Wie unterhaltsam der Wahlkampf zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück sein könnte, blitzte beim Thema Mieten auf. Freimütig bekannte die Kanzlerin den Diebstahl geistigen Eigentums. "Ja, es war eine SPD-Idee", sagte Merkel zur Mietpreisbremse, die sie nach langem Widerstand überraschend noch ins CDU-Wahlprogramm aufnehmen will. Und ihr SPD-Herausforderer lobte Merkel später dafür, dass sie "keine Schwierigkeiten mit dem Urheberrecht hat". Auch wenn die schwarz-gelbe Bundesregierung gerade das genaue Gegenteil dessen beschlossen habe, fügte Steinbrück hinzu. Das Publikum des Deutschen Verbrauchertags in Berlin bedankte sich lachend bei beiden Rednern für so viel unverkrampfte Klarheit.

Doch blieb es bei diesen Ausnahmen, die eine Regel des Bundestagswahlkampfs zu bestätigen scheinen: Selbst wenn es echte Aufregerthemen gibt, kommt es zwischen Merkel und Steinbrück nicht zum Duell. Das liegt zum einen an Merkels Teflonpolitik der Unangreifbaren; zum anderen an Steinbrücks Unwillen oder Unfähigkeit, die Kanzlerin direkt zu attackieren und auf der Straße liegende Themen wahlkampftauglich zu emotionalisieren.

Dabei war das Setting für einen politischen Schlagabtausch eigentlich bereitet. Es ging um heikle Themen beim Deutschen Verbrauchertag, was der Name ja nicht unbedingt vermuten lässt: rapide steigende Mieten, zu hohe Strompreise, Regulierung der Finanzbranche, Datenmissbrauch im Internet. Und jeder Wähler ist schließlich auch Verbraucher. Die richtigen Themen also und die nötige Betroffenheit. Schön blöd, wer sich diese Chance als Wahlkämpfer entgehen lässt.

Merkel bleibt im Ungefähren

Doch Merkel ließ. Aus taktischen Gründen, weil sie damit unangreifbar wird. Deshalb übernimmt sie wie bei der Mietpreisbremse Positionen des politischen Gegners, zumindest als Wahlversprechen oder in abgeschwächter Form (Mindestlohn). Und deshalb vermeidet Merkel ohne Not Festlegungen auf eine bestimmte Position: "Konsumentenkompetenz stärken", "wir brauchen eine bessere Verzahnung des EEG mit dem Netzausbau" oder die "sehr große Wirkung der Internetgemeinde" lauteten einige ihrer Aussagen beim Verbrauchertag.

Entsprechend enttäuscht waren die meisten Anwesenden vom Auftritt der Kanzlerin, auch Verbandschef Gerd Billen. "Ein bisschen was Konkreteres hätte ich schon erwartet", sagte er ZEIT ONLINE nach ihrer Rede. Als Merkel einmal wirklich konkret wurde, lehnte sie seine Forderung nach einem Finanzmarktwächter ab. Von Steinbrücks Auftritt erhoffte sich Billen ein bisschen mehr Unterstützung. "Die SPD hat ein sehr gutes Wahlprogramm geschrieben", sagte er. "Verbraucherschutz kommt da nicht erst auf Seite 88 vor, sondern ist ein durchgängiges Querschnittsthema."

Große Mehrheit für Rot-Grün

Verbraucherschutz scheint als Thema insgesamt näher an SPD und Grünen zu sein. Nicht nur war es die Grüne Renate Künast, die es als Titel erstmals in einem Ministerium führte. In einer Umfrage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) wurde den Grünen mit das meiste Vertrauen bei Verbraucherthemen ausgesprochen. Und in einer Abstimmung beim Verbrauchertag selbst kamen SPD und Grüne mit großem Abstand vor den anderen Parteien auf jeweils 39 Prozent.

Die Umfrage des vzbv ergab zudem, dass das Vertrauen der Konsumenten in die Märkte deutlich abgenommen hat. Zwei Drittel gehen davon aus, dass es im Finanzbereich (63 Prozent) und bei Lebensmitteln (62 Prozent) Produkte und Anbieter gibt, die Verbraucher täuschen und schädigen.