Grundeinkommen : Staatlicher Goldregen

Bedingungsloses Grundeinkommen für jeden – eine alte Idee findet auch in Deutschland wieder Anhänger. Was ist davon zu halten?

Es ist eine Idee, an der sich die Geister scheiden: Das bedingungslose Grundeinkommen führt zu einer gerechteren und freieren Gesellschaft, sagen die einen. Es macht faul, sagen die anderen. Seit etwa 30 Jahren wird in Deutschland regelmäßig darüber debattiert, ob die revolutionäre Idee eines Tages Wirklichkeit werden sollte.

Welche Wirkungen hätte das Grundeinkommen?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den deutschen Sozialstaat komplett verändern. Die Idee ist, dass jeder Bürger vom Staat ein Einkommen gezahlt bekommt, mit dem er mindestens seine Existenz bestreiten kann. Und zwar unabhängig davon, ob er eine bezahlte Arbeit oder Vermögen hat, ob er arbeitslos ist oder Chef eines Dax-Konzerns. Bedingslos heißt dieses Einkommen, weil keine Gegenleistung erwartet wird. Niemand soll gezwungen werden können, eine Arbeit anzunehmen.

Wer unterstützt die Idee in Deutschland?

Die Befürworter eines Grundeinkommens gehören ganz unterschiedlichen Lagern an. Die Allianz der Unterstützer reicht vom Gründer der Drogeriemarktkette DM, Götz Werner, bis zum Sozialwissenschaftler und grünen Vordenker Michael Opielka, von der Chefin der Linkspartei, Katja Kipping, bis zum ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus, von den Globalisierungskritikern von Attac bis zur katholischen Arbeitnehmerbewegung.

Woher kommt die Idee?

Die Grundidee ist mehrere Hundert Jahre alt: So stellte Thomas Morus in seinem Roman Utopia im Jahr 1516 die Forderung nach einem Lebensunterhalt für alle auf. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich diese Vorstellung. Der britischen Autor Thomas Spence beispielsweise wollte mit einem Grundeinkommen, finanziert durch die Vergesellschaftung und Verpachtung von Grundbesitz, die Armut vieler Menschen beseitigen.

In der jüngeren Vergangenheit erfährt diese Idee auch in Deutschland wieder mehr Zuspruch – allerdings nicht nur als Mittel zur Bekämpfung von Armut. In den achtziger und neunziger Jahren erschien das Ideal der Vollbeschäftigung immer stärker als Utopie. Zunehmende Rationalisierung und Automatisierung in den Unternehmen führten zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, unabhängig von der Konjunktur. Der Sozialstaat, der sich in erster Linie nach dem lebenslangen Normalarbeitsverhältnis und traditionellen Familienformen richtet, passte immer weniger zur Realität. Warum dann nicht gleich ein Einkommen für jeden einführen, das völlig von der Erwerbsarbeit losgelöst ist?

Warum ist sie jetzt wieder aktuell?

Befördert wurde die Debatte zweifellos auch durch Gerhard Schröders Sozialreformen. Mit Hartz IV prägte der damalige SPD-Kanzler ein neues Leitbild vom aktivierenden Sozialstaat, der mehr Eigenleistung vom Einzelnen abfordert – und Verweigerung mit Sanktionen bestraft. Hartz IV sei "offener Strafvollzug", schimpft der Unternehmer und DM-Gründer Werner. Von einem bedingungslosen Grundeinkommen verspricht er sich, dass auch Unternehmer künftig anders mit ihren Mitarbeitern umgehen. Arbeit, die heute sehr schlecht bezahlt werde, aber für die Gesellschaft notwendig sei, werde dann auch besser bezahlt oder attraktiver gestaltet werden, argumentiert er.

Welche weiteren Vorteile verspricht man sich davon?

Die Linken-Vorsitzende Kipping erhofft sich, dass auch andere Arbeit als die klassische Erwerbsarbeit stärker wertgeschätzt werde: etwa die unentgeltlich geleistete Erziehungs- und Sorgearbeit oder das soziale und das bürgerschaftliche Engagement der Menschen. Auf die Kritik, dass auch Reiche das Grundeinkommen erhalten sollen, entgegnet Kipping, dass bei Bedürftigkeitsprüfungen gerade die Ärmsten der Armen ihren Anspruch nicht einlösen. Außerdem sollten Reiche bei der Finanzierung des Grundeinkommens auch stärker zur Kasse gebeten werden.

