Sahra Wagenknecht"Der neue Sozialismus muss ein anderer sein"

Der Kapitalismus wird verschwinden, sagt die stellvertretende Linken-Chefin Sahra Wagenknecht im Interview. Er halte sich nur, weil viele keine Alternative sehen. von 

Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht

Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht  |  © Tobias Schwarz /Reuters

ZEIT ONLINE: Haben Sie die Hoffnung schon aufgegeben, dass der Kapitalismus als System verschwindet?

Wagenknecht: Nein, auf keinen Fall – das ist Teil meiner Motivation. Ich halte es für ausgeschlossen, dass der Kapitalismus das Ende der Geschichte ist. Wir erleben zurzeit in Europa besonders drastisch wie die aktuelle Krise den Wohlstand verringert, selbst in Deutschland erwartet kaum noch einer, dass es seinen Kindern und Enkeln einmal besser gehen wird. Das ist ein doch ein Beleg für das Versagen der aktuellen Wirtschaftsordnung.

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ZEIT ONLINE: Warum hält sie sich dann?

Wagenknecht: Weil viele keine Alternative zu ihr sehen. Aber das beginnt sich langsam zu ändern. Hätten wir in den neunziger Jahren darüber gesprochen, hätten sicher die meisten gesagt, dass dem Kapitalismus die Zukunft gehört. Heute ist Kapitalismuskritik längst keine Außenseiterposition mehr.

ZEIT ONLINE: Der Sozialismus ist schon einmal gescheitert…

Wagenknecht: …aber das ist überhaupt kein Beleg dafür, dass der Kapitalismus die Lösung ist. Es ist nur ein Beleg dafür, dass Sozialismus etwas anderes sein muss als das frühere System in Osteuropa. Damals war die Idee, die Marktmechanismen ganz aufzuheben und durch eine zentrale Planung zu ersetzen. Die parlamentarische Demokratie wurde durch ein sehr restriktives staatliches System abgelöst. Diese Konzepte sind gescheitert.

ZEIT ONLINE: Also doch eine Marktwirtschaft?

Wagenknecht: Nicht die Märkte sind das Problem, sondern das private Eigentum an großen Unternehmen, das gesellschaftliche Macht und die leistungslose Aneignung der Arbeitsergebnisse anderer ermöglicht. Die Märkte müssen allerdings begrenzt werden auf die Bereiche, in denen sie funktionieren können.

Sahra Wagenknecht

Vizevorsitzende der Linken: "Emanzipieren Sie sich von der Wall Street; der Finanzmafia müssen endlich Grenzen gesetzt, ihre Geschäfte reguliert werden."

ZEIT ONLINE: Welche Bereiche sind das?

Wagenknecht: Alle, in denen es echten Leistungswettbewerb gibt und man sich nur dank besserer Ideen und höherer Qualität einen Vorteil verschaffen kann. Wenn viele Unternehmen auf einem Markt miteinander konkurrieren, dann müssen sie versuchen, besser und produktiver zu sein als der Konkurrent. Das ist eine Triebfeder für technologische Innovation. Auch bei den kommerziellen Konsumgütern ist Wettbewerb wichtig, damit das produziert wird, was die Leute kaufen wollen. Man muss natürlich schauen, dass es funktioniert. Wenn es im deutschen Lebensmitteleinzelhandel fünf große Konzerne gibt, die den Markt beherrschen und Zulieferern wie Kunden die Preise diktieren, hat das nichts mehr mit Markt zu tun. Märkte funktionieren nur dort, wo die Unternehmen nicht zu groß werden.

ZEIT ONLINE: Technologie, Einzelhandel – überall sonst sind Märkte sinnlos?

Wagenknecht: Märkte sind in vielen Bereichen sinnvoll, aber wir müssen begreifen, wann sie funktionieren. Ein negatives Beispiel ist die Energiewirtschaft. Dass es eine verrückte Idee war, die Energiewende marktkonform zu organisieren, zeigt sich jetzt. Hier wäre eine organisierte Gestaltung dringend notwendig, wenn die aktuelle Abzocke der Haushalte gestoppt werden soll. Auch im Gesundheitsbereich: Dass Krankenhäuser privatisiert werden und am Ende 20 Prozent Rendite generieren sollen, ist einfach absurd und gegen jeden humanen Anspruch. Kranke sind doch keine "Kunden", die man danach bewerten kann, ob sie viel oder wenig Geld mitbringen und ob ihre Behandlung sich rentiert. Das gleiche gilt für Schüler, deshalb ist Privatisierung auch in der Bildung völlig fehl am Platz. Und an die segensreiche Wirkung von Finanzmärkten glaubt hoffentlich heute kaum noch einer.

