Bernd Lucke verkündet die "frohe Botschaft" in Berlin, Haus der Bundespressekonferenz: Die Alternative für Deutschland (AfD) darf bei der Bundestagswahl in allen sechzehn Bundesländern antreten. Zudem schickt die im Februar gegründete Partei 153 Direktkandidaten ins Rennen um die Sitze im Parlament. 

Damit der Einzug möglichst gelingen kann, möchte sich die in ihren Forderungen bislang auf die Abschaffung des Euro reduzierte Partei nun auch zu anderen Themen positionieren. Allerdings gerät die Präsentation der drei gegründeten Fachausschüsse mit den Schwerpunkten Energie, Gesundheit und Sicherheit ziemlich unausgereift und widersprüchlich.    

Eigentlich ist der Ökonom Lucke ein Mann, der Contenance bewahren kann, bedacht und ruhig spricht. Normalerweise. Denn als Stephan Boyens beim Thema Energie den Klimawandel infrage stellt, kann Lucke sich nicht schnell genug von seinem Parteikollegen distanzieren: "Das ist eine persönliche Meinung und nicht die der Partei." Der Chef antwortet fortan auf alle energiepolitischen Fragen. Boyens muss schweigen.

Der AfD-Energieexperte hatte unter anderem gesagt, innerhalb der vergangenen 15 Jahre habe es keine Erwärmung des Klimas gegeben. Deshalb stelle sich die Frage, ob die Energiewende in Deutschland wirklich begründet sei. Kohlendioxid sei zudem ein kleines Spurenelement in der Luft und hätte wenig Auswirkungen auf das Klima. "Das ist, als ob meine dreijährige Tochter in den See pinkelt. Und dann haben wir Angst, dass der Baggersee kippt." Die deutsche "Retten wir die Welt"-Attitüde, gemischt mit der Angst vor der Erderwärmung, sei eine "explosive Mischung", so der Diplom-Kaufmann. Dies sei bei den Kosten der Energiewende von bis zu einer Billion Euro unangebracht.

AfD hofft auf Hessen

Auch die Vorstellungen zur Gesundheitspolitik wirken etwas wirr. So fordert AfD-Experte Wilhelm Esser einerseits eine Abkehr von der Zwei-Klassen-Medizin, andererseits ist er aber gegen eine Vereinheitlichung der deutschen Versicherungen. Damit stellt sich die Partei gegen das von der Opposition favorisierte Modell einer für alle verpflichtenden Bürgerversicherung, die das Ende der Privatversicherung mit sich brächte. Essen setzt sich stattdessen für mehr Wettbewerb bei den privaten Krankenkassen ein. Außerdem möchte er die gesundheitliche Versorgung in ländlichen Gebieten auf Kosten der Ballungszentren ausbauen. 

Parteichef Lucke gibt sich trotz solcher Widersprüche und derzeit schlechter Umfragewerte optimistisch und hofft auf den Einzug ins Parlament. "Wir sind nahe dran an der Fünfprozenthürde", sagt er. Seine Partei lag zuletzt bei einem Wert von 3,5 Prozent.

Als nächstes möchte er deshalb den Bekanntheitsgrad steigern, um im "Wahlkampf in die Breite zu gehen". Die Partei verzeichne bereits 15.000 Mitglieder.   

Lucke will noch vor der Bundestagswahl ein erstes Erfolgserlebnis erreichen: Bei der Wahl am 22. September in Hessen könnte die AfD ein respektables Ergebnis für eine erstmals antretende Partei erreichen – wenn sich der dortige Landesverband nicht weiter zerstreitet.