Die Obama ProtokolleTschühüs, Mr. President!

Barack Obama war zu Besuch in Berlin. Schön war's. Die Rede, das Essen und was Michelle trug: Lesen Sie die Highlights in unserem nicht immer ernsten Live-Blog nach. von , , , , und

Ein letztes Mal: Die Obamas winken Deutschland zu.

Ein letztes Mal: Die Obamas winken Deutschland zu.  |  © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Barack Obama war mit seiner Familie in Berlin – nicht einmal 26 Stunden. "Die Obama Protokolle" betrachten und kommentieren hier aktuell die Geschehnisse des Staatsbesuchs aus politischer, gesellschaftlicher, kultureller – und modischer Sicht. Die Autoren dieses meist ernsthaften Live-Blogs sind Maria Exner, David Hugendick, Juliane Leopold, Carsten Luther, Steffi Dobmeier und Zacharias Zacharakis.

(22:11) Steffi Dobmeier: Bye, bye, Mister President. Die Air Force One hebt ab.

(21:57) Maria Exner: Noch ist er da. Kann sich wohl nicht trennen von good old Germany. Zeit genug, alles wichtige (außerhalb dieses Blogs) über den Staatsbesuch nachzulesen:

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Martin Klingst über die Zukunft, die uns Obama in seiner Rede ausmalte. 

Ein "Neuland" namens Internet: Patrick Beuth über Angela Merkels haarsträubende Rechtfertigung für das Überwachungsprogramm Prism.

Oliver Fritsch war zur Inspektion im Ritz Carlton.   

Hans-Christian Ströbele über die großen Hoffnung und die große Enttäuschung Barack Obama.

Hellmuth Vensky über die Suche nach dem Kennedy-Moment.

(21:29) Carsten Luther: Jetzt mal im Ernst. Was bleibt von diesem Besuch? Obama hat eine mäßig mitreißende Rede gehalten, die vor allem Versatzstücke früherer Anlässe versammelte. Nichts Unerwartetes, routiniertes Pathos. Die Beschwörung der transatlantischen Freundschaft und der Werte der westlichen Welt, die alten Versprechungen – vielleicht noch die Kritik an der deutschen (und europäischen) Zurückhaltung. Das Gespräch mit Angela Merkel hat keine veränderten Positionen auf beiden Seiten hervorgebracht, von deutscher Seite kam nur ein: "Wir bleiben im Gespräch". Inhaltlich relevant war nur Obamas atomare Abrüstungsinitiative, deren Erfolg fraglich ist. Atmosphärisch ist diese Partnerschaft intakt, substanziell wird sie sich verändern müssen.

(20:38) Steffi Dobmeier: So langsam, nach ziemlich genau 24 Stunden, kommt leise die Frage auf, wann das alles auch mal ein Ende hat:

(20:08) Maria Exner: Nun also zur Ästhetik. Was trägt Michelle? An der exakten Beantwortung dieser Frage sind in den letzten 22 Stunden die hiesigen Kommentatoren gescheitert – wir sind hier in Deutschland einfach zu schlecht ausgestattet mit Kontakten zur amerikanischen Vogue oder zur New-York-Times-Kritikerin Suzy Menkes, die jedes First Outfit im Schlaf unter Lockenwicklern erkennen kann. Das aber ist nicht weiter tragisch. Die Frage nach der Mode von Michelle ist rhetorisches Blendwerk, ein Ablenkungsmanöver, das überspielen soll, was wir uns eigentlich fragen: Was macht eine Frau von Format, eine erfolgreiche Anwältin, eine engagierte Bürgerin, eine toughe Mutter wie Michelle Obama, wenn sie tagelang zum Anhang degradiert wird? "Mitreisende Familie", das ist keine befriedigende Aufgabe. Für ihre Selbstwahrnehmung dürfte das genauso stimmen, wie für die von Außen. Also machen wir Michelle zur Mode-Botschafterin. Und sie selbst verpackt ihr Ideal einer selbstbestimmten Weiblichkeit in Wohlfühlsätzen wie: "Eine Frau sollte immer das tragen, in dem sie sich am schönsten fühlt." In Berlin war das überwiegend schwarz-weiß – hat ja auch gut gepasst, zu all dem Gerede von der Mauer und dem Kalten Krieg und den Zeiten, als noch klar war, wer in dieser Welt gut und wer böse war. Zeiten, in denen Präsidentengattinnen noch auf das reduziert wurden, was sie anhaben. Und auf ihre Frisur.