ZEIT ONLINE: Sie wollen ein System, das Sie einen kreativen Sozialismus nennen. Wie genau soll das aussehen?

Wagenknecht: Kreativität muss sich lohnen. Wer eine gute Idee hat, etwas erfunden hat oder ein neues Unternehmen gründen will, der muss dabei unterstützt werden. Wer hilfsbedürftig ist, dem muss ein menschenwürdiger Standard garantiert werden. Aber niemand sollte mehr die Möglichkeit haben, von der Arbeit anderer zu leben, weil er reiche Eltern hatte und ein Riesenvermögen in die Wiege gelegt bekommen hat.

Leserkommentare
  1. "Wir erleben zurzeit in Europa besonders drastisch wie die aktuelle Krise den Wohlstand verringert, selbst in Deutschland erwartet kaum noch einer, dass es seinen Kindern und Enkeln einmal besser gehen wird."

    Das, liebe Frau Wagenknecht, liegt daran, dass es uns inzwischen so gut geht, dass besser kaum noch geht. Ich wäre zufrieden, wenn es meine Kinder mal genauso gut geht, wie es mir geht. Das ist mein heutiger Antrieb, wenn es um meine Kinder geht. Denn mehr als ein Steak pro Tag brauchen auch sie nicht essen.

    Ansonsten "freue" ich mich auf das folgende Kapitalismus-Bashing, was wohl nicht lange auf sich warten lässt.

    25 Leserempfehlungen
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    Es freut mich für Sie, dass Sie einen Lebensstandard haben, der so hoch ist, dass Sie sich einen solchen für Ihre Kinder wünschen.
    Soll dies aber kein egoistischer und asozialer Standpunkt sein, haben Sie schlicht zur Kenntnis zu nehmen, dass es in diesem Land viele Millionen von Menschen gibt, die einen deutlich niedrigeren Lebensstandard haben und sie von da aus gesehen wünschen, dass es ihren Kindern mal besser geht.

    • ohopp
    • 22. Juli 2013 11:28 Uhr

    ist x-fach produktiver als die Vergangene. Und wenn Sie zufrieden sind, dass Ihre Kinder davon einen immer kleineren Anteil erhalten sollen, chapeau, die oberen 1% freuen sich über solche Grundeinstellungen.

    Sie haben m.E. völlig Recht, dass wir im Schnitt einen hohen materiellen Lebensstandard geniessen. Aber erstens gilt das nicht für alle und zweitens ist der materielle Aspekt nur eine Komponente der Lebensqualität. Wir müssten dringend die Frage stellen, wie wir eigentlich leben wollen, wie viel materielle Güter wir möchten, was wir bereit sind dafür zu opfern und ob dies auch gegenüber anderen vertretbar ist - dazu müssten aber alle Aspekte des Systems offen diskutiert werden, stattdessen hört man von politischer Seite immer nur die systemkonformen Schlagworte Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Hinterfragen? Fehlanzeige!

    Was Ihre Kinder anbelangt: sie werden dazu angehalten sein ihr gesamtes Leben an Markterfordernissen auszurichten. Sie sollen als sogenannte Arbeitskraftunternehmer zu Unternehmern ihrer selbst werden. Näheres dazu finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/w...

    Außerdem werden Ihre Kinder Teile der Kosten, die durch negative externe Effekte früherer und heutiger Markttransaktionen enstanden sind, tragen müssen - entweder in Form von monetären Zahlungen oder als Verlust an Lebensqualität. Damit meine ich bspw. Klimawandel, Artensterben, gesundheitliche Schäden durch Umweltzerstörung, aber auch soziale Kosten infolge sozialer Schieflagen, gesellschaftlicher Spaltungen und Spannungen. Von den Verletzungen der menschlichen Seele durch ein auf gnadenlosen Leistungs- und Wettbewerbsdruck ausgerichtetes Leben ganz zu schweigen.

    ist "uns"? Alle?

    Wettbewerb ist aber durchaus vorteilhaft, solange er fair gestaltet wird und nicht so entfesselt um sich schlägt wie im derzeitigen System. Die Marktwirtschaft an sich ist eine guter Allokationsmechanismus, aber es gibt sie eben in unterschiedlichen Formen - die momentane Ausgestaltung ist m.E. nicht tragbar. Die oft gelehrte Annahme, dass die unsichtbare Hand des Marktes schon für optimale Ergebnisse sorge sofern nur jeder seinen Nutzen bzw. Gewinn maximiere ist erstens falsch und zweitens zerstört sie das moralische Kapital einer Gesellschaft. Sie fordert, dass andere Menschen nur noch nach ihrer Wirkung auf den eigenen Nutzen bewertet und nicht mehr als Subjekte mit Selbstzweck betrachtet werden (sollen).

