Linken-Parteitags sein. Fast unheimlich für eine Partei, die bisher so zerrissen war. von 

Fraktionschef Gregor Gysi und die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger in Dresden

Fraktionschef Gregor Gysi und die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger in Dresden  |  © Kay Nietfeld/dpa

Es klingt wie Kirchentagsvokabular, was da im Kongresszentrum Dresden durch die Flure und den Plenarsaal wabert. Von entspannter Stimmung ist die Rede, von gelassener Vorfreude und geordneter Langeweile. Von einem Parteitag, der angeblich allen gute Laune macht. Der Parteiführung genauso wie den Delegierten, den Beratern und Besuchern.

Linken-Parteichef Bernd Riexinger findet, das ist eine gute Grundlage für die kommenden drei Tage. "Ich sehe das als Kompliment für uns", sagt er. Streit habe es schließlich schon genug gegeben, jetzt sei endlich Zeit für Inhalte.

Anzeige

Also läuft er mit selbstbewussten Schritten durch das Dresdner Kongresszentrum ICC, direkt an der Elbe. Die Glasfront gibt den Blick aufs Wasser frei, nur wenige Schritte gen Osten der Zwinger und die Frauenkirche. Idyllischer könnte es kaum sein. Riexinger schüttelt Hände, lächelt und sagt, er freue sich auf das, was kommt.

Lafontaine will raus aus dem Euro

Auf ihrem Parteitag in Dresden will die Linke ihr Programm für die Bundestagswahl beschließen. Es gibt ein dünnes Heft mit Änderungsanträgen zum Entwurf des Parteivorstands. "Die paar Diskussionspunkte gehören dazu", sagt Kora Brandner, Delegierte aus Sachsen-Anhalt, "wäre ja sonst auch komisch, oder?"

Die Delegierten werden am Samstag vor allem über die exakte Höhe der Mindestrente und den Euro-Kurs der Partei diskutieren müssen. Zu Beginn des Delegiertentreffens forderte Linke-Übervater Oskar Lafontaine erneut den Ausstieg Deutschlands aus der Gemeinschaftswährung. 

Diskutieren, das klingt jedenfalls besser als anschreien, besser als Spaltung. Vielen hier steckt der Chaos-Parteitag von Göttingen noch in den Knochen. Damals, vor fast genau einem Jahr, war die Partei kurz davor, sich selbst zu zerlegen. Der interne Streit, der bei der Wahl zur neuen Parteispitze heftiger denn je ausbrach, hatte die Linke an den Rand der Handlungsfähigkeit gebracht. Es folgte ein Personalkompromiss, mit dem kaum einer gerechnet hatte. Bernd Riexinger und Katja Kipping wurden zu den neuen Parteichefs gewählt und seither ist es ruhiger. Darüber sind sie alle froh.

"Geradezu glücklich", sagt Kora Brandner. Sie ist 59, war in Göttingen auch dabei und hofft, dass dieser Parteitag in Dresden weniger Nerven kostet. "Ich bin optimistisch."

Leserkommentare
    • plutoo
    • 14. Juni 2013 19:50 Uhr

    die lang ersehnte Publicity für die Linke.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ja von wem denn ? Ja wo laufen sie denn ?

  1. Ja von wem denn ? Ja wo laufen sie denn ?

    13 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Da ist sie"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das war auch mein erster Gedanke auf den Kommentar eines Mitusers, daß der Artikel über den Linkenparteitag Werbung sein soll.
    "Wo laufen sie denn?"

    Ich las heute morgen die regionale Tageszeitung (Rheinpfalz) ich hörte den Südwestfunk und lese hier bei zeit online.

    Es gibt eine Gleichschaltung von Presse. Ich habe das Gefühl, als wüßten die Jornalisten nicht, was sie schreiben sollen, wenn es nichts Negatives zu berichten gibt.
    Die Linken sind die einzige Partei, die ihr Parteiprogramm, ihre Politik im Bundestag und die Wahlkampfaussagen nicht miteinander abstimmen müssen. Sie vertreten ihre Meinung (auch da gibt es unterschiedliche Meinungen) immer und zu jeder Zeit und an jedem Ort gleich.
    Die SPD und die Grünen müssen sich verbiegen, um einen sozialen Tatch vorweisen zu können. Das müsen die Linken nicht. Schade für die Journalisten - gut für die Wähler. Wer die Linken wählt bekommt die Linken.

    Nicht wie bei den marktkonformen Christen oder den marktkonformen Sozialen oder marktkonformen Grünen. Wobei marktkonform aus dem Munde dieser Parteien ein anders Wort für undemokratisch oder unsozial ist.

    Eine Partei, die das Wort "sozial" im Namen trägt, damit jeder weiß, daß es sich um eine soziale Partei handelt, oder eine Partei, die "christlich " im Namen führt, damit auch jeder weiß, daß es sich um eine christliche Partei handelt, ist mir suspekt.
    Marktkonforme Christen sind keine Christen mehr. "Man kann nur einen Gott haben" - das ist wahr. Wer Wachstum anbetet ...

  2. schielt dann ist wohl klar das die bürg. Berichterstattung eher positiv verläuft....

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ,wobei die GrüInnen an der Basis ihre Spitze ja gerade gut zurückgepfiffen hat und Künast alles galant umdeutete :D..
    mit P€€r ist RRG eigentlich nicht zu machen, aber Gabriel und Trittin wollen eine linke Transformation..
    dennoch sind die sich alle zu uneinig

  3. die Medien sind nie zufrieden. Führt die Linke eine leidenschaftliche, inhaltlichen Debatte ist sie "zerstritten". Ist sie sich dann einig, wird das auch skeptisch gesehen. Wenn ihr mal so über die CDU berichten würdet, besonders über Merkel (!!!), dann wäre die politische Landschaft in Deutschland aber echt eine ganz andere, und ich meine: bessere!