© ZEIT ONLINE

Leserkommentare
  1. Ein tagelanger Live-Blog zum Obama-Besuch? Das ist ja wie zu seinen besten Wahlkampf-Zeiten, als die Medien sich hier als seine unbezahlten Vollzeit-Wahlkampfhelfer aufspielten. Ich finde, das geht etwas zu weit. Aber ich bin ja auch Teil der kleinen Minderheit Deutscher, denen diese Obamania hierzulande suspekt ist.

    60 Leserempfehlungen
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    sie wollen ja die Emotionalisierung..siehe Steinbrücktränen..und Frau..

    es ist einfach krank, wie sich dieses Land zu seinem Nachteil entwickelt hat

    • dp80
    • 19. Juni 2013 10:51 Uhr

    "Ein tagelanger Live-Blog zum Obama-Besuch?"

    Das war auch mein erster Gedanke. Die Berichterstattung ist absolut übertrieben.

    Ich denke, das liegt auch daran, dass die Redakteure der wichtigsten Zeitungen in Berlin sitzen. Für die ist das natürlich sehr nah. Berlin ist der Mittelpunkt des Lifestyles, des Lebens, der Nabel der Welt überhaupt. Diese Selbsteinschätzung wird durch den Besuch des US-Präsidenten bestätigt.

    Ein ZEIT-Leser aus München oder Lindau am Bodensee bekommt davon herzlich wenig mit. Für die würde ein kleiner Bericht genügen: "Obama besucht Berlin. In seiner Rede ging es um dieses-und-jenes. Punkt."

    Beim nächsten Besuch des Staatsoberhaupts von Vanuatu oder Swaziland wünsche ich mir auch so eine Medienabdeckung! Ich will genau wissen, ob es bei dem Spargel oder Schweineschnitzel zum Mittagessen gab und welche Touristenfallen sich seine Familienangehörigen während seiner Staatsgeschäfte anschauen.

    Eine Rede vor dem Brandenburger Tor wäre auch schön, ist aber optional.

    - außer uns beiden, Waräger,

    noch jemanden, der nicht so ganz begeistert war von dieser Inszenierung?

    Unsere Presse berichtet nichts über irgendwelche Gegenveranstaltungen.

    Janz Ballin pro Obama?

    Glob ich nich!

    • grrzt
    • 18. Juni 2013 17:40 Uhr

    Liebe Zeit-Online-Redaktion halten sie dass für eine Berichterstattung der der Zeit würdig ist. Mit Verlaub das ist Bunte-Niveau (gibts die eigentlich noch?) Ich schlage vor, sie berichten ausführlich wie Obama im trauten Einverständnis mit Putin einen weiteren Stellvertreter-Krieg in Syrien plant, der zuerst Genannte die ersten Schritte zu dem unternimmt, was der an zweiter Stelle genannte fast schon erreicht hat; etwa unter dem Titel "Rückschritt in den Menschenrechten" oder "Demokratie auf dem Rückzug", mit Nennung von Roß und Reiter
    Ach, und mal so nebenbei spielt Guantanamo noch irgenwie in irgendeinem Journalisten-Hirn eine Rolle.
    "Anders als bei seinem letzten Besuch in Berlin spricht Obama diesmal nicht öffentlich, sondern nur vor geladenen Gästen" Kann ich gut verstehen: wäre ich in Berlin, ich hätte eine Torte dabei. Ein Vergleich mit Kennedy ist m.E.ziemlich daneben. Ich sehe gerade 3 cm unter meinem Cursor, verlinken sie einen Artikel "Das muss Liebe sein" und behaupten im Aufreißer, dass die Deutschen ihm alles verzeihn. Sie haben wenigstens so viel Anstand gehabt, nicht zu schreiben "alle deutschen". Ich verzeihe ihm die globale Abhöraktion nicht, die Kriege im Irak, und demnächst in Syrien, Guantanmo die globale Enteignung zugunsten weniger nicht..
    "Die Räumfahrzeuge stehen bereit" Das nenn' ich eine Drohung. Ich hör besser auf und beiß in den Tisch.:-/