    Wir brauchen daher eine Abkehr vom Dogma des Gewinnmaximierungsprinzips, einen Ordnungsrahmen, der fairen statt entfesselten Wettbewerb ermöglicht, und integre Marktteilnehmer.

    Ich glaube Sozialisten / Postkommunisten wie Frau Wagenknecht haben einen wichtigen Charakterzug des Kapitalismus bis heute nicht richtig verstanden. Denn der Kapitalismus ist kein ausgeprägtes dogmatisches System mit unzähligen festen Regeln und Verhaltensweisen. Im Gegenteil. Kapitalismus und Marktwirtschaft heißt: ständige Veränderung, try and error, Erfolg und Niedergang. Bis auf wenige Grundregeln besteht extrem viel Gestaltungfreiheit. Landet ein bestehendes kapitalistisches System in einer Sachgasse, wird einfach ein anderer Entwicklungspfad eingeschlagen. In der Biologie bezeichnet man so etwas als Evolution. Dies ist nach den Weltwirtschaftskrisen 1857/73 sowie1929 passiert und wird auch heute wieder passieren (im Übrigen hat schon Friedrich Engels nach der Weltwirtschaftskrise 1857 den Kapitalismus für Tod erklärt).

    Das Problem der Linken besteht aber darin, dass sie eine schnelle und umfängliche „Lösung“ aller gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme durch ein bestimmtes System sucht (ein Anspruch den der Kapitalismus nicht hat und auch nie hatte). Um das zu erreichen hat sie unzählige Dogmen aufgestellt und mischt sich dirigistisch in das Wirtschafts- und Privatleben. Leider (oder sollte ich lieber sagen „Gott sei Dank“) ist die gesellschaftliche, technologische und ökonomische Dynamik nicht vorhersehbar. Ein dirigistisches, durch umfängliche Dogmen geprägtes System kann darauf nur schwerfällig reagieren. Spätestens dann ist es zum Scheitern verurteilt.

    • 29C3
    • 22. Juli 2013 12:46 Uhr

    vor allem im Vergleich zu weniger global aktiven Ländern.

    Das Problem ist aber, neben der Tatsache, dass viele von "einem Steak pro Tag" nur träumen können, die Ungleichheit der Chancen, die sich aus der Kapitalisierung nicht nur der Ökonomie, sondern wohl auch aller anderen Lebensbereiche ergibt.

    Ein Kapitalismus-Bashing ist überflüssig, da längst ersichtlich, dass es so nicht mal mittelfristig weiter geht, denn die soziale Schere geht immer weiter auseinander. Wenn hier und da hierzulande halbherzige Versuche unternommen werden, diese Unterschiede etwas zu dämpfen, so liegt das an der Tatsache, dass man es hierzulande gerade eben überhaupt erst finanziell stemmen kann, durch die Spielräume, welche die anderen Länder kaum haben... und dies nur deshalb, weil Deutschlands Volkswirtschaft einer der Gewinner in diesem globalen Kampf und (!) DER Gewinner der EURO-Story ist, zumindest vorübergehend. Und wie lange das noch geht, wird sich zeigen.

    Fakt ist, dass wir nur deshalb statistisch so gut leben können, weil eine Armee an Menschen weltweit für uns schuftet, und die Gewinne erst möglich macht, die hier bei uns abgeschöpft werden. (´habe gerade zwei BRAX-Hosen bei Karstadt gekauft: Made in Maroko, Rumania, ... dasselbe Modell und Größe, aber eine Farbe hier, andere da... alles wird für die Gewinnmaximierung quer um den Globus geshippert)

    zu vergessen, dass Kapitalismus vor allem eine ausgleichende Wirkung auf den Weltmarkt hat - das bedeutet auch, dass es bei uns nicht wirklich vorwärts geht, solange die BRICS weit zurück liegen was z.B. die Löhne angeht und aber viele andere Bedingungen wie bei uns aufweisen, Ausbildung, Infrastruktur, usw.

    Wir beurteilen Kapitalismus also im Prinzip zZ als unfair, weil er hauptsächlich unseren übermäßigen Wohlstand in die armen Gegenden der Welt verteilt. Vielleicht sollte Frau Wagenknecht so etwas mit durchdenken, bevor sie uns ihre im wesentlichen auf Europa beschränkte Weltsicht als Ahnung von Gerechtigkeit verkauft...

    "...liegt daran, dass es uns inzwischen so gut geht, dass besser kaum noch geht."
    "Denn mehr als ein Steak pro Tag brauchen auch sie nicht essen."

    Sprechen Sie bitte nicht von 'uns', wer sich jeden Tag ein Steak leisten kann gehört nicht zu den 99%.