    49 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • pinero
    • 15. Juni 2013 1:09 Uhr

    Sie haben Recht, das ständige Schreiben über "Zerrissenheit" einer Partei bei inhaltlichen Auseinandersetzungen und Vorstandswahlen ist schwer erträglich. Das betrifft aber nicht nur die LINKE, bei anderen Parteien war die Berichterstattung in ähnlichen Situationen genauso. Dabei ist schon das benutze Vokabular schräg. Wenn es mehrere Bewerber um einen Posten gibt, schreibt man von "Kampfkandidatur", gibt es nur einen, dann ist es eine "Wahl".
    Es scheint in Deutschland eine extreme Harmoniesucht zu geben, anders kann ich mir nicht erklären, warum eine Kanzlerin, die zu kaum etwas eine klare Meinung hat, solche Umfragewerte bekommt.

    Volker Pispers hat es in seinem Kabarett-Programm auf den Punkt gebracht:
    "Der Deutsche hat es gerne geschlossen...Eine Partei soll sich einig sein - worüber ist dem Deutschen egal. Wenn’s nach dem Deutschen geht sollen alle an einem Strang ziehen. Der Strang darf dem Deutschen ruhig um den Hals liegen - aber die sollen alle an einem Strang ziehen."

    Kommentar bringt es auf den Punkt. Ich habe bezüglich der CDU/CSU und deren Kanzlerkandidatin Frau Dr. Merkel noch nicht einen kritischen Kommentar in ZON gelesen, welches leider für die gesamten meinungsbildenden Medien der Damen Mohn und Springer gilt!!! Hier haben wir ein erschreckend einseitige Berichterstattung, wenn sie denn überhaupt stattfindet, zu beklagen! Ich wünsche und gönne der Linken ein zweistelliges Wahlergebnis, damit die "Volksparteien" endlich mal wach werden und sich wieder dem zuwenden, wofür sie letztendlich gewählt werden: "fürs Volk, für alle" und nicht nur für 10% davon!!!

  4. ,wobei die GrüInnen an der Basis ihre Spitze ja gerade gut zurückgepfiffen hat und Künast alles galant umdeutete :D..
    mit P€€r ist RRG eigentlich nicht zu machen, aber Gabriel und Trittin wollen eine linke Transformation..
    dennoch sind die sich alle zu uneinig

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • pinero
    • 15. Juni 2013 0:39 Uhr

    Nach inhaltlichen Gesichtspunkten stimme ich Ihnen zwar zu, da ist Steinbrück weiter von den LINKEN weg als Gabriel.
    Aber machtpolitisch betrachtet sieht es anders aus. Im Gegensatz zu Gabriel wäre es für Steinbrück keine Option, noch einmal vier Jahre als Vizekanzler unter Merkel auszusitzen und dann einen neuen Anlauf zu nehmen. Steinbrück wird entweder nach der kommenden Wahl Kanzler oder nie. Und wenn er es rechnerisch nur mit Rot-Rot-Grün werden kann, warum dann nicht zumindest versuchen?

  5. Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig Holtstein Regionalwahlen nicht gerissen.

    Die Linke kann nicht mehr mobilisieren und muss auch auf ein niedriges Wahlverhalten hoffen.

    Das erstaunt doch den die Linke hat die Forenhoheit. Die Parteibüros und Sympathisanten leisten dort eine enorme Arbeit von 8 Uhr früh bis 22 Uhr Abends ohne Pause.

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Das erstaunt doch den die Linke hat die Forenhoheit."...schmalen Ast? Ich bin Tag - täglich in verschiedenen Foren ( SPON; ZON; Stern.de ) das stellt sich für mich überhaupt nicht so dar. Vor allem was mir sehr unangenehm auffällt ist, die Art und Weise, bzw. der Ton, wie "gegen" die Sozialisten, Kommunisten, das ganze Sozialpack geschrieben wird. Dies macht mich doch sehr nachdenklich!

  6. Halte ich nicht für unmöglich.

    Kommt aber wohl darauf an, wie hoch die Wahlbeteiligung ist und wie es ihnen gelingt ihre Themen zu präsentieren ohne gleich wieder in die rote Socken Falle zu laufen.

    14 Leserempfehlungen
  7. 8. themen

    wenn es in der politik nur um "themen" gehen würde könnten wir ja beruhigt alle die cdu wählen. mutti hat ja alle themen besetzt. atomausstieg, rente, mindestlöhne und so weiter und so fort. ja wenn es doch nur um themen gehen würde. aber leider kommt es auf die umsetzung an, und da macht habe ich persönlich der cdu nie getraut und seit schröder ist die spd für mich erstmal auch nicht mehr wählbar.

    daher hoffe ich auf die linken, natürlich wird nicht alles 1:1 umgesetzt werden können, falls die linke, was ich nicht glaube mit regieren darf. aber politik ist immer ein kompromis. und zum artikel kann ich mich nur einen meiner vor kommentatoren anschließen. ist die linke zerstriten und diskutiert, wie es eigentlich in einer demokratie gang und gebe sein sollte ist es nicht recht und ist friede freude eierkuchen wird dies auch skeptisch beäugt.

    13 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bernd Riexinger | Oskar Lafontaine | CDU | Die Linke | SPD | Bundestagswahl
Service