Kurz vor der Einführung des Betreuungsgeldes am 1. August sind bei den Behörden bisher nur wenige Anträge eingegangen. In Bremen gab es bis Ende vergangener Woche nach Angaben des Sozialressorts rund 40 Anträge auf Betreuungsgeld. 9 seien nicht bewilligt worden, da die Kinder zu alt seien. In den kommenden Monaten werde mit rund 2.000 Anträgen gerechnet. In Hannover und Braunschweig lagen bis Freitag elf Anträge vor. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Laut Spiegel ging in Thüringen bislang kein einziger Antrag ein. Mecklenburg-Vorpommern komme auf 44 Anträge. In Rheinland-Pfalz herrsche ebenfalls geringes Interesse an dem von der CSU auch gegen Widerstände in der CDU durchgesetzte Betreuungsgeld. In Bayern seien etwa 500 Anträge eingegangen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hatte zuvor Anlaufschwierigkeiten angekündigt und den großen Bürokratie-Aufwand kritisiert. Bund und Länder hätten sich erst vor 14 Tagen auf gemeinsame Richtlinien der Umsetzung verständigt.

Das bislang verhaltene Interesse am Betreuungsgeld ist nach Einschätzung des Spiegels auch damit zu erklären, dass SPD-geführte Landesministerien nicht für die unliebsame Leistung werben würden. In Rheinland-Pfalz "kann von einem Ansturm keine Rede sein", sagte eine Regierungssprecherin dem Spiegel. "Wir lehnen das Betreuungsgeld nach wie vor ab und tun unsere Pflicht, aber mehr nicht."

Das bayerische Sozialministerium von Christine Haderthauer (CSU), die zu den Befürwortern der Leistung zählt, setzt dagegen auf eine Werbekampagne. 55.000 Haushalte erhielten nach Spiegel-Angaben ein Informationsblatt. Ein Info-Telefon sei eingerichtet worden. Bis Ende voriger Woche hätten 2.755 berechtigte Haushalte fast vollständig ausgefüllte Anträge erhalten. Die Angeschriebenen müssten nur noch drei bis fünf Kreuze machen und unterschreiben, so eine Sprecherin der Behörde.   

Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kritisierte erneut den Familienzuschuss. Das Betreuungsgeld werfe Frauen zurück und halte sie von der Erwerbstätigkeit fern, sagte Steinbrück. Im Falle eines Wahlsieges werde die SPD, den von ihr als "Herdprämie" kritisierten Zuschuss, abschaffen und das Geld in 200.000 zusätzliche Kita-Plätze investieren. 

Das Betreuungsgeld sieht vor, dass Eltern, die für ihre ein- oder zweijährigen Kinder keinen Kita-Platz oder eine staatlich bezahlte Tagesmutter in Anspruch nehmen, ein monatliches Betreuungsgeld von zunächst 100 Euro, später von 150 Euro erhalten.