    Von steigender Armut in der Bevölkerung wollen Reiche bekanntlich nichts wissen, sie spüren sie ja auch nicht. Während beim 'Fußvolk' die Armut stetig zunimmt, steigt bei der Elite der Wohlstand. Der 1% hat in der heutigen Zeit wahrlich nichts zu beklagen.

    Der Kapitalismus ist allein an der unendlichen Gier der Elite gescheitert.

    Ich hoffe der Rest der Gesellschaft hat ein würdigeres Maß für sein Wohlergehen gefunden.

    Sie wissen schon, was nötig ist, um ein tägliches Steak zu ermöglichen? Monokulturen, Gen-Soja, Völkervertreibung, Regenwaldabholzung, Wasserverschwendung, Unmengen an Energie für Lagerung und Transport, Massentierhaltung, Tierquälerei.

    Schön, dass Sie zufrieden sind mit der Welt und ihren Kindern die gleiche wünschen. Leider wird es nicht mehr die gleiche geben, wenn ihre Kinder in ihrem Alter sind, weil sie und Menschen ihrer Art dafür gesorgt haben, die Welt so herrlich auszubeuten, dass für einen Kapitalismus mit seinen täglichen Steaks keine Zukunft mehr bleibt.

    Kapitalismus ist etwas, das verbraucht, nicht versorgt.

    die Wiki-Beiträge "Postdemokratie" und "Green Economie" ergänzen das interview .

    So wie niemand der verantwortlichen "Fachleute" den Banken-Crash vorhersehen wollte, will niemand derselben "Fachleute" die Zerstörung der Lebensgrundlage zukünftiger Generationen sehen.
    Hier schließe ich die Meineid-Politiker ("zum Wohle...???) mit ein.
    Nach uns die Sintflut.

    Frau Wagenknecht liegt als westliche Ausnahme-Politikerin mit Ihren Sorgen um die "99%-Menschen" nicht verkehrt.
    Wenn sie noch einen Plan hätte, wie global! menschenwürdige Arbeitsplätze mit Entlohnung für ein menschenwürdiges Leben geschaffen werden können, soll sie sicher nicht nur von mir aus einen vergoldeten Daimler fahren.

    Wenn sie noch erklären könnte, wie global! me

  2. 2. [...]

    [...]

    Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Polemik. Danke, die Redaktion/sam

    77 Leserempfehlungen
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    Schön, wenn das Baden in den eigenen Vorurteilen zum Lebensinhalt wird.

    ... haben Sie natürlich Recht. Ihr Gegenmodell wird heute im Tagesspiegel ausführlich besprochen, u.a. hier:

    http://www.tagesspiegel.d...

    Diese Leute brauchen natürlich keine EsJuVies, weil sie wunderbar von ALG (= Anderer Leute Geld) leben.

    "An unsere kapitalistischen Leistungsträger

    Nein, Ihr seid nicht besser als die anderen. Ihr mögt euch so fühlen, aber ihr seid es nicht. Das, was euch groß gemacht hat, war vielleicht manchmal harte Arbeit, oftmals allerdings Glück und glückliche Herkunft.

    Auf keinen Fall gibt es euch beispielsweise das Recht, mit euren 2-Tonnen-SUVs wie selbstverständlich zwei Parkplätze zu belegen, mit 80 die Busspur entlangzurasen oder breitbeinig aber alleine den Vierertisch im Cafe zu belegen, so dass die anderen um euch herumlaufen müssen.

    Erst recht nicht gibt es eich das Recht, in irriger Selbstüberschätzung mit Verachtung auf diejenigen herabzublicken, die weniger Glück und Möglichkeiten hatten als ihr!"

    [...]

    Woher kommen diese Komplexe?

    Jeden Falls zeigt es deutlich, dass auch die untere Schicht Anspruch auf ihre Überlegenheit deutlich machen möchte :-) wieso auch nicht. Naja, wenn sich sowohl Leistungsträger als auch Leistungsempfänger für was Besseres halten, dann sind wir ja zusammen ein super Haufen von ganz dollen Hechten.
    Der eine ist toll, weil er nen dicken SUV fährt.
    Der andere ist toll, weil er SUV Fahrer hasst und auch nach 10 Bier noch herleiten kann, warum SUV Fahrer einen SUV fahren nämlich nur, um damit Hartz IV Empfänger zu ärgern.

    Quelle: "Hat Kneipenkalle jesacht..."

    Ich denke, so viel Sozialismus kann es garnicht geben, als dass sich auch die gerecht behandelt fühlen, die gerne das Opfer geben indem sie erklären, was ich oder andere über sie denken...

