In der Tat, Barack Obama sprach keinen Satz, der es mit der legendären "Ich-bin-ein-Berliner"-Rede von John F. Kennedy hätte aufnehmen können. Oder mit den geschichtsträchtigen Worten Ronald Reagans, der einst die Sowjetunion aufforderte, endlich die Berliner Mauer einzureißen.

Aber es ist eben auch eine völlig andere Zeit. Der Kalte Krieg ist längst vorbei und auch die Mauer steht nicht mehr. Die aktuellen Bedrohungen für die Welt sind von einer ganz anderen Art. Oft komplizierter, diffuser und schwerer greifbar. Vergleiche zwischen Obamas Rede vom Mittwoch und den geschichtsträchtigen Ansprachen seiner Vorgänger sind darum unstatthaft.

Dennoch hielt Obama eine Rede mit Berliner Geist. Was er sagte, war wichtig und zukunftsweisend: Denn Amerikas Präsident forderte die Welt auf, knapp 24 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer nun auch die Mauern in den Köpfen und Herzen einzureißen. Die Mauern der Ignoranz und Intoleranz. Der Fremdenfeindlichkeit und Borniertheit.

Der junge, frische, unverkrampfte Amerikaner ist zurück

Im Grunde schloss Obama den Kreis zu seinem ersten Berliner Auftritt vor fünf Jahren. Damals begeisterte der schwarze Präsidentschaftskandidat mehr als 200.000 Deutsche. Sie waren in Massen zur Siegessäule geströmt, denn nach den verheerenden Bush-Jahren weckte dieser junge, frische, unverkrampfte Amerikaner gewaltige Erwartungen weit über Amerika hinaus.  

Vor dem Brandenburger Tor redete jetzt wieder dieser alte Obama. Es trat der Mutmacher-Obama auf, der Hoffnungsträger, der Liberale und Visionär. Es sprach vielleicht sogar der wahre Obama, den man in der Zwischenzeit fast vergessen hatte.

Wie zu seinen Anfängen als Präsident verkündete er, nach einer atomwaffenfreien Welt zu streben. Das Gefangenenlager in Guantánamo schließen zu wollen. Weit mehr für den Klimaschutz zu tun. Die Menschenrechte zu achten. Armut, Ungleichheit und Krankheit in der Welt zu bekämpfen. Die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit zu wahren.

Das waren nicht nur Botschaften, die deutsche Herzen höher schlagen lassen. Es waren auch deutliche Botschaften an sein amerikanisches Volk – vor allem an alle, die ihn gewählt haben.