SPD-WahlkampfSteinbrücks Kampf mit dem Pannen-Peer

Der Rauswurf seines Sprechers ist symptomatisch für Steinbrücks Wahlkampf: Pannen verdrängen gute Nachrichten. Doch dieser Schritt war richtig, kommentiert T. Schwarze. von 

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück präsentiert im Willy-Brandt-Haus seinen neuen Sprecher Rolf Kleine.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück präsentiert im Willy-Brandt-Haus seinen neuen Sprecher Rolf Kleine.  |  © Axel Schmidt/CommonLens

Dass es noch Leute in der SPD gibt, die an den Sieg bei der Bundestagswahl glauben, ist am deutlichsten bei Oliver Scheytt zu beobachten. Breitbeinig, mit durchgestrecktem Rücken steht der Kulturmanager auf der Bühne im Willy-Brand-Haus und sucht mit seinen Augen die Objektive der Kameras. "Ich bin gerne Kulturpolitiker", sagt er. "Besonders gerne bin ich sozialdemokratischer Kulturpolitiker." Und am Ende seiner Vorstellung als Neuer im SPD-Wahlkampfteam lobt er noch Peer Steinbrücks Kulturkompetenz und endet mit den Worten: "Die SPD kann Kanzler."

Im Gegensatz zu Scheytt ist vielen Menschen in Deutschland dieser Glaube abhandengekommen, auch in der SPD. Wegen immer neuer Pannen bezweifeln sie die Eignung des Kandidaten. Ein Prinzip Steinbrückscher Wahlkampfführung schien bislang: Wann immer du positive Nachrichten zu verkünden hast, lass schlechte sie überlagern. So auch an diesem Montag. Da will der Kanzlerkandidat die letzten Mitglieder seines Kompetenzteams vorstellen, doch die Journalisten interessieren sich mehr für den Rauswurf seines Pressesprechers Michael Donnermeyer. Der wurde unmittelbar vor der PR-Pressekonferenz von Steinbrück bekannt gegeben.

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Donnermeyer ist für das negative Image des Kandidaten mitverantwortlich. So gab er als Pressesprecher ein missverständliches Interview mit der FAZ frei, in dem Steinbrück das Gehalt des Bundeskanzlers als zu niedrig bezeichnete; oder Steinbrücks Gespräch mit ZEIT ONLINE, in dem er mit Russland-Äußerungen irritierte; oder seine groß angelegte Europa-Reise, unter anderem nach London und Athen, die aufgrund schlechter Vorbereitung nur geringes öffentliches Interesse weckte. All das war peinlich und hätte besser begleitet werden können. 

Solche Pannen verstärkten die ohnehin große Unzufriedenheit im Willy-Brandt-Haus mit Steinbrücks persönlichem Wahlkampfteam. Diesem werden Fehler, Unkenntnis und zum Teil auch politisches Unvermögen vorgeworfen. Anfang März hatte Generalsekretärin Andrea Nahles deshalb Steinbrücks Vertrauten Heiko Geue entmachtet und entscheidende Kompetenzen im Wahlkampf an sich gebunden.

"Harte und schwierige Entscheidung"

Till Schwarze
Till Schwarze

Till Schwarze ist Nachrichtenredakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Nun hat der Kandidat selbst den nächsten radikalen Schnitt gewagt. "Das ist eine ziemlich harte und schwierige Entscheidung gewesen", sagte Steinbrück in der SPD-Zentrale. Er habe ein vertrauensvolles, auch persönlich gutes Verhältnis zu Donnermeyer gehabt. Aber der Wahlkampf habe "höchsten professionellen Anforderungen zu genügen". Das tat Donnermeyer offenbar nicht.

Begründen wollte Steinbrück das Ganze nicht. "Das brauche ich nicht", raunzte er in der ihm eigenen Art. Aber wieso hat er seinen Sprecher gerade jetzt entlassen und damit die Vorstellung seines Schattenkabinetts torpediert, fragten die Journalisten. Er habe die Personalentscheidungen abschließen und die Diskussion nicht in ein oder zwei Wochen noch einmal führen wollen, antwortete Steinbrück.

Leserkommentare
  1. Ist das die Frage?

    Habe eher große Zweifel, ob die SPD noch "Sozial-Demokratie" kann...

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    sicher, schon alleine wegen dem Koalitionspartner Grün.

    Daß Merkel nur noch peinlich geworden ist? Wer im Ernst wollte dies bestreiten? - Daß sie was kann, eine gute Kanzlerin sei? - Wer im Ernst wagte dies noch zu behaupten ? - Sie plappert ihren Einflücteren nach, einst einem von Pierer, einem Oberst Dr. Ackermann von der Deutschen Bank, und heute halt einem anderen der wahrlich Hohen Herren.
    Hierin allein besteht das Geheimnis der Merkel als der großen Kanzlerin.

    Und dann als Alternative hat das Kanzlerwahl-Kartell der großen bundestagsvertretenen Parteien nun ausgerechnet diesen bis dato immer reichlich glücklosen wie auch wenig beliebten Herrn Steinbrück ernannt. Er sei auf einmal ein Finanzexperte, geradezu ein Bankenschreck, ein Freund der Ge-Hartzten und der anderen Prekariarier, ein großer Durchblicker und anerkannter (von wem denn? ) Fachmann für Wirtschaft und Soziales. - Sorry, aber da lachen ja die Hühner !

