GrundeinkommenStaatlicher Goldregen

Bedingungsloses Grundeinkommen für jeden – eine alte Idee findet auch in Deutschland wieder Anhänger. Was ist davon zu halten? von Cordula Eubel

Es ist eine Idee, an der sich die Geister scheiden: Das bedingungslose Grundeinkommen führt zu einer gerechteren und freieren Gesellschaft, sagen die einen. Es macht faul, sagen die anderen. Seit etwa 30 Jahren wird in Deutschland regelmäßig darüber debattiert, ob die revolutionäre Idee eines Tages Wirklichkeit werden sollte.

Welche Wirkungen hätte das Grundeinkommen?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den deutschen Sozialstaat komplett verändern. Die Idee ist, dass jeder Bürger vom Staat ein Einkommen gezahlt bekommt, mit dem er mindestens seine Existenz bestreiten kann. Und zwar unabhängig davon, ob er eine bezahlte Arbeit oder Vermögen hat, ob er arbeitslos ist oder Chef eines Dax-Konzerns. Bedingslos heißt dieses Einkommen, weil keine Gegenleistung erwartet wird. Niemand soll gezwungen werden können, eine Arbeit anzunehmen.

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Wer unterstützt die Idee in Deutschland?

Die Befürworter eines Grundeinkommens gehören ganz unterschiedlichen Lagern an. Die Allianz der Unterstützer reicht vom Gründer der Drogeriemarktkette DM, Götz Werner, bis zum Sozialwissenschaftler und grünen Vordenker Michael Opielka, von der Chefin der Linkspartei, Katja Kipping, bis zum ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus, von den Globalisierungskritikern von Attac bis zur katholischen Arbeitnehmerbewegung.

Woher kommt die Idee?

Die Grundidee ist mehrere Hundert Jahre alt: So stellte Thomas Morus in seinem Roman Utopia im Jahr 1516 die Forderung nach einem Lebensunterhalt für alle auf. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich diese Vorstellung. Der britischen Autor Thomas Spence beispielsweise wollte mit einem Grundeinkommen, finanziert durch die Vergesellschaftung und Verpachtung von Grundbesitz, die Armut vieler Menschen beseitigen.

In der jüngeren Vergangenheit erfährt diese Idee auch in Deutschland wieder mehr Zuspruch – allerdings nicht nur als Mittel zur Bekämpfung von Armut. In den achtziger und neunziger Jahren erschien das Ideal der Vollbeschäftigung immer stärker als Utopie. Zunehmende Rationalisierung und Automatisierung in den Unternehmen führten zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, unabhängig von der Konjunktur. Der Sozialstaat, der sich in erster Linie nach dem lebenslangen Normalarbeitsverhältnis und traditionellen Familienformen richtet, passte immer weniger zur Realität. Warum dann nicht gleich ein Einkommen für jeden einführen, das völlig von der Erwerbsarbeit losgelöst ist?

Warum ist sie jetzt wieder aktuell?

Befördert wurde die Debatte zweifellos auch durch Gerhard Schröders Sozialreformen. Mit Hartz IV prägte der damalige SPD-Kanzler ein neues Leitbild vom aktivierenden Sozialstaat, der mehr Eigenleistung vom Einzelnen abfordert – und Verweigerung mit Sanktionen bestraft. Hartz IV sei "offener Strafvollzug", schimpft der Unternehmer und DM-Gründer Werner. Von einem bedingungslosen Grundeinkommen verspricht er sich, dass auch Unternehmer künftig anders mit ihren Mitarbeitern umgehen. Arbeit, die heute sehr schlecht bezahlt werde, aber für die Gesellschaft notwendig sei, werde dann auch besser bezahlt oder attraktiver gestaltet werden, argumentiert er.

Welche weiteren Vorteile verspricht man sich davon?

