©Berliner Stiftungswoche/Yehuda Swed

Im ersten Moment sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nur "Tja". Gelächter macht sich im Saal des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin breit. Zuzana Novaková hat ihn mit der Aussage, dass Mobilität nicht die Probleme der europäischen Jugend löse, aus dem Konzept gebracht. "Wir Junge reisen viel herum, halten uns für besonders flexibel. Dabei flüchten wir nur vor der Arbeitslosigkeit", sagt die 27-Jährige aus der Slowakei. Schäuble ist erst mal sprachlos.

Novaková weiß wovon sie spricht. Sie hat in vier Ländern studiert und gearbeitet, lebt mittlerweile in Brüssel, weil sie in ihrer Heimat keine Aussicht auf einen Job hat. Nach einer kurzen Pause sagt Schäuble: "Das wird sich schon einrenken, nur Geduld. Aber ich weiß, die haben Sie nicht."

Schäuble sitzt mit drei jungen Europäern am Tisch. Neben der Slowakin ein Zypriot und eine Deutsche. Alle sind unter 30. Alle sind Mitglieder der europäischen Alumni-Netzwerke der Berliner Stiftungsrunde. Es ist Mittwochabend. Das Thema ist die Krise der EU und die Perspektive der jungen Generation, die mit ihr aufwachsen. Oft reden sie aneinander vorbei: Schäuble spricht über langfristige Pläne der politischen Entscheidungsträger, die Jungen fragen nach konkreten Lösungen.

Die drei Jung-Europäer stellen ihre Fragen auf Englisch, Schäuble antwortete hauptsächlich auf Deutsch. "Im Gegensatz zu Ihnen hatte ich nicht die Möglichkeit auf ein Auslandsstudium. Wir waren damals nicht so mobil wie Sie, deshalb möchte ich Ihnen mein Englisch ersparen." Wieder Gelächter im Publikum, das vor allem aus Schülern, Studierenden und junge Akademikern bestand. Sie alle sind jung, hochqualifiziert und dem unsicheren Arbeitsmarkt ausgeliefert. 

Nicht ohne Grund werden die heute unter 30-Jährigen von der Politik als verlorene Generation abgestempelt. Sie haben zwar gute Schulabschlüsse und wollen etwas leisten. Aber daheim herrscht Krise. Niemand kann sie gebrauchen, keiner macht ihnen ein besonderes Jobangebot. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit frisst ein Loch in ihre Zukunftspläne.