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Kommentare

394 Kommentare Seite 1 von 29 Kommentieren

Bedenkenträger

So war das immer mit neuen Ideen: Da mußten zuerst die ganzen “Ja, aber”s und “Das geht doch nicht, weil”s und “Hat man denn gar nicht bedacht, daß”s weggeräumt werden. Das sind aber keine Grundsatzfragen, sondern Detailfragen, die sich lösen lassen (“Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg”) und sich eindeutig auf einer zweitrangigen Hierarchiestufe bewegen.

Allerdings war das auch mein Gedanke: Wenn man das BG in Deutschland oder Europa einführt, müßte man zunächst die westliche Hybris, die Welt retten zu müssen, ablegen. Daß ein BG zwangsläufig eine magische Anziehungskraft auf außereuropäische Bevölkerungen ausüben und unter Umständen sieben Milliarden “Asylsuchende” zur Folge haben kann, ist keine ganz weltfremde Vermutung. Man muß sich eben langfristig entscheiden, ob man am Konzept Sozialstaat festhalten oder Einwanderungsland werden will.

Der real existierende Zuwanderungsdruck spielt leider jenen in die Hände, die ein BG mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Und das sind diejenigen, die jetzt durch Erben oder Steuervermeidung (eher selten durch ‘Leistung’) Priviliegien genießen. Und denen ihr Reichtum gerade deshalb soviel Spaß macht, weil der Kontrast zu denen, denen es weniger gut geht, so groß und offensichtlich ist.

Es sei denn, man ist geduldig und wartet auf die Weltrevolution – dann ließen sich beide Konzepte (Sozialstaat und weltweite Freizügigkeit) umsetzen. Auch das eine Utopie, die aber in 100 Jahren vielleicht gar nicht mehr ganz so utopisch anmuten wird.

Konsumsteuer und Negative Einkommensteuer

Der Irrtum von Werner ist nun, dass er mit der Mehrwertsteuer nur den Inlandskonsum besteuert als Konsumsteuer nach "Bestimmungslandprinzip" , also den Export steuerfrei lässt. Die Arbeitnehmer werden also nicht an ihrer exportierten Wertschöpfung beteiligt, im Gegenzug dürfen sie Lohnverzicht durch arbeitsvertragliche Nettolohnanpassungen üben und Importe erheblich teurer bezahlen.
Es ist nicht einzusehen, warum ausländische Kunden mit niedrigeren Preisen und inländische Bürger mit höheren Preisen bedacht werden sollen. Was nützt uns das ?

Anders ist es mit der Negativen Einkommensteuer als Konsumsteuer auf inländische Wertschöpfung. Hier können die Arbeitgeber aus ihrer Wertschöpfungssteuer die Lohnsteuer ihrer Arbeitnehmer finanzieren und als solche an den Fiskus abführen, das ist der Kombilohneffekt. Dabei werden weder Markt noch Sozialstaat tangiert, es ist nur der Familienausgleich im Einkommensteuertarif :

Familienausgleich = Grundeinkommen * (Familieneinkommen/Prokopfeinkommen - Familienköpfe)

Ein Single mit 5000 Euro oder 2,5 Prokopfeinkommen gibt an eine 4köpfige Familie mit demselben Einkommen 1,5 Grundeinkommen bzw. 1500 Euro ab.
Der Single hat 3500 Euro Netto, die Familie 6500 Euro Netto, der Wohlstand über Grundeinkommen ist dann bei beiden 2500 Euro, statt gleicher Lohn für gleiche Arbeit also gleicher Wohlstand für gleiche Arbeit !

Epikie

es macht keinen Sinn, über ein bGE über mehr als 1000 Euro zu spekulieren, es ist bei 2 Billionen Volkseinkommen nicht mehr drin. Mehr als einen (Grenz)Steuersatz von 50 % lässt die Eigentumsgarantie des Art. 14 GG nicht zu (Halbteilungsgrundsatz). Und das ergibt nun mal gerade 1000 Euro. Eine Erhöhung über andere Steuern zur Einkommensteuer bringt nur Inflation und keine zusätzliche Kaufkraft mehr. Das Grundeinkommen ist immer durch die Höhe des Prokopfeinkommens begrenzt.