Die Linken-Vorsitzende Kipping erhofft sich, dass auch andere Arbeit als die klassische Erwerbsarbeit stärker wertgeschätzt werde: etwa die unentgeltlich geleistete Erziehungs- und Sorgearbeit oder das soziale und das bürgerschaftliche Engagement der Menschen. Auf die Kritik, dass auch Reiche das Grundeinkommen erhalten sollen, entgegnet Kipping, dass bei Bedürftigkeitsprüfungen gerade die Ärmsten der Armen ihren Anspruch nicht einlösen. Außerdem sollten Reiche bei der Finanzierung des Grundeinkommens auch stärker zur Kasse gebeten werden.

Leserkommentare
    • HeidiS
    • 22. Juli 2013 11:50 Uhr

    innerhalb der EU - also auch in D - würde der Zustrom aus wirklich armen Staaten überhandnehmen. Die alleinige Finanzierung des BGE durch die Mehrwertsteuer würde den Einkaufstourismus in die angrenzenden Staaten fördern. All dies hat sicher ein Götz Werner noch nicht bedacht, als er die Idee in die Welt setzte. Wem es gelingt, die Idee weiterzuentwickeln, indem er die genannten Fallstricke beiseite räumen kann, dem zolle ich meine Hochachtung. Alle bürokratischen Monster, die zahlreichen Behörden, die für jede Situation Geld verteilen, sollten der Vergangenheit angehören - wären da nicht ein paar Probleme vorher zu lösen ...

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    • gkh
    • 22. Juli 2013 12:00 Uhr

    Meiner Ansicht nach hat das BGE erst dan wirklich eine Chance,wenn zuvor Transpaez geschaffen wurde in Bezug auf wer wieviel vom Staat erhält im Verhältnis zu dem, was er beiträgt.

    Das könnteerreicht werden durch ein Bürgerkonto, in das die eingezahlten Steuern gutgeschrieben und das ausgezahlte Grundeikommen abgezogen wird. Auch andere Leistungen des Staates wie Bildung, Kinderbetreuung und Subventionen könnte man diesem Konto belasten. Das Bürgerkonto gäbe dann Auskunft darüber, ob jemand Nettozahler oder Nettoempfänger ist. Damit wäre es eine gute Basis dafür, wie sich der Wohlstand verteilt und entwickelt.

    Für Ausländer könnte dann gelten, dass sie keine Nettoempfänger sein dürfen, das BGE also nur insoweit ausgezahlt wird, wie Guthaben auf dem Bürgerkonto vorhanden ist.
    Im Todesfall müsste ein Soll im Bürgerkonto erst durch die Erbmasse ausgeglichen werden, bevor die Erben den Rest bekommen.

    Man müsste eine Anwartschaft einführen, etwa dass nur jene in den Genuss des Grundeinkommens kommen, die bisher mindestens 5-10 Jahre in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren.

    Es wäre doch wirklich extrem praktisch wenn man das Grundeinkommen einführen würde. Meine Stimme hätte das Grundeinkommen!

    • Sabrot
    • 22. Juli 2013 12:30 Uhr

    In der Tat,- entweder führt jedes EU-Land das "Bürgergeld" ein,- oder keines!

    wäre auch aus der EU auszutreten. Nicht unbedingt ideal, aber bestimmt gäbe es auch dafür Anhänger.

    noch besser auf globaler Ebene - MUSS her. Sonst macht es keinen Sinn. DANN aber macht es Sinn. Und - ja - ich denke auch: es WIRD kommen.

    Denn alle anderen System funktionnieren auf Dauer einfach nicht.
    Es wird ungeahnte Kräfte bei allen Menschen frei setzen. Und ganz viele dringliche Probleme in relativ kurzer Zeit LÖSEN.

    So war das immer mit neuen Ideen: Da mußten zuerst die ganzen “Ja, aber”s und “Das geht doch nicht, weil”s und “Hat man denn gar nicht bedacht, daß”s weggeräumt werden. Das sind aber keine Grundsatzfragen, sondern Detailfragen, die sich lösen lassen (“Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg”) und sich eindeutig auf einer zweitrangigen Hierarchiestufe bewegen.