    • jkluge
    • 22. Juli 2013 13:36 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des obigen Interviews. Danke, die Redaktion/jk

    • clubby
    • 22. Juli 2013 16:12 Uhr

    Sie gehört übrigens zu den Priviligierten. Und ja auch Glück gehörte dazu.
    Ich hab schon immer viel Skepsis gegenüber Millionären (S.W. gehört aufgrund von Fernsehauftritten, Vorsitztätigkeiten, Büchern etc. ziemlich sicher dazu) aufgebracht, die mir einreden wollen ich würde zu den bösen Kapitalisten und Besserverdienenden gehören,an denen die Welt krankt, sobald ich mehr als 60k im Jahr verdiene. Sollte ich mal in der Einkommensklasse von Frau Wagenknecht angekommen sein, werde ich ihr aufmerksam zuhören. BIS DAHIN geniesse meinen bescheidenen Wohlstand in vollen Zügen und lasse zunächst Frau Wgenknecht gerne den Vortritt sich einzuschränken und den Anfang zu machen.

    • vyras
    • 22. Juli 2013 16:17 Uhr

    "Denn das was ihr Freiheit nennt, ist in Wirklichkeit die Freiheit eure egoistischen Bedürfnisse möglichst uneingeschränkt ausleben zu können. Ein regulierender Staat hindert euch da nur in eurem Drang, die Gesellschaft, die euch groß gemacht hat, als Selbstbedienungsladen zu missbrauchen."

    "Uneingeschränkte Freiheit führt zum Gegenteil von Freiheit; denn ohne Schutz und ohne Einschränkung durch das Gesetz muss die Freiheit zu einer Tyrannei der Starken über die Schwachen führen."

    (Karl Raimund Popper)

    So viele Vorurteile und Komplexe. Woran liegt das nur?

    Ist das Neid oder Verbitterung?

    • Wupert
    • 22. Juli 2013 19:19 Uhr

    Die Kommentarfunktion ist zur Diskussion des Artikelthemas vorgesehen. Danke, die Redaktion/fk.

    Die Kommentarfunktion ist zur Diskussion des Artikelthemas vorgesehen. Danke, die Redaktion/fk.

    Entfernt. Anmerkungen zur Moderation werden unter community@zeit.de gerne entgegengenommen und beantwortet. Danke, die Redaktion/sam

  3. doch leider werden sie kaum gehört bzw. verstanden. Die Menschen glauben lieber an einen selbst erschaffenen Mythos, der einige wenige über alle Maßen privilegiert, anstatt etwas Neues zu versuchen.

    Schade daß die Linke nicht nur mit der Stimme von Frau Wagenknecht spricht, sonst wäre sie glatt wählbar.

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    Und solange die Linke nicht alleine mit der Stimme von Sahra Wagenknecht spricht, solange muss man halt die CDU wählen!
    Das gebietet einfach die Stimme der Vernunft.

    Nein, ich glaube, Sie haben eh nie vor Die Linke zu wählen, also stehen Sie doch dazu und suchen sich hier nicht in Ausflüchte!

    Sie hat eine Vorstellung davon, wie eine bessere Zukunft aussehen kann.

    Und keine Wolkenkuckucksheime, sondern konkret Umsetzbar.

    Was für ein Kontrast zum inhaltsleeren Geschwafel von Merkel.

    sprechen würde. Nicht nur dass dies ein Mangel an Demokratie wäre, sondern auch ein Ausdünnen der Gedankenvielfalt.

    Es geht darum, wohin die Gedanken zielen. Was Frau Wagenknecht sagt, ist doch mit anderen Worten, aber gleicher Zielsetzung die Erkenntnis, dass Menschen ganz urtümlich soziale Wesen sind. Diese Tatsache mit einer Wortschöpfung zum Nachteil zu verkehren und als Sozialismus zu diffamieren, ist eine wenig überzeugende Demagogie.

    In unseren Familien folgen wir doch auch unserem Urgen, des Beschützens, Pflegens, Behütens und verantwortungsbewußtem Anleiten unserer Brut mit dem Ziel, den Fortbestand der Art zu sichern!

    Und nun sind wir eine aufgeklärte Menschheitsgroßfamilie und haben unserer Brut ihren Lebensraum zu erhalten. Das funktioniert nur in Sozialität.

  4. Es freut mich für Sie, dass Sie einen Lebensstandard haben, der so hoch ist, dass Sie sich einen solchen für Ihre Kinder wünschen.
    Soll dies aber kein egoistischer und asozialer Standpunkt sein, haben Sie schlicht zur Kenntnis zu nehmen, dass es in diesem Land viele Millionen von Menschen gibt, die einen deutlich niedrigeren Lebensstandard haben und sie von da aus gesehen wünschen, dass es ihren Kindern mal besser geht.