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"Einwohnerzahl * Grundeinkommen = Grenzsteuersatz * Volkseinkommen"

Das sagt nichts über die echte Finanzierbarkeit aus, da die Besteuerung des Volkseinkommens nicht folgenlos ist sondern direkten Einfluss auf die Wirtschaftskraft und damit die Höhe des Volkseinkommens hat.
Es fehlen hier auch externe Effekte, es fehlt Inflation, die Kosten der Steuererhebung, Beeinflussung verschiedenster Märkte usw..

"ist zugleich eine Konsumsteuer für in- und ausländische Kunden, also auch für Export, nach "Ursprungslandprinzip"."
Schönes Beispiel. Ausländische Kunden müssen diese aber nicht zahlen. Sie können auch einfach den Lieferanten wechseln. Damit sinkt das Volkseinkommen und damit müsste das Grundeinkommen sinken, was aber gar nicht vorgesehen ist.

Genau das ist der innere Widerspruch, an dem das BG scheitert:

"Natuerlich steht es dem Baecker offen, auch weiterhin fruehmorgens aufzustehen um Brot zu backen. Er muss allerdings nicht. Das BG gibt ihm die Moeglichkeit einfach im Bett liegen zu bleiben und auszuschlafen."

Der Bäcker kann ausschalfen so viel er mag und trotzdem bekommt er staatlich garantiert, dass er wie jeder Andere jeden Tag seine Brötchen auf dem Frühstücksteller hat...

„Die sollen arbeiten gehen“

„Die sollen arbeiten gehen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten!!“

Das kann man so sehen. Das Problem, auf dem die Attraktivität der Idee „Grundeinkommen“ basiert, ist jedoch ein anderes: Menschen, die sich davon angesprochen fühlen, haben wahrscheinlich nicht mehr die Erwartung, einen Arbeitsplatz zu finden, mit dem sie ihren Lebensunterhalt auch tatsächlich bestreiten können.

Falscher Ansatz

Alle Handwerker, lassen wir mal indus. Kundendienst beisieite, arbeiten doch eher, weil sie von der Qualität ihres Produkts überzeugt sind und es verkaufen wollen, weil sie dafür eine Nachfrage geschaffen haben.

Dem Bäcker, Schuster, Fleischer, Maurer, Schreiner Zimmermann, etc. ist es doch völlig egal wann seine Kuinden austehen, solange sie seine Produkte kaufen.
Wenn man morgens um x Uhr Brot und Brötchen haben will, dann werden die angeboten, wenn y Uhr reicht, dann werden sie dann angeboten.
Ähnlich sieht es dann mit den Arbeitsbeginn aus wenn der Bäcker erst um y Uhr auf machen muss, dann reicht es wenn er um um y - AZ anfängt.

Den Bäcker als Händler unteressuiert dich nicht wo der Kunde sein Geld her hat, solange der seine Waren kauft, etc.

Gerade personalintensive Berufe werden eher aufblühen.
Das sieht man doch auch zum Beispiel an den "Integrationsunternehmen",
das sind hauptsächlich Betriebe in der Dienstleistung und in der Hotelerie, Gastronomie.

Die Sachen sind auf dem "freien Arbeitsmarkt" relativ teuer, werden aber aber im Bereich SGB IX subv. und die Betreiber verdienen sicher nicht schlecht, solange sie keine massiven Fehler machen.

Arbeit

Im Zuge der Einführung eines BGE müssten auch die heute geltenden Arbeitsbedingungen und Systeme ... Arbeitszeiten etc. neu definiert und geändert werden. Kürzere Arbeitszeiten, die notwendige Arbeit auf mehr Personen verteilt, ...