    Allerdings war das auch mein Gedanke: Wenn man das BG in Deutschland oder Europa einführt, müßte man zunächst die westliche Hybris, die Welt retten zu müssen, ablegen. Daß ein BG zwangsläufig eine magische Anziehungskraft auf außereuropäische Bevölkerungen ausüben und unter Umständen sieben Milliarden “Asylsuchende” zur Folge haben kann, ist keine ganz weltfremde Vermutung. Man muß sich eben langfristig entscheiden, ob man am Konzept Sozialstaat festhalten oder Einwanderungsland werden will.

    Der real existierende Zuwanderungsdruck spielt leider jenen in die Hände, die ein BG mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Und das sind diejenigen, die jetzt durch Erben oder Steuervermeidung (eher selten durch ‘Leistung’) Priviliegien genießen. Und denen ihr Reichtum gerade deshalb soviel Spaß macht, weil der Kontrast zu denen, denen es weniger gut geht, so groß und offensichtlich ist.

    Es sei denn, man ist geduldig und wartet auf die Weltrevolution – dann ließen sich beide Konzepte (Sozialstaat und weltweite Freizügigkeit) umsetzen. Auch das eine Utopie, die aber in 100 Jahren vielleicht gar nicht mehr ganz so utopisch anmuten wird.

    Heidi S,
    zu Götz Werner möchte ich Sie auf folgendes Video von Prof. Kirchhof http://www.youtube.com/wa...
    aufmerksam machen:
    „Ich unterscheide mich von Herrn Werner (Gründer DM-Drogeriemarkt-Kette) grundlegend, wenn er es über die Umsatzsteuer finanzieren will. Er will es nur über die Umsatzsteuer. Da brauchten wir einen Umsatzsteuersatz von mindestens 50 Prozent, das erscheint mir irreal. Aber vor allem ungerecht. Denn dann würden diejenigen, die ihr Einkommen mehren, indem sie ihr Vermögen mehren indem sie Einkommen erzielen, an der Finanzierung dieses Systems gar nicht beteiligt sein.
    Das erscheint mir ein Einbruch, der ist unvertretbar, aber da ist Herr Werner nach intensiver Diskussion einlenkungsbereit. Er schweigt jetzt über die Frage, aus welcher Steuer wir es finanzieren.“

    Seit Lady Juliet Rhys-Williams 1942 ist Grundeinkommen immer finanziert :

    Einwohnerzahl * Grundeinkommen = Grenzsteuersatz * Volkseinkommen

    Das ist eine Nullsumme und kostet volkswirtschaftlich gar nichts. Volkseinkommen ist die inländische Nettowertschöpfung nach Abzug der Mehrwertsteuer und der Abschreibungen ("Nettoprinzip").
    Die Einkommensteuer als einheitliche inländische Wertschöpfungssteuer für alle Einkommen ist zugleich eine Konsumsteuer für in- und ausländische Kunden, also auch für Export, nach "Ursprungslandprinzip".
    So weit wären Werner und Friedman also äquivalent.

  1. Das Bedingungslose Grundeinkommen wird und muss kommen.
    Der starke, solidarische Staat muss auch soziale Aussenseiter und Mitglieder der Gesellschaft unterstuetzen, die alternative Lebensentwuerfe verfolgen. Nicht jeder Mensch ist dazu bestimmt, einer geregelten Arbeit nachzugehen sondern sich einer eher kontemplativen Bestimmung hingezogen fuehlt.
    Auch diese Menschen koennen fuer die Gesamtgesellschaft eminent wichtig sein, auch wenn sie eher ideaell denn matereriel zum Gemeinwesen beisteuern. Alle Menschen, egal ob Leistungstraeger oder nicht, muessen grosszuegig finanziell vom Gesamtstaat unterstuetzt werden!

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    • ZPH
    • 22. Juli 2013 12:10 Uhr

    Aber Menschen, die sich einer eher "kontemplativen Bestimmung" hingezogen fuehlen sollten natürlich in Form des BGG Geld bekommen, damit sie den Bäcker, Müllmann, Busfahrer usw. lustig für sich arbeiten lassen können, während sie selber ihrer "kontemplativen Bestimmung" nachgehen.

