Dass es noch Leute in der SPD gibt, die an den Sieg bei der Bundestagswahl glauben, ist am deutlichsten bei Oliver Scheytt zu beobachten. Breitbeinig, mit durchgestrecktem Rücken steht der Kulturmanager auf der Bühne im Willy-Brand-Haus und sucht mit seinen Augen die Objektive der Kameras. "Ich bin gerne Kulturpolitiker", sagt er. "Besonders gerne bin ich sozialdemokratischer Kulturpolitiker." Und am Ende seiner Vorstellung als Neuer im SPD-Wahlkampfteam lobt er noch Peer Steinbrücks Kulturkompetenz und endet mit den Worten: "Die SPD kann Kanzler."

Im Gegensatz zu Scheytt ist vielen Menschen in Deutschland dieser Glaube abhandengekommen, auch in der SPD. Wegen immer neuer Pannen bezweifeln sie die Eignung des Kandidaten. Ein Prinzip Steinbrückscher Wahlkampfführung schien bislang: Wann immer du positive Nachrichten zu verkünden hast, lass schlechte sie überlagern. So auch an diesem Montag. Da will der Kanzlerkandidat die letzten Mitglieder seines Kompetenzteams vorstellen, doch die Journalisten interessieren sich mehr für den Rauswurf seines Pressesprechers Michael Donnermeyer. Der wurde unmittelbar vor der PR-Pressekonferenz von Steinbrück bekannt gegeben.

Donnermeyer ist für das negative Image des Kandidaten mitverantwortlich. So gab er als Pressesprecher ein missverständliches Interview mit der FAZ frei, in dem Steinbrück das Gehalt des Bundeskanzlers als zu niedrig bezeichnete; oder Steinbrücks Gespräch mit ZEIT ONLINE, in dem er mit Russland-Äußerungen irritierte; oder seine groß angelegte Europa-Reise, unter anderem nach London und Athen, die aufgrund schlechter Vorbereitung nur geringes öffentliches Interesse weckte. All das war peinlich und hätte besser begleitet werden können. 

Solche Pannen verstärkten die ohnehin große Unzufriedenheit im Willy-Brandt-Haus mit Steinbrücks persönlichem Wahlkampfteam. Diesem werden Fehler, Unkenntnis und zum Teil auch politisches Unvermögen vorgeworfen. Anfang März hatte Generalsekretärin Andrea Nahles deshalb Steinbrücks Vertrauten Heiko Geue entmachtet und entscheidende Kompetenzen im Wahlkampf an sich gebunden.

"Harte und schwierige Entscheidung"

Nun hat der Kandidat selbst den nächsten radikalen Schnitt gewagt. "Das ist eine ziemlich harte und schwierige Entscheidung gewesen", sagte Steinbrück in der SPD-Zentrale. Er habe ein vertrauensvolles, auch persönlich gutes Verhältnis zu Donnermeyer gehabt. Aber der Wahlkampf habe "höchsten professionellen Anforderungen zu genügen". Das tat Donnermeyer offenbar nicht.

Begründen wollte Steinbrück das Ganze nicht. "Das brauche ich nicht", raunzte er in der ihm eigenen Art. Aber wieso hat er seinen Sprecher gerade jetzt entlassen und damit die Vorstellung seines Schattenkabinetts torpediert, fragten die Journalisten. Er habe die Personalentscheidungen abschließen und die Diskussion nicht in ein oder zwei Wochen noch einmal führen wollen, antwortete Steinbrück.