Wegen der neuen Bevölkerungszahlen aus dem Zensus muss das Geld für den Länderfinanzausgleich neu verteilt werden. Das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut Köln (Fifo Köln) berechnete für die Welt am Sonntag, dass fast eine Milliarde Euro umverteilt werden muss. Fifo-Geschäftsführer Michael Thöne sagte, die Korrekturen der Bevölkerungszahlen würden die Einnahmen der Länder in einem Volumen von 943 Millionen Euro verändern.

Demnach stehen Berlin künftig 515 Millionen Euro weniger im Jahr zu. Hamburg wird vom Nehmer- wieder zum Geberland. Bayern, das gemeinsam mit Hessen gegen den Länderfinanzausgleich klagt, muss hingegen 184 Millionen Euro weniger einzahlen. Der größte Gewinner ist der Berechnung zufolge Rheinland-Pfalz, das 224 Millionen Euro mehr aus dem Länderfinanzausgleich bekommt.

Durch den Länderfinanzausgleich sollen unterschiedliche Einnahmen der Länder ausgeglichen werden. Die Verteilung richtet sich nach der Einwohnerzahl der Länder. Ein Bundesland, das pro Person mehr Steuern einnimmt als der Bundesdurchschnitt, muss zahlen. Ein Bundesland, das bezogen auf die Einwohner weniger Einnahmen als der Durchschnitt hat, empfängt Geld. Die erste Volkszählung seit mehr als zwei Jahrzehnten hatte ergeben, dass in Deutschland 1,6 Millionen weniger Menschen leben als vermutet.

Neben Berlin betrifft der Zensus vor allem auch Baden-Württemberg, das trotz schrumpfender Bevölkerung künftig 221 Millionen Euro mehr in den Ländertopf einzahlen muss. Grund dafür ist die Systematik des Finanzausgleichs: Baden-Württemberg muss mehr zahlen, weil es sich das als reiches Land bei weniger Einwohnern leisten kann. Berlin bekommt als Nehmerland weniger, weil ihm bei sinkender Einwohnerzahl auch weniger Geld zusteht.