    • outis
    • 22. Juli 2013 12:12 Uhr

    bin ich gar nicht abgeneigt. Wenn man es richtig anpackt, könnte viel an Bürokratie eingespart werden, die Lebenszeit und Lebensqualität vernichtet. Man bräuchte dazu allerdings das Gegenteil eines starken Staates. Was Sie da anreißen wird die Bürger letztlich zu Kostgeldempfängern eines allumfassenden Staates machen. Sie streben sicher eine Befreiung des Individuums an, werden aber das genaue Gegenteil erreichen. Selbst wenn es gelänge, gäbe es immer noch das Gerechtigkeitsproblem:
    eine Klasse von aristokratischen Spaziergängern, die den Erwerbspöbel für sich arbeiten lassen.
    Der bessere Weg zu unabhängigen, freien Bürgern sind angemessene Gehälter und ein Staat, der den Bürgern einen Großteil davon lässt und sie vor den Eingriffen Anderer in ihre Privatautonomie schützt. Wer auch von einer "halben Stelle" netto gut leben kann, hat immer noch viel Zeit für kontemplative Spaziergänge.

    " Nicht jeder Mensch ist dazu bestimmt, einer geregelten Arbeit nachzugehen sondern sich einer eher kontemplativen Bestimmung hingezogen fuehlt."

    Ich !!!

    :-)

    "Nicht jeder Mensch ist dazu bestimmt, einer geregelten Arbeit nachzugehen sondern sich einer eher kontemplativen Bestimmung hingezogen fuehlt."

    Das ist nur eine blumige Beschreibung von Faulpelzen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit ein schönes Leben machen wollen.

    Genau deswegen ist das Konzept BGE von vornherein zum Scheitern verurteilt. Warum soll meine Tochter diese ganze faule Bande durchfüttern? Die sollen arbeiten gehen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten!!

  2. Sondern viele verschiedene Modelle mit völlig unterschiedlichen anzunehmenden Auswirkungen:
    Die wichtigsten beiden Unterschiede sind wohl die Besteuerungsart (Einkommen vs. Konsum vs. Besitz) und die Höhe.

    Die Götz Werner oder Althaus vorschwebenden Modelle würden einen sozialen Kahlschlag schlimmer als Harz4 bedeuten.
    Die von den Linken vorgeschlagenen Modelle fallen dagegen bei der Finanzierungsmöglichkeit meisst durch.

    2 Leserempfehlungen
  3. hält die Forderung für "gesellschaftspolitisch verheerend" weil Arbeit dann keinen Wert mehr habe."

    Wenn Leiharbeiter für einen Vollzeitjob mit 800,00 Euro " entlohnt" werden, dann hat Arbeit schon jetzt keinen Wert mehr, das ist gesellschaftspolitisch verheerend in meinen Augen.

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    • HeidiS
    • 22. Juli 2013 12:00 Uhr

    zeigt nur, dass er sich Sorgen macht um den Einfluss der Gewerkschaften. Sehr geehrter Herr Sommer: das würde niemandem auffallen, außer dass Ihr Posten in Gefahr wäre. Herr Sommer: Was ist denn heute Arbeit überhaupt noch wert?

    • EPIKIE
    • 22. Juli 2013 13:00 Uhr

    Ein Zuverdienst im Sinne des bGE (siehe Kommentar Nr. 7) von 800,00 € wäre doch 'ganz schick', oder?

    Ich stimme nicht oft mit der Meinung von Herrn Sommer überein, aber in diesem Falle ausnahmsweise schon. Das BGE, bei dem jeder ein Grundeinkommen bekommt, egal ob er bedürftig ist oder nicht, kann zu schwierigen Situationen führen, schlimmstenfalls zu einer Inflation.