Die Produktionsgesellschaft gelangt immer mehr an ihr Ende, da die Resourcen nicht endlos sind, wird ein neuer Umgang mit der Erde unerlässlich. Viele Menschen haben das längst begriffen und sind durch das derzeitige System gezwungen am Raubbau mitzuschuften.
Ich nutze ein fünf Jahres altes Handy, welches ich gebraucht übernommen habe und das wunderbar funktioniert und sogar Fotos macht. Brauche ich umbedingt jedes Jahr ein Neues? Auf Kosten der Umwelt ... in die der Schrott gemüllt wird

Stellen Sie sich einfach mal vor, die 27 Millionen Arbeitslosen derzeit in Europa würden alle Jobs finden und produzieren ... von der überflüssigen Vorschrift und dem auszufüllenden Formular bis zum Drittauto und zur zwanzigsten Sorte Kartoffelchips in Plastiktüten. Wie lange denken Sie, dauert es bis die Erde kahlgefressen und zugemüllt ist?

Das BGE ist eine Form um wieder zu einem menschengerechten Lebenstakt zu kommen. Das Maß zwischen Arbeitszeit und Freizeit neu zu formulieren. Ist das abzulehnen?

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"Kürzere Arbeitszeiten, die notwendige Arbeit auf mehr Personen verteilt"

Und woher nimmt man dieses "mehr" an hochqualifizierten und motivierten Personen?

Und was ist mi echten Drecksarbeiten wie Müllmann, Bergleute etc.. Starke körperliche Belastung ,schlechte Bezahlung, hohes Risiko. Wer macht dann solche Arbeiten und falls man entsprechend die Löhne erhöht um attraktiver zu werden, wer bezahlt das?

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"Arbeitkräfte
gibt es sehr viele, arbeitswillige und auch sehr gut ausgebildete."

Gut ausgebildet bedeutet, das man die Ausbildung auch zum Arbeitsplatz passt, man die richtige Sprache spricht etc..

"Ebenso gibt es viele ungelernte Hilfskräfte."

Und wer bildet die aus?

"Der Fachkräftemangel ist ein Propaganda-Produkt "
Lesen sie bitte die vorhergehnden Kommentare. Dann verstehen sie auc hdas meine Ausführungen nichts mit dem "Fachkräftemangel" zu tun haben.
"Die sich ständig bemühen und doch ausgeschlossen werden."
Einzelfälle haben nur wenig Aussagekraft wenn es um Volkswirtschaften geht.

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"Am besten der Unternehmer der "händeringend" nach Facharbeitern sucht."

Der Unternehmer denkt aber betriebswirtschaftlich. Falls sie ihn nicht dazu zwingen Hilfskräfte zu Spezialisten auszubilden, wird der das nicht machen. Absolventen sind nämlich günstiger und bringen auch mehr Profit und auch in Ausbildungsberufen sind frische Lehrlinge von der SChule sinnvollerr als ungelernte Hilfskräfte vom zweiten Arbeitsmarkt.

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"Wieviel einer Altenpflegerin bezahlt wird richtet sich nunmal nicht danach wieviel der deutsche Staat für Aufklärungsdrohnen ausgibt."

Wieso eigentlich nicht?"

Weil das eine mit der staatlichen Aufgabe zu tun hat für ausreichend Verteidigung zu sorgen und das andere mit der privaten Aufgabe Menschen zu pflegen die das benötigen.
Da das allein auf privater Basis nicht gut funktioniert greift der Staat natürlich hier und da ein. Es gehört aber keineswegs zu seinen Aufgaben.

"Denn dann würde man den Wert am Bedarf messen"

Das tut man auch jetzt schon. Das der Wert bei Aufklärungsdrohnen ihnen nicht einleuchtet ist eine andere Frage.

"Niemand braucht Aufklärungsdrohnen."
Das ist ihre persönliche Meinung und nicht mehr oder sind sie ein Experte für Militärtechnik?

"aber tatsächlich weder iPads, Lebensmittelspekulanten, Derivate, McKinsey und McDonalds."
Sie brauchen das vielleicht alles nicht. Wie kommen sie darauf das ihre Meinung allgemeingültig ist?

"Bankenrettungen, Drohnen, Fußball (endlose Ausgaben in Billionenhöhe), oder gut bezahltes Pflegepersonal?"
All das ist mir wichtig und noch vieles mehr und für jedes habe ich eine andere Priorität und jeder andere Mensch hat wieder andere Prioritäten.
Sie alle in einen topf zu werfen, wie sie es tun, muss daher scheitern.

