Forsa : SPD fällt in Umfragen auf 22 Prozent

Wenn am Sonntag Wahl wäre, würde die SPD ein schlechteres Ergebnis erzielen als 2009. Forsa-Chef Güllner macht Steinbrück für das Umfragetief der Partei verantwortlich.
Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück © Steffi Loos/CommonLens

Drei Monate vor der Bundestagswahl hat die SPD laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL weiter an Zustimmung verloren. Nur noch 22 Prozent der Deutschen würden den Sozialdemokraten ihre Stimme geben, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Damit fällt die Zustimmung für die SPD unter das Bundeswahlergebnis von 2009.

Die Union kommt der Umfrage zufolge erneut auf 40 Prozent. Die FDP kann sich um einen Prozentpunkt auf sechs Prozent steigern. Die Grünen würden 15 Prozent der Stimmen erhalten. Die Linke sinkt um einen Punkt auf acht Prozent. Sonstige Parteien erhielten neun Prozent der Stimmen. Unter ihnen befinden sich die Piraten und die Alternative für Deutschland mit je zwei Prozent.

Forsa-Chef Manfred Güllner führt die Schwäche der SPD auf Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zurück. "Die Menschen haben den Eindruck, dass der Kanzlerkandidat und seine Partei keine Einheit bilden", sagte er dem Stern. Auch Steinbrücks Kompetenzteam aus Personen, die der Bevölkerung völlig unbekannt seien, hätte das Vertrauen in die Fähigkeiten der SPD nicht verbessert.

Merkel deutlich vor Steinbrück

Im Direktvergleich zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück liegt der SPD-Kandidat klar hinten. Könnten die Befragten den Regierungschef direkt wählen, würden laut der Umfrage 58 Prozent für Merkel stimmen, ein Punkt mehr als in der Vorwoche. Nur 18 Prozent ziehen SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück vor. Für die Antwortmöglichkeit "keinen von beiden" entschieden sich 24 Prozent.

Forsa befragte zwischen dem 10. und 14. Juni 2501 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger. Allerdings ist die Umfrage nur eine Momentaufnahme, Forsa gibt die statistische Fehlertoleranz mit +/- 2,5 Prozentpunkten an.

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Kommentare

159 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

Nach Ihrem Kommentar stecken Sie in einem großen Dilemma.

Sie beschreiben, warum aus Ihrer Sicht die SPD keine Glaubwürdigkeit mehr hat.

Angela Merkel hat 2005 die Agenda 2010 ausdrücklich gelobt und sie in ihrer Regierungszeit genutzt für die heutigen wirtschaftlichen Erfolge der Wirtschaft, teilweise auch erzielt durch die bewusste Benachteiligung "prekärer Bevölkerungsgruppen".

Wen wollen Sie dann jetzt wählen?

Vermeintlich mangelnde Glaubwürdigkeit in die Veränderung der bestehenden Zustände (SPD) oder die Sicherheit, dass dies so weiter geht (CDU).

Alternativ könnten Sie Die Linke wählen und damit die SPD schwächen und die CDU stärken.

Perfekt durchgeführt

"Ich würde eher sagen, Merkel versteht es wie keine zweite, anzukündigen, alle Interessen bedienen zu wollen! Das macht sie so lange, bis die Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit anderen Themenfeldern widmet. Am Ende ist nichts gemacht."

Wow... wenn die Politik wirklich so ankommt, dann macht die Regierung das wirklich perfekt. Den Deutschen ging es noch nie in der Geschichte so gut, die Lebenserwartung steigt und steigt, das ganze Ausland beneidet uns, und die Deutschen merken nichts davon. Das ist Politik, wie sie sein muss. Keiner bemerkt eine Veränderung, aber es wird immer besser... ;-)

Jaja, “uns” geht’s ja so gut.

1. Der französische Linkspartei-Abgeordnete Jean-Luc Mélenchon sieht das anders: „Die Deutschen sind kein Modell für Lebensbejahende. Die Deutschen sind ärmer als der Durchschnitt, sie sterben früher, sie haben keine Kinder und sogar die Immigranten suchen das Weite, weil sie nicht länger mit ihnen leben wollen [...] Wer am Leben hängt, der hat keine Lust Deutscher zu sein“
http://www.faz.net/aktuel...

2. Wer ist mit “uns” bzw. “wir” bzw. "den Deutschen" gemeint, denen es angeblich so “gut” geht? Gehören Harz-IV-Empfänger dazu? Gehören Überstunden schrubbende, miserabel bezahlte, intellektuell ausgebeutete Jungakademiker dazu? Zeitarbeiter? Oder sind mit “wir” nur die Erben in dritter Generation, Steuervermeider, gut vernetzte Söhne und Töchter der Oberschichtseltern, Beamte und Tarifbeschäftigte gemeint?

3. Wenn es denn stimmen würde und es das Verdienst der Regierung / die Politik wäre, daß es den Deutschen so “gut geht” und daß deren Lebenserwartung steigt: Liegt es daran, daß die Merkel das alles so toll macht, und seit sie zur Kanzlerin gewählt wurde, dank ihrer magischen Aura die Wirtschaft schlagartig anfing, steil bergauf zu gehen? Weil ein logischer Zusammenhang CDU=Aufschwung besteht? Oder doch eher daran, daß die Vorgängerregierung (SPD-Grüne) Deutschland mit der Agenda 2010 so ‘wettbewerbsfähig’ machte, daß die anderen Europäer gegen das deutsche Lohndumping nun auf der Strecke bleiben?