    Ich weiß nicht, wieso so viele Menschen ein so seltsames Verständnis von Geld haben. Vermutlich weil die wenigsten es erklärt bekommen haben, sondern es immer nur als gegeben wahrgenommen haben. Geld ist nicht einfach etwas, das man verteilen kann. Geld ist ein Wertaufbewahrungsmittel. Das heißt Geld ist eine Art Scheck, der mit Leistung gedeckt werden muss. Das bedeutet, dass Menschen, die Leistung* erbringen, die Nichtleistung von weniger starken Mitgliedern unserer Gesellschaft kompensieren müssen. Das nennt man auch Sozialsystem. Dagegen ist nichts einzuwenden. Mein Problem ist nur, dass das System im Extremfall nicht funktioniert. Ich bin Informatiker und mag keine Systeme, die in Extremfällen zu einem katastrophalen Versagen führen. Das BGE muss so gestaltet werden, dass wenn weniger Menschen die Nichtleistung oder Wenigerleistung anderer kompensieren, dass alle das sehr schnell zu spüren bekommen. Das System muss selbstregulierend sein und vor allem Anreize zur Arbeit bieten.

    *) Leistung heißt hier nicht zwangsweise etwas Produktives zu tun, sondern auch zum Beispiel einen Weg zu finden, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

    Sollte irgendwann nicht genug Leistungsfähigkeit zur Verfügung stehen, um das BGE zu zahlen, dann bleibt dem Staat nur die Abschaffung des Systems oder das Drucken von Geld. Letzteres ist gemeinhin als Inflation bekannt. Wollen wir uns diesem Risiko aussetzen? Ein Sozialsystem braucht eine Kontrolle und Regulierung. Daran führt kein Weg vorbei.

    • gkh
    • 22. Juli 2013 12:00 Uhr

    Meiner Ansicht nach hat das BGE erst dan wirklich eine Chance,wenn zuvor Transpaez geschaffen wurde in Bezug auf wer wieviel vom Staat erhält im Verhältnis zu dem, was er beiträgt.

    Das könnteerreicht werden durch ein Bürgerkonto, in das die eingezahlten Steuern gutgeschrieben und das ausgezahlte Grundeikommen abgezogen wird. Auch andere Leistungen des Staates wie Bildung, Kinderbetreuung und Subventionen könnte man diesem Konto belasten. Das Bürgerkonto gäbe dann Auskunft darüber, ob jemand Nettozahler oder Nettoempfänger ist. Damit wäre es eine gute Basis dafür, wie sich der Wohlstand verteilt und entwickelt.

    Für Ausländer könnte dann gelten, dass sie keine Nettoempfänger sein dürfen, das BGE also nur insoweit ausgezahlt wird, wie Guthaben auf dem Bürgerkonto vorhanden ist.
    Im Todesfall müsste ein Soll im Bürgerkonto erst durch die Erbmasse ausgeglichen werden, bevor die Erben den Rest bekommen.

    7 Leserempfehlungen
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    • EPIKIE
    • 22. Juli 2013 12:24 Uhr

    Ideen voller Bedingungen

    Der Vorschlag "Bürgerkonto" ist bestimmt eine nette Idee, aber in der Praxis würde man damit ein Bürokratiemonster ohnegleichen erschaffen. Immerhin wäre der Saldo aus der Lebensleistung zu ermitteln wegen Ausgleich aus der Erbmasse nach dem Todesfall. Haben Sie schon mal mit einem Wohlständler gesprochen, der sich Sorgen um seine Erbmasse und die Übertragbarkeit auf Erben befasst hat? Da können Sie echte Nöte erleben.

    Aber die "armen" Steuerberater würden es danken und die Literatur zu diesem Thema um einige Kilometer länger und die Gerichte hätten auch einige weitere Verfahren zu entscheiden.

    Fazit: Für das BGE mögen einige moralische/ethische Erwägungen sprechen; es ist in der Praxis nicht durchführbar.

    • HeidiS
    • 22. Juli 2013 12:00 Uhr

    zeigt nur, dass er sich Sorgen macht um den Einfluss der Gewerkschaften. Sehr geehrter Herr Sommer: das würde niemandem auffallen, außer dass Ihr Posten in Gefahr wäre. Herr Sommer: Was ist denn heute Arbeit überhaupt noch wert?

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  4. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hält die Forderung nach einem Grundeinkommen für "gesellschaftspolitisch verheerend", weil Arbeit dann keinen Wert mehr habe.