    97 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wieso besser?"
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    In der Kurzfassung: Schaffe, schaffe, Häusle baue.

    • LJA
    • 22. Juli 2013 11:46 Uhr

    Dennoch geht es den meisten dieser, bei uns, Unterpriviligierten besser, als früher den Normalbürgern im real exitierenden Soziallismus der ehemaligen DDR oder UDSSR.

    Und ich glaube, es gibt kein System, welches dafür sorgen kann, dass es allen Menschen gleich gut geht. Auch der "kreative Sozialismus" nicht. Wo es Gewinner gibt, gibt es Verlierer. Man sollte aber dafür sorgen, dass die Verlierer nicht zu tief fallen. Und hier fallen die meisten nicht zu tief.

    Und nur, weil es mir gut geht (wenn Sie wüssten, mit wie viel ich schon zufrieden bin, würden Sie sich Ihren neidischen Unterton eh sparen), sind mir die Verlierer dieser Gesellschaft nicht egal.

    ... ihren Kindern aber weit schlechter gehen.

    Alle Experimente sind doch in allen Varianten grandios gescheitert: Das sowjetische (in verschiedenen Varianten von NEP bis purer Planwirtschaft), das chinesische (Maos "Großer Sprung nach vorn" führte zu millionfachem Tod), Autarkiekonzepte wie in Albanien oder Nordkorea, selbst der verhältnismäßig liberale Tito-Kommunismus. Auch das oft romantisierte Kuba muss seine Bevölkerung, jedenfalls seine Leistungsträger, einsperren, damit sie nicht abhauen. Wenn eine Idee ständig in allen Varianten scheitert, dann muss die Idee vom theoretischen Konzept her falsch sein.

    Der einzige Vorteil eines sozialistischen Systems ist, dass man nicht nur durch Fleiß und Begabung Karriere machen kann (Faktoren, die nur begrenzt beeinflussbar sind)), sondern auch wenn man sich besonders linientreu gibt.

    • hakeen
    • 23. Juli 2013 22:58 Uhr

    genau das ist der Punkt. Bravo!!!

  5. Schön, wenn das Baden in den eigenen Vorurteilen zum Lebensinhalt wird.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels und achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke, die Redaktion/jk

    Sie nennen das Baden in Vorurteilen - ich sage, da liegt jemand goldrichtig.

    Klar ist das SUV ein Klischeebeispiel. Aber wir können uns ja auch ganz leicht innerhalb der Kommentare hier bedienen. Fangen wir doch mit dem ersten gleich an.

    http://www.zeit.de/politi...

    Mir geht's gut -> uns geht's gut -> wir haben keine Probleme -> es gibt keine Probleme

    Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen. Ich freue mich für jedem, dem es gut geht. Umso mehr freue ich mich, wenn das jemand auch ausspricht. Wir haben genug Menschen, denen es gut geht, und die trotzdem jammern. Aber daraus den Rückschluss zu ziehen, dass es allen so prima geht, funktioniert nur, wenn ich nicht hingucken nicht wahrnehme. Und das ist exakt die gleiche Ausgangslage des Breitbeiners, der den Vierertisch belegt oder - wie just heute erlebt - die Dame von Welt in den angefangenen 50ern mit weißer Hose und Top, die sich mittig in die Vierergruppe in der U-Bahn setzte, weil es ihr wohl nicht behagte, neben und gegenüber von jemandem zu sitzen. Sollte der Gehbehinderte bei anrollender Bahn halt noch ein Stück laufen.

    Nein, wer hier offensichtlich Vorurteile pflegt, sind Sie! Blenden Sie doch mal aus, dass das Interview mit Frau Wagenknecht geführt wurde, lassen Sie den Begriff "Sozialismus" weg - und setzen Sie sich mit den INHALTEN auseinander, um die es geht! Ohne Vorurteile. Ganz sachlich.

    • hairy
    • 22. Juli 2013 11:19 Uhr

    Was W. will, ist für mich eher eine stark soziale Marktwirtschaft, denn eine sozialistische. Vielleicht ist es das große Problem der Linken, dass sie immer noch auf den "Sozialismus"-Begriff setzen, der leider derart unter durch ist, dass man damit bei großen Gruppen nur Missverständnisse hervorruft - und also auch nicht gewählt wird.