Antwort Teil 1

"Weil das eine mit der staatlichen Aufgabe zu tun hat für ausreichend Verteidigung zu sorgen und das andere mit der privaten Aufgabe Menschen zu pflegen die das benötigen."

Es ist aber sehr wohl Aufgabe eines Staates, der nach dem Prinzip der Solidargemeinschaft handelt, für Strukturen zu sorgen, die es erlauben, dass das Private nicht auf Kosten der Allgemeinheit und zum Nutzen der privaten Unternehmer/Gesellschaften einbricht. Genau das passiert aber derzeit, und wird im Namen der "Privatisierung" sogar noch gefördert. Der Verlierer sind vornehmlich Bedürftigen - und das sind wir früher oder später alle.

"Das ist ihre persönliche Meinung und nicht mehr oder sind sie ein Experte für Militärtechnik?"

Ich würde vorschlagen, wir einigen uns darauf, dass die sogenannte "Experten-Kultur" (dazu gehören vor allem die sogenannten Wirtschaftswissenschaftler) nichts dazu beiträgt, diejenigen Probleme zu lösen, von denen wir gerade sprechen. Im Gegenteil: Gerade die selbeterklärten Experten haben uns die Supper allererst eingebrockt. Fragen Sie doch mal einen "Experten" vom BND, warum es eigentlich so wichtig ist, das Privatleben von Millionen Menschen ohne Anfangsverdacht auszuschnüffeln. Sie bekommen sicher eine fantastische Antwort! Genauso fantastisch ist wohl die Antwort der "Rüstungsexperten" zum Thema Drohnen: fantastisch tendenziös.

....................(1)...........

"Ich verstehe Menschen nicht, die ernsthaft argumentieren, dass das, was der Mensch wirklich zum Leben braucht, "zu teuer" ist, aber all das, wofür wir mit vollen Händen (aber leeren Taschen) das Geld nur so aus dem Fenster werfen, absolut notwendig. Erklären Sie es mir, ich habe eine recht passable Auffassungsgabe :-)"

Dazu muss man etwas ausholen. Der Wert den ein Mensch einem Gut gibt, egal ob materiell oder immateriell, richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage ist dabei ein Bedürfniss das der Mensch erfüllen will und das Angebot ist die Möglichkeit es zu erfüllen.
Sobald beide größer als null und kleiner als unendlich sind bildet sich ein Wert.
Beispiel Sauerstoff: Er ist absolut lebensnotwendig, da er aber praktisch unendlich verfügbar ist (nicht knapp) hat er für Menschen keinen Wert. Erst wenn Menschen krankheitsbedingt nicht genügend Sauerstoff aus der Luft aufnehmen können, sind sie bereit dafür zu zahlen und Sauerstoff bekommt einen Wert.

Ob ein Gut lebensnotwendig ist oder nicht hat nur einen einzigen Einfluss auf die Wertermittlung. Es stellt eine Obergrenze dar. Bei Gütern die lebensnotwendig sind kann der Wert praktisch ins unendliche steigen. So würde ein Verdurstender alles für Wasser geben was er hat, da die Alternative der tod ist. Bei einem Auto ist das nicht so. Dieser Effekt tritt aber erst in Extremfällen auf. Wenn diese Extreme nicht vorliegen hat er keinen Einfluss auf den Wert eines Gutes.

Ist es vor diesem Hintergrund aber nicht seltsam,

dass in der zivilisierten Welt (da wo die Gebildeten, die ganz Schlauen leben;-)) diesen absolut lebensnotwendigen Gütern sooo wenig Wertschätzung entgegen gebracht wird, ja diese sogar noch vorsätzlich und rücksichtslos ausgebeutet und verdreckt werden, nur um die anderen, die trivialen, nicht lebensnotwendigen Produkte, Sie nahmen als Beispiel das Auto, zu bauen und zu verkaufen und das im Grunde nur für Geld und mehr und noch mehr Geld?!

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"Zeigen Sie mir einen, auch nur einen einzigen Menschen, der ein iPad und McDonalds tatsächlich braucht."
Es gibt mehr Bedürfnisse als nur Lebensnotwendige. Zeigen sie mir einen Menschen der Musik zum Überleben braucht oder andere Kunst oder Sport.