    Wenn ich sowas lese, was in die gängige "da hören ja alle auf zu arbeiten" Polemik fällt, bekomme ich Fußpilz. Denken die Leute denn überhaupt nicht über das nach, was sie da kommentieren?

    Allen Modellen von Grundeinkommen ist gemein, daß es alles andere als verboten ist, zusätzlich Einkommen zu generieren. Auch soll ein bedingungsloses Grundeinkommen kein Leben in Saus und Braus ermöglichen, sondern ein "menschenwürdiges" Leben und eine solide Basis für "gesellschaftliche Teilhabe" bieten - nicht mehr und nicht weniger.

    Es wird also für alle wie bisher weiterhin Anreiz geben, zusätzliches Einkommen zu generieren - nur nicht über Zwang, sondern über Lohn.

    Es ist auch gar nicht unbedingt so, daß es keine Arbeit mehr gibt .. zu tun gibt es genug, auch trotz fortschreitender Automatisierung. Es gibt nur kein Geld mehr, weil die Verteilung der Früchte der Wertschöpfung völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

    Ein wirklich bedingungsloses Grundeinkommen käme hier einer Revolution gleich, da mit der modernen Sklaverei in Form von Niedriglohn, Kombilohn und staatlich subventionierten Tagelöhnern von heute auf morgen Schluß wäre. Der Wert von menschlicher Arbeit wäre nicht gleich null, sondern er würde sich fundamental ändern .. in der Folge konsequenterweise auch für "leistungslose Einkommen".

    cui bono?

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    Ich gebe zu, dass Herrn Sommers Aussage missverständlich ist. Ich begreife sie so: Der Chef einer Gewerkschaft befürchtet, dass es weit schwieriger wird, die Anliegen der Gewerkschaftsmitglieder (Arbeitsschutz, Gleichstellung etc.) durchzudrücken, wenn der Verhandlungspunkt der Bezahlung schwammig wird. Man kann das natürlich auch als großes Plus für die Verhandlungen betrachten, denn wenn die Arbeitnehmer nicht mehr grundsätzlich auf ein Gehalt angewiesen sind, ist es leichter zu streiken. Dann kann man allerdings davon ausgehen, dass Arbeitgeber abwandern, weil die Verhandlungslage in Deutschland sich zu ihren Ungunsten entwickelt.

    • EPIKIE
    • 22. Juli 2013 12:37 Uhr

    nichts hinzu zu fügen und einer Redaktionsempfehlung wert.

    Wir haben nämlich schon ein Grundeinkommen: Das ALG II. Nur das es in soweit nicht völlig bedingungslos ist, als die Gesellschaft von denen, die sie freundlicher Weise alimentiert, bis zu einem bestimmten Punkt erwartet, zumindest die Bereitschaft irgendwie auf eigenen Füßen stehen zu wollen zu signalisieren. Wenn das nicht mehr eingefprdert wird und zudem noch ein höherer Lebensstandard als heute garantiert werden soll (wenn ich das bei Ihnen richtig herausgelesen habe), werden die Teile der Bevölkerung, die heute schon den Großteil der Steuereinnahmen generieren netto einfach noch weitaus mehr abgeben müssen, um das zu finanzieren. Das wiederum würde dazu führen, dass immer weniger Leute Lust auf echte Arbeit hätten, die den gesellschaftlichen Wohlstand generiert und immer mehr stattdessen z.B. "irgendwas mit Kindern oder Pferden" machen, ohne dass das freiwillig jemand bezahlen würde. Die Gesellschaft garantiert ja vermeintlich, dass Mittelklasse-Leben für jeden auch ohne die Arbeit, die ohnehin nicht viel zusätzlich bringen kann (s.o.). Dass das schon mittelfrstig nicht funktionieren kann, ist klar. Schließlich wird der Umfang an Waren und Dienstleistungen, der da gesellschaftlich garantiert werden sollen, nicht von den Heinzelmännchen bereitgestellt.