    58 Leserempfehlungen
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    Das Problem der Linken dürfte sein, daß viele, die sich kaum mit Politik auseinandersetzen - und das ist in Deutschland wahrscheinlich eine Mehrheit - immer noch glauben, die Linke wolle die DDR neu errichten. Deshalb freut mich die Publikation dieses Interviews hier, das ich durchaus repräsentativ für die Programmatik der Linken halte, weil es über die tatsächlichen Ansätze informiert, die eben sehr viel differenzierter und näher an den Problemen unserer Zeit sind als es wahrscheinlich viele annehmen. Denn daß in Zeiten, in denen wir wie nie zuvor die Beinahe-Allmacht von Kapital und Spekulation zu spüren bekommen eine Dosis Sozialismus - was ja eigentlich bedeutet: die Idee, daß die Produktivität der Gesellschaft der gesamten Gesellschaft zugute kommt, und nicht nur einer (vermögenden) Minderheit - nicht die schlechteste aller Ideen wäre, könnte sich ja vielleicht der ein oder andere eingestehen. Wäre schön.

    Sie erkennen nicht, dass ein Staat nicht grundsätzlich moralischer ist als ein unternehmen, daher suchen Sie dort heil, wo im Zweifelsfall noch mehr Unheil herkommen kann.
    Auch liegt Frau Wagenknecht meiner Meinung nach falsch, wenn Sie das private Eigentum an großen Unternehmen als Problem sieht.
    Man sieht am französischen Modell, wo dies hinführt (Peugeot, Citroen,
    Areva & Co). Ob private oder staatliche Macht die leistungslose Aneignung der Arbeitsergebnisse anderer ermöglicht ist doch am Ende egal.
    Klar müssen Märkte begrenzt werden, damit sie gut funktionieren.
    Ein weiteres Problem was viele in meinem Bekanntenkreis mit den Linken haben ist die Glaubwürdigkeit:
    -Im Westen purer Populismus
    -Im Osten eine zweite SPD mit hohem Anteil an ex SED Genossen.

    meinen Sie nicht, dass "Marktwirtschaft" auch ziemlich diskreditiert ist ?
    Ich erkenne nur Umverteilung von unten nach oben.
    Vielleicht sollte man ein völlig neues Wort erfinden.
    Wenn Sie eine Idee haben...

  6. Kapitalismus und Sozialismus sind erst mal nur Worte, Begriffe. Sie sind aber schwer belastet, und behindern das Denken außerhalb festgefahrener Bahnen.
    Wie wäre es wenn man über "Zivilisation" spricht?
    Dazu gehören die Begriffe Kooperation, Vernunft, Respekt, phliosophische und ethische Tiefe, Lebensfreude, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit.
    Es ist dürfte allerdings unschwer zu erkennen sein dass diese eher mit Sozialismus zu verbinden sind. Zumindest mit dessen ursprünglicher Idee.

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    ... wird tatsächlich kommen. Unausweichlich.

    Und zwar wird der Kommunismus ein Ergebnis des technischen Fortschritts im Bereich des Roboterbaus sein.

    Weltweit forschen Ingenieure mittlerweile daran, menschliche Denkprozesse und menschliche Bewegungsabläufe Computern beizubringen. In den USA gibt es zum Beispiel mittlerweile einen Großrechner, der im komplizierten Spiel "Jeopardy" auf Augenhöhe mit den besten menschlichen Spielern ist. Es gibt mittlerweile auch Software, die beim Chatten am PC überzeugend einen Menschen an der Tastatur simulieren kann. Es gibt mittlerweile sogar Expertensoftware, die einen Arzt simulieren kann.

    Das Ende dieses Prozesses ist absehbar: Es wird keine 50 Jahre mehr dauern, bis der erste Roboter auf dem Markt ist, der an einer Supermarktkasse sitzen kann. Und auch höhere Aufgaben werden von Maschinen geleistet werden können.

    Jetzt stöhnt mancher Leser sicher auf und hält die ganzen verlorengehenden Arbeitsplätze für eine Katastrophe. Das ist sie aber gar nicht: Es ist doch gut, wenn Menschen nicht mehr arbeiten müssen !

    Es wird am Anfang sicher eine Phase geben, in der die führenden Firmen der Robotertechnik große Gewinne machen und es eine zahlenmäßig sehr starke Unterschicht gibt, die arm, verzweifelt und arbeitslos ist. Das wird aber nicht so bleiben, weil wenige Reiche keine Chance haben, wenn große Menschenmassen ein gemeinsames Ziel haben. Die Reichen werden dann einfach weggefegt, und der Kommunismus ist Wirklichkeit.

    allerdings bewegen Sie sich mit der Ihrer letzten Annahme immernoch innerhalb dieser veralteten Denkweise. Eine Zuordnung ist nicht relevant.

    Die Begriffe Kapitalismus, Kommunismus und Sozialismus gehören ins Geschichtsbuch!
    Es wird Zeit befreit von diesen ideologisch belasteten Begriffen zu denken.
    Uns damit beschäftigen was wirklich "glücklich" oder wenigstens zufrieden macht und wie es möglich ist, dass für möglichst viele Menschen auf diesem Planeten umzusetzen.

