Der Verfassungsschutz sieht auch nach der Aufdeckung der rechtsextremen Terrorzelle NSU noch eine potenzielle Gefahr durch Rechtsterroristen. Angesichts der hohen Gewaltbereitschaft in der Szene sei die Existenz weiterer rechtsterroristischer Strukturen zumindest möglich, heißt es im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2012. Denkbar sei, dass potenzielle NSU-Nachahmer auf den Plan gerufen würden. Die Affinität von Rechtsextremen zu Waffen und Sprengstoff stelle eine latente Gefährdung dar, heißt es in dem Bericht, der am heutigen Dienstag offiziell vorgestellt wird.

Die Verfassungsschützer ordnen der rechten Szene für das vergangene Jahr 22.150 Anhänger zu. Annähernd jeder zweite Rechtsextreme sei als gewaltbereit einzustufen, heißt es in ihrem Bericht.

Die Aufdeckung des Nationalsozialistischen Untergrunds ( NSU ) hatte eine neue Dimension an Gewaltbereitschaft in der rechten Szene aufgezeigt. Der rechtsextremen Gruppe werden zehn Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern und einer Polizistin zur Last gelegt. Sie flog erst Ende 2011 auf, Polizei und Nachrichtendienste waren ihr über Jahre nicht auf die Spur gekommen. Die Versäumnisse in dem Fall stürzten den Verfassungsschutz in eine schwere Krise.

Zulauf für Salafisten in Deutschland

Der Verfassungsschutzbericht, den Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Berlin vorstellen, umfasst die gesammelten Erkenntnisse des Inlandsgeheimdienstes und gibt einen Überblick über Extremismus in Deutschland.

Die Verfassungsschützer registrierten zuletzt einen wachsenden Zulauf für islamistische Organisationen: Diese Gruppierungen hatten in Deutschland 2012 mehr als 42.000 Mitglieder. Ein Jahr zuvor waren es 38.080 gewesen. Besonders stark wuchs die Bewegung der radikal-islamischen Salafisten , von 3.800 (2011) auf 4.500 Anhänger.