Auf der Schulter der Linken sitzt ein kleiner Teufel. Er hat auf der rechten Seite Platz genommen, gegenüber von dem Engel, der auf der anderen Schulter sitzt.

Während von der einen Richtung – dort wo der Engel hockt – ein lautes "Wir wollen mitregieren!" tönt, kommt von der anderen Seite ein ebenso lautes "Aber wir gehen keine Kompromisse ein!" Engel links, Teufel rechts – das Dilemma der Linken, wenn es um ihre Regierungsfähigkeit geht. 

"Wir sind koalitionsfähig", sagt Linken-Chefin Katja Kipping immer wieder auf dem Parteitag in Dresden. Sie und ihr Co-Vorsitzender Bernd Riexinger würden das ständig betonen. "Wir sind sofort dabei in einer Regierung, die mit uns linke Politik macht", sagt sie.

An dieser Stelle hört die Realität dessen, was umsetzbar ist, aber auch schon auf. Denn die Forderungen der Partei gehen an der politischen Wirklichkeit vorbei. Auch wenn Kipping sie als "Selbstverständlichkeiten" bezeichnet und dabei erstaunt die Augen verdreht. "Wir verlangen doch nicht die Abschaffung des Kapitalismus!"

Das nicht, doch die Linke hat nicht nur eine rote Linie, sie hat mehrere. Und mit rot ist hier nicht die politische Färbung gemeint. Es sind Grenzen, die die Partei auf dem Weg in eine mögliche Regierungskoalition nicht überschreiten will, die zu überschreiten, zumindest ein wenig, aber nötig wäre, um im Bund mitregieren zu können.

Per Definition auf Opposition festgelegt

Die Linke sucht einen Koalitionspartner, der konsequent und absolut gegen jede Form von Auslandseinsätzen ist, ob militärisch oder humanitär. Sie sucht einen Partner, der eine Mindestrente einführt – finanziert mit einer Millionärssteuer – und auch einen Mindestlohn von minimal zehn Euro.

Wenn die Partei dann auch die Maßnahmen zur Euro-Rettung – den dauerhaften Europäischen Rettungsschirm ESM etwa – ablehnt und das als nicht verhandelbar bezeichnet, macht sie sich per Definition zu einer Partei, die in der Opposition festsitzt. Denn mit der SPD und den Grünen ist diese Politik nicht zu machen. Und andere potenzielle Koalitionspartner gibt es ohnehin nicht.

Die Partei weiß das. Und sie ruht sich darauf aus, dass die SPD eine Zusammenarbeit mit der Linken ohnehin längst ausgeschlossen hat. "Es liegt ja nicht an uns", so die Haltung auf dem Parteitag. Schuld sind die anderen, sagt der Teufel auf der Schulter. "Es sieht nicht so aus, als würden wir einen Partner für unsere Politik finden", sagt Parteichef Riexinger. Sein Vorgänger Klaus Ernst fasst die Frage nach der Koalitionsfähigkeit seiner Partei so zusammen: "Theoretisch schon, praktisch wohl nicht."

Das Spiel ist nicht neu. Die etablierten Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der Linken vor der Bundestagswahl aus, halten sie auf Bundesebene für unfähig zu politischen Kompromissen. Auch jetzt noch, obwohl mit der neuen Parteiführung intern ein bisschen Ruhe eingekehrt ist und sich die Partei aufs Politikmachen und nicht mehr nur aufs Streiten besinnt. Die Linke wiederum wirft SPD und Grünen vor, nur so zu tun, als wollten sie soziale Politik machen.