Wahlkampf : Steinbrück entlässt seinen Sprecher

Wegen wiederholter Kommunikationspannen hat sich der SPD-Kanzlerkandidat von seinem Sprecher Donnermeyer getrennt. Zudem hat Steinbrück sein Wahlkampfteam komplettiert.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seinen Sprecher Michael Donnermeyer entlassen. Bereits am Mittag wird Donnermeyer nicht mehr bei der Vorstellung der letzten Mitglieder von Steinbrücks Wahlkampfteam dabei sein. Steinbrück soll bereits einen Nachfolger haben, bei dem es sich nach Angaben der Bild-Zeitung um Rolf Kleine handeln soll, einen früheren Journalisten des Blatts.

Damit zieht Steinbrück die Konsequenzen aus wiederholten Pannen in den vergangenen Monaten. Donnermeyer wurden vor allem in der SPD viele Fehler vorgeworfen und ihm wurde die Verantwortung für das schlechte Image des Kanzlerkandidaten angelastet. Mit Donnermeyer habe es "nicht funktioniert", hieß es. Der Sprecher selbst war zuletzt noch optimistisch, dass die Talsohle für Steinbrück durchschritten sei.

So wurde Donnermeyer unter anderem ein Interview in der FAZ angelastet, in dem Steinbrück sagte, ein Bundeskanzler verdiene gemessen an der zu erbringenden Leistung zu wenig. Der Sprecher hatte die fehlinterpretierbaren Passagen autorisiert.

Ex-Bild-Mann wird neuer Sprecher

Der 53-jährige Donnermeyer studierte Publizistik, Germanistik, Geschichte und Politik in Münster. Er war bereits 1998 als SPD-Sprecher am damals erfolgreichen Wahlkampf für den späteren Kanzler Gerhard Schröder beteiligt und war nach 1998 unter anderem Sprecher des Verkehrsministeriums unter Franz Müntefering sowie ab 1999 erneut der Bundes-SPD und ab 2002 der Berliner SPD.

Der neue Sprecher Kleine arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die Bild-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Die Nachricht von der Entlassung kommt ausgerechnet am Tag der Vorstellung der letzten Mitglieder in Steinbrücks Wahlkampfteam. Diese will er am Vormittag in Berlin der Öffentlichkeit vorstellen. Zuvor hat er die Namen bereits über Twitter bekannt gegeben.

Wirtschaft, Kultur und Entwicklung

Die frühere saarländische Finanzministerin Christiane Krajewski übernimmt das Thema Wirtschaft im Wahlkampf. Für die Entwicklungspolitik soll Cornelia Füllkrug-Weitzel zuständig sein, die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt. Für die Kulturpolitik holte Steinbrück Oliver Scheytt in sein Team. Der 55-Jährige ist Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH, die das Ruhrgebiet 2010 mit Essen als Europäischer Kulturhauptstadt präsentiert hatte.

Die Felder Außenpolitik und Finanzen ließ Steinbrück in seinem Wahlkampfteam unbesetzt, weil er diese Themen als Kanzlerkandidat selbst übernehmen will.

Die 64-jährige Krajewski war bis 1999 Finanzministerin in Saarbrücken und stellvertretende Ministerpräsidentin unter Oskar Lafontaine, als dessen politische Weggefährtin sie gilt. Inzwischen arbeitet sie für die Investmentbank Leonardo & Co in Frankfurt.

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