    58 Leserempfehlungen
    • Karst
    • 18. Juni 2013 18:09 Uhr
    3. [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    4 Leserempfehlungen
  2. 4. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Danke. Die Redaktion/kvk

    3 Leserempfehlungen
  3. Redaktion

    Liebe Leser,
    In der Infografik haben wir gerade einen Fehler festgestellt: Unter "Hatte Berlin noch" steht in der Spalte von John F. Kennedy der Palast der Republik. Der wurde aber erst nach Kennedys Besuch erbaut. Wir entschuldigen uns für den Irrtum.

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    • RoH
    • 18. Juni 2013 18:38 Uhr

    @ Redaktion
    Tauschen Sie doch einfach Erichs Lampenladen gegen die AVUS, dann müsste es doch stimmen.

    Und an die anderen Kommentatoren:
    Warum so humorlos?
    Ich erkenne hier eher eine gewisse Ironie, mit der der Medienhype eben gerade auf die Schippe genommen wird, gerade weil über offensichtliche Nebensächlichkeiten berichtet wird.
    Immer noch besser als irgendwelche bierernsten Fernsehkommentatoren, die in der x. Sondersendung nicht mehr wissen, was sie sagen sollen und in vollem Ernst kommentieren: "Jetzt kommt der Präsident aus dem Flugzeug..."

    • anyweb
    • 19. Juni 2013 11:01 Uhr

    das is leider vergleichsweise einer der kleineren Irrtümer in der Zeit-Berichterstattung über Obama...

    Redaktion

    Wir haben die Grafik korrigiert, Danke für den Hinweis.

  4. der König hält Hof der Pöbel hat schon mal die Straßen zu verlassen
    und gefälligst Türen und Fenster geschlossen zu halten..mal im Ernst
    von Herren Obama bin ich sehr enttäuscht.
    Lächeln und Hände winken erklärt nicht was USA momentan in Welt
    veranstalten

    28 Leserempfehlungen
    • Karst
    • 18. Juni 2013 18:27 Uhr

    Sie können zensieren, aber offenbar nicht auf meine Fragen eingehen. Daher noch mal:

    Was rechtfertigt dieses Groupietum und wieso dokumentieren Sie hier? Was ist anders als bei anderen Staatsbesuchen? Und finden Sie das nicht wenigstens ein bisschen übertrieben?

    Derartige Huldigungen kennt man aus parteieigenen Zeitungen und sozialistischen Staaten. Entschuldigen Sie, aber ich finde das wirklich unangemessen, um nicht zu sagen peinlich.

    65 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Hallo Herr Karst,
    Ihre Frage zu unserem Blog möchten wir gern beantworten. Unser Anspruch ist, über den Staatsbesuch des US-Präsidenten in Deutschland zeitnah zu berichten. Das Format Blog haben wir gewählt, weil sich dadurch die Möglichkeit ergibt, aus einzelnen Blickwinkeln ein umfangreiches Bild zu erhalten. Es stimmt, dass wir das Format des Blogs nicht für jeden Staatsbesuch auswählen. Im konkreten Fall hielten wir es für eine gute Wahl, da u.a. der Fall Prism gerade aktuell zeigt, welche Rolle die US-Administration auch für Deutschland spielt. Mit konkreten Hinweisen darauf, wo genau Sie "Groupietum" uns parteiische Berichterstattung ausmachen, ist uns geholfen, diesen Hinweisen nachzugehen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Juliane Leopold

    stupid" ;)

  5. 8. Warum?

    Warum wird das Staatsoberhaupt eines "suspekten*" Staates derart hofiert?!

    Es gibt beileibe wichtigeres als den Besuch des "Königs" bei seinen "Untertanen" ---> Hofberichterstattung

    Falls jetzt jemand mit den "gemeinsamen Werten kommt: NEIN, ich habe
    keine "gemeinsamen Werte" mit den USA - zu sehr unterscheidet sich dieser Staat von meinen Werten als Europäer.

    *Drohnen, Guantanamo, NSA, Prism, Mordbefehle, PatriotAct, usw.

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