    Es existieren übrigens auch Studien, in denen Leute befragt wurden, ob sie bei Zahlung eines BGE noch arbeiten gehen würden. Die allergrößte Mehrheit antwortete mit "Ja" (offenbar deshalb, weil jeder intuitiv weiß, dass eine als sinnvoll empfundene Beschäftigung, die innerhalb einer Sozialgemeinschaft einen bestimmten Wert besitzt, für ein als gut empfundenes Leben notwendig ist).

    Als dieselben Leute gefragt wurden, ob sie denn auch glauben, ob die ANDEREN das AUCH so sehen, hieß es dann mehrheitlich: "Ich würde natürlich noch arbeiten gehen, aber die anderen? Nein, die anderen sind nämlich bestimmt alle faul." Bezeichnend für das Misstrauen und die Angst in unserer Gesellschaft. Die Mehrheit der Menschen fühlt sich im Zwangskorsett augenscheinlich besser aufgehoben.

    Kontemplation? Faulpelze!

  5. Was für eine wunderschöne Idee! Keine Armut mehr, kein Druck mehr!
    Aber:
    Die Diskussion läuft sicher schon darum eine Weile, weil "Faulheit" eben nicht das einzige Gegenargument ist.
    Nicht aufgelistet wurde z.B. mögliche Inflation, Entbindung der Arbeitgeber von ihren Sozialleistungen - dann wäre ja der Staat für die Grundversorgung zuständig - und mal abgesehen davon werden die heute in ähnlicher Höhe des BGE angesiedelten Sozialleistungen auch dafür benutzt kranken Menschen mit wesentlich höherem finanziellem Bedarf zu helfen. Wo bleiben diese dann? Diese Contra-Argumente sollten beim BGE, wie auch in diesem Artikel berücksichtigt werden!

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    besonders beim Faktor Arbeitgeber. Stellen sie sich mal vor jeder bekommt ein Grundeinkommen und muss sich nicht für einen Apfel und ein Ei unterstützt durch die staatlichen Zuhälter der Argen verhuren. Dann kommen ihre ach so armen AG in Zugzwang, dann bestimmt wirklich der Markt die Preise und man wird mMn einen Antieg bei den Löhnen sehen, denn die meisten AG (auch angestellte Manager) können meist die Arbeit nicht selber machen, die gesamte industrie um Weiterbildung, Consulting etc dürfte arbeitslos werden und würden so ihren wahren Marktwert erkennen.
    Auslagern wird auch nicht klappen, hat man ja schon versucht und 2 von 3 Mittelständlern sind mit einem blauen Auge nach D zurückgekehrt.
    Ein GE würde die Gesellschaft nachhaltig verändern.

    Chribar,
    "Nicht aufgelistet wurde z.B.
    - mögliche Inflation,"
    bei einer Finanzierung durch Familienausgleich als Einkommensteuer entsteht keine Inflation.

    "- Entbindung der Arbeitgeber von ihren Sozialleistungen - dann wäre ja der Staat für die Grundversorgung zuständig - "

    Die Arbeitgeber werden nicht von ihren Sozialleistungen entbunden, sie finanzieren ja mit ihrer Wertschöpfungssteuer und der daraus finanzierten Lohnsteuer das Grundeinkommen.

    "- und mal abgesehen davon werden die heute in ähnlicher Höhe des BGE angesiedelten Sozialleistungen auch dafür benutzt kranken Menschen mit wesentlich höherem finanziellem Bedarf zu helfen. Wo bleiben diese dann?"

    Das hat das BVerfG schon am 9.2.2010 geregelt im Leitsatz 4 seines Urteiles, ein pauschaliertes Existenzminimum kann nicht das individuelle ersetzen, begründeter Mehrbedarf ist auf Antrag zu gewähren. Das schlug übrigens schon 1962 Milton Friedman vor, bei einer negativen Einkommensteuer gibt es nicht nur eine negative Steuerschuld, sondern auch negative Einkommen, auch mit Einkommen 0 kann man Mehrausgaben steuerlich absetzen, die Aufstockung erhöht sich über Grundeinkommen. Das nannte Friedman Zusammenlegung von Einkommensteuer und Sozialleistungen in einem Steuergesetz. So ist die Gleichbehandlung aller sichergestellt.

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