250 Asylbewerber leben in Schwäbisch Gmünd, einer Stadt im Osten Baden-Württembergs. Neun von ihnen begegnete man seit Montag am Gmünder Bahnhof, in knallroten T-Shirts mit dem Aufdruck "Service", auf dem Kopf einen Strohhut mit rotem Band. In zwei Schichten, einer vormittags und einer nachmittags, sollten sie Bahnreisenden helfen, ihre Koffer zu transportieren – für 1,05 Euro die Stunde.

Seit das bundesweit bekannt wurde, wird Oberbürgermeister Richard Arnold von Presseanfragen und Kritik überschwemmt. Die Facebook-Seite der Stadtverwaltung ist voll erregter Reaktionen von Gmündern und Menschen aus ganz Deutschland. Einige loben die Idee, andere drücken Empörung und Wut über den "klassischen Sklavenstil" der Initiative aus. "Kaum einer macht sich Gedanken was diese Menschen dazu bewegt bei über 30° Grad "freiwillig" diese Arbeit zu verrichten", schreibt einer.  

Nun kündigte die Deutsche Bahn an, am Gmünder Bahnhof selbst Mitarbeiter einzusetzen, die den Fahrgästen beim Gepäcktransport über eine Treppenbrücke Hilfe anbieten sollen. Diese sollen nach den Tarifen der Bahn bezahlt werden, sagte ein Sprecher. Man habe über die konkreten Bedingungen des Projektes nicht Bescheid gewusst, heißt es entschuldigend.

Arnold hatte sich all das ganz anders vorgestellt. Seitdem vor einigen Wochen die Sanierung des Gmünder Bahnhofs begann, liefen regelmäßig Klagen von Fahrgästen über die provisorische Überführung zwischen den Gleisen ein. Arnold reagierte und fragte in der Sammelunterkunft für Asylanten in Gmünd an. Schnell waren einige Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, Afghanistan und Pakistan gefunden, die freiwillig helfen wollten. Ein gelungener Beitrag zur Integration, fand Arnold.

Ungewollte Assoziationen

Auch die Gmünder Tagespost lobte die Aktion am Bahnhof und zeigte Bilder, auf denen Oberbürgermeister Arnold den Helfern Strohhüte als Schutz gegen die gleißende Sonne aufsetzt. Die Asylbewerber lächeln, Arnold lächelt. Dass die Assoziationskette Schwarzer – Kofferträger – Strohhut vorbelastet sein könnte, kam wohl niemanden an diesem freundlichen Kleinstadtnachmittag in den Sinn.   

Kurz darauf aber breitete sich die Empörung in sozialen Netzen aus. So stark, dass die Lokalzeitung noch am selben Abend einen Kommentar des Stadtsprechers Markus Herrmann veröffentlichte, übertitelt mit: "Die Kritik ist unberechtigt." 

"Wenn man einige der Fotos sieht, kann man schon irritiert sein", räumt Herrmann ein. Doch auch wenn er die Kritik am neokolonialen Gestus nachvollziehen könne, die die Bilder bei manch einem hervorufen: "Zu der Aktion stehen wir trotzdem." Im Alltag, sagt der Stadtsprecher, wirke das alles ganz anders als auf den Pressefotos. Selbst der örtliche Arbeitskreis Asyl habe das Projekt mitgetragen. Die Hüte? Ein Sonnenschutz.