    Warum also tut die eh schon abgeschrödert-geköpfte SPD nun auch noch diesen Tort selber sich an?
    Und am Ende, da wird Merkel wieder obsiegen, schon rein wahlarithmetisch mit so: Merkel 35% vs. Steinbeißer 20%.
    Es sei denn, ihrer Rivalin, der Albrecht-Tochter Uschi v.d.Leine, der würde es nun doch gelingen, ein kleines nettes Putschchen innerparteilich durchschlagend anzuzetteln, so unter dem Motto: "Nun aber genug gemerkelt, gezaudert und gemurkelt! Jetzt reicht's! Uschi an die Macht! ".
    Der BILD-Diekmann in seinem neuesten Buch: " Die Zauder-Künstlerin" hat dergleichen angedeutet. Seien wir gespannt!

  2. Die Wahl des Bilds zum Aufhänger hat mich wieder einmal herzlich amüsiert. Sehr gut getroffen, vielen Dank dafür!

    2 Leserempfehlungen
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    Entfernt, da unterstellend. Die Redaktion/mak

  3. 3. [...]

    Entfernt, da unterstellend. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "Bilderwahl"
  4. Mir fällt die Wahl Merkel oder Steinbrück nicht sehr schwer.
    Lieber habe ich jemanden als Kanzler, der "Trial and Error" beherrscht, als eine die alles für alternativlos hält.

    7 Leserempfehlungen
  5. Allem Anschein nach ist es der Plan der SPD-Granden mit Peer Steinbrück bei der Bundestagswahl 2013 sowieso nicht gewinnen zu wollen; das Amt als Vizekanzler tritt dann Steinbrück wie bereits angekündigt nicht an; dafür wird dann wie sowieso von vorne herein geplant Frank-Walter Steinmeier Vizekanzler in der großen Koalition unter Merkel. Denn Peer Steinbrück kann machen was er will, es wird ihm und der SPD nichts nützen - wenn er was für die SPD tun will, dann sollte er dafür sorgen, dass sich die SPD-Spitze endlich komplett erneuert. Er sollte auch die Kanzlerkandidatur aufgeben und eine Kandidaten-Urwahl einleiten; Er ist schlicht für die potenziellen SPD-Wähler der falsche Mann zur falschen Zeit mit der falschen Botschaft und der falschen Mentalität für Kanzler. Finanztechnisch ausgedrückt hat er für die SPD als Kanzlerkandidat einen negativen Marktwert. Es ist sehr angebracht dem aktuell übrig gebliebenen Kanzlerkandidaten Steinbrück, und natürlich der aktuellen SPD-Führung insgesamt mit großem Misstrauen zu begegnen, denn: Wer hat's gemacht? Die SPD hat's gemacht! Die Agenda 2010, unter anderem mit Harz4, Rentenkürzung auf 43% und Riesterrente, bedeutet erst einmal recht einseitig noch mehr Profit und Wachstum für Reiche und Ihre Vermögen und jede Menge Belastungen und Zumutungen wie massenhaft Leiharbeit, Lohndumping und Teilzeitjobs für Normalbürger und ganz besonders für Arme und sowieso schon Benachteiligte.

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    Entfernt, bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se

    es gibt keine Partei, die das besser, also linker machen würde, außer die Grünen und die Linken. Aber die werden zusammen niemals eine Mehrheit haben. Insofern stellt sich in der Realität nur die Frage ob Rot-Grün oder Schwarz-Gelb, oder andere Schattierungen dazwischen, die es nicht anders machen würden. zB schwarz-Grün.
    Wer also auf die SPD eindrischt (sicher zu Recht wenn es um soziale Fragen geht), der muss immer auch bedenken, dass eine Kritik an der SPD häufig zu mehr Stimmen bei den Schwarzen führt, und nicht, wie vielleicht erhofft, bei den Linken.

    Das einzige was also helfen könnte ist, wenn die SPD sich für die Linke öffnen würde. Das wird aber nicht passieren, dafür ist die SPD einfach zu nah an der CDU und zu sehr bemüht sich von der Linken zu unterscheiden.

    Ich jedenfalls will Merkel loswerden, auch wenn im Kern so denke wie Sie, bin ich deshalb für Rot-Grün. Die Grünen zeigen in ihrer Arbeit im Bundestag immer wieder, dass sie wenn es um Gesetzesinitiativen und Abstimmungen geht am nähesten an den Linken kommen. Daher glaube ich, dass Rot-Grün 2013 eine andere, bessere, linker, sozialerer Politik wagen wird, als damals. Im Gegenteil, glaube ich, wird es Reformen geben, die die Situation von Hartz-4 Beziehern verbessern wird. Es wird vermutlich die Benachteiligung von Mietern durch Schwarz-Gelb zurückgenommen und es wird für Migranten und Homosexuelle endlich Recht durchgesetzt werden.

    Ich will das alles. Es ist besser als Schwarz-Gelb. Viel besser.

  6. 6. [...]

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se

  7. 7. [...]

    Entfernt, bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leserempfehlung
  8. 8. [...]

    Auf Wunsch entfernt. Die Redaktion/se

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  • Schlagworte Angela Merkel | SPD | Bundesregierung | Andrea Nahles | MIT
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