". Ich glaube Ihnen nicht, dass Sie das für eine legitime Entwicklung halten, der Sie den Vorrang gegenüber Nachhaltigkeit und Verteilungsgerechtigkeit einräumen. "

Das tue ich auch nicht. Ich bin nur nicht so extrem wie sie das eine zu verteufeln und das andere zu vergöttern. Und ich sehe ein paar grundlegende Gesetzmäßigkeiten die sich nicht ändern lassen. Zum Beispiel die oben beschriebenen Angebot und NAchfrage um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Und das es mehr Bedürfnisse gibt als das Lebensnotwendige. oder das Menschen Egoisten sind, was durchaus Familie und kleine Gruppen einschließen kann.

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" Ist es vor diesem Hintergrund aber nicht seltsam,

dass in der zivilisierten Welt [...] diesen absolut lebensnotwendigen Gütern sooo wenig Wertschätzung entgegen gebracht wird,"

Nein, da der Wert oder die Wertschätzung sich nach Angebot und Nachfrage richtet. Und wenn das Angebot entsprechend groß ist, ist der Wert entsprechend klein, unabhängig davon ob es lebensnotwendig ist oder nicht.

"und das im Grunde nur für Geld und mehr und noch mehr Geld?!"
Nicht für Geld, sondern für Bedürfnissbefriedigung. Geld ist da auch nur ein Mittel zum Zweck.

Angebot & Nachfrage relativieren als den Wert lebensnotwendiger

Güter und erlauben daher den nicht nachhaltigen Umgang mit diesen?

Hmmmm, mal sehen (na ja, ich werd's wohl nicht mehr erleben müssen) wie es sein wird, wenn tatsächlich der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet, und der letzte Fisch gefangen wurde und die, ansonsten in ihren trivialen Bedürfnissen Befriedigten, erkennen werden, dass man weder Geld, noch den Tand den man dafür kaufen kann/konnte, essen oder trinken kann!

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"Güter und erlauben daher den nicht nachhaltigen Umgang mit diesen?"
Natürlich. Bis dieser verschwenderische Raubbau beginnt das Angebot zu verknappen und schon steigt der Wert und man beginnt damit den Raubbau zurückzufahren. Die ganze Umweltschutzbewegung, Recycling usw. beruht darauf.

"ie es sein wird, wenn tatsächlich der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet"
Das werden sie nicht erleben da es nicht passieren wird.

Volkswirtschaftlich denken !

tobmat,
wir reden bei Grundeinkommen nicht über Betriebswirtschaft, sondern über Volkswirtschaft. Über diesen Unterschied sollten Sie sich mal schlau machen.

http://www.flickr.com/pho...

Die obere Grafik zeigt die Schere zwischen Arbeit und Gewinn, die Negative Income Family Tax 0,5 * Einkommen - Familienköpfe * Grundeinkommen schließt diese Schere für den GG-gebotenen Familienausgleich und verbreitert das Umsatzpotential für die Wirtschaft. Denn auf die Einkommensbezieher, auf die die untere Hälfte des Volkseinkommens fällt, teilen sich dann 3/4-tel des Volkseinkommens, also genau die Leute, die noch nicht alles haben.

Re: "Der DGB Vorsitzende Sommer.... (II)

Sollte irgendwann nicht genug Leistungsfähigkeit zur Verfügung stehen, um das BGE zu zahlen, dann bleibt dem Staat nur die Abschaffung des Systems oder das Drucken von Geld. Letzteres ist gemeinhin als Inflation bekannt. Wollen wir uns diesem Risiko aussetzen? Ein Sozialsystem braucht eine Kontrolle und Regulierung. Daran führt kein Weg vorbei.

In Ihrer Rechnung fehlt

die Leistung, die durch Maschinen (im weiten Sinne) oder in letzter Konsequenz durch Ausnutzung natürlicher Ressourcen erbracht wird und einen gewaltigen Teil der Arbeitsleistung ausmacht. Dadurch verschiebt sich das Modell des Verhältnisses zwischen Geld und menschlicher Arbeitsleistung.

Die Erzeugnisse jener Leistung gleichmäßig unter den Menschen aufzuteilen, statt sie nur an wenige "Eliten" zu verteilen, wie es heute der Fall ist, ist der Grundgedanke des Grundeinkommens.