    Der Kapitalismus wird sich allerdings noch eine ganze Weile halten. Schließlich ist das Bedürfnis groß, erreichten Wohlstand zu vererben und das mereokratische Prinzip (salopp übersetzt und auf die Wirtschaft angewendet: gute Arbeit bringt Erfolg) wird auch als fair empfunden. Das Problem ist nur, dass sich diese Punkte in gewisser Weise widersprechen, obwohl sie den gelebten Kapitalismus prägen (Leistung + Vitamin B). Gegen Widersprüche ist der Menschliche Geist allerdings ziemlich immun.
    Weshalb ich mir von einigen Studenten (die sich noch von Mama den Hintern abwischen lassen) anhören lassen muss, dass doch alle hier die gleichen Chancen haben. Klar! Wenn man neben dem Studium 20 Std. pro Woche arbeitet und seinen eigenen Haushalt führt, hat man genau die selben Chancen wie ein verwöhntes Muttersöhnchen und ist selbst schuld, wenn man es nicht in Regelstudienzeit schafft... ich schweife ab^^

    • Agorist
    • 19. September 2013 19:35 Uhr

    "Wie wäre es wenn man über "Zivilisation" spricht?
    Dazu gehören die Begriffe Kooperation, Vernunft, Respekt, phliosophische und ethische Tiefe, Lebensfreude, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit.
    Es ist dürfte allerdings unschwer zu erkennen sein dass diese eher mit Sozialismus zu verbinden sind."

    Nein. Sozialismus ist nichts als eine kollektivistische Ideologie, in der es nicht um freiwillige Kooperation geht, sondern um Unterwerfung des Individuums unter das Kollektiv.

    Zur Zivilisation gehört Freiwilligkeit statt Unterwerfung. Brüderlichkeit als politische Losung bedeutet aber Unterwerfung - weil ich nun einmal nicht mit jedem brüderlich sein will

    • dp80
    • 22. Juli 2013 11:19 Uhr

    Ihr Vorschlag ist also
    - Bestimmte Bereiche ent-marktwirtschaftlichen
    - Erbschaften begrenzen

    Und das soll unsere Probleme lösen?

    Dann wird es weiterhin einen Arbeitsmarkt geben, auf dem durch den technologischen Fortschritt Maschinen gegen Menschen konkurrieren. Es gäbe also weiterhin zu viele Arbeitskräfte für zu wenig Stellen. Dieses Marktungleichgewicht führt dazu, dass sich viele Arbeitnehmer weiterhin zu schlechten Bedingungen verkaufen müssen, aus ständiger Angst vor dem Arbeitsplatzverlust. Und das natürlich globalisiert, was eine Lösung nicht gerade einfacher macht.

    Das ist ein viel grundlegenderes Problem, das sich meiner Ansicht nach nicht so einfach lösen lässt.

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    Ich weiß leider nicht, welche konkreten Beispiele Sie so im Kopf haben, aber meiner Meinung nach frißt das "Globalisierung" genannte Outsourcing mehr Arbeitsplätze als Maschinen.

    Ihr grundlegendes Problem scheint mir zu sein, daß Sie sich offenbar keine Gesellschaft, in einem anderen Beitrag fiel auch der Begriff "Zivilisation" vorstellen können, in der andere Prämissen gelten, als in der aktuellen. Vielleicht eine Zivilisation, die weniger Angst bei arbeitenden Menschen erzeugt bzw. überhaupt den Begriff Arbeit ganz anders definiert.

    Man könnte diese Ideen auch mit dem BGE kombinieren und die Automatisierung dort wo sie benötigt wird perfektionieren, so zum Beispiel die Nahrungsindustrie, wenn dort alles von Maschinen gehandhabt wird, wird der Preis für das Essen drastisch sinken vielleicht sogar gegen 0 tendieren.
    Zusätzlich könnte man die Arbeiten die "Eh keiner machen will" voll automatisieren, um gekoppelt mit dem BGE, den Menschen Berufe anzubieten die sie auch wirklich wollen, keiner wird mehr vom Arbeitsamt zu irgendwelchen Arbeiten gezwungen, stattdessen bessert man sich das Einkommen auf mit einem Beruf den man wirklich will. Das erhöht die Motivation und die Produktivität und wenn es nichts wird mit dem selbstständig machen oder der Ausbildung ist es nicht schlimm, weil man ja noch das BGE bekommt.

    Es ist doch heute nicht das Problem, dass wir wirklich zu wenig Aufgaben für die Menschen hätten. In den Kommunen gehen die Straßen kaputt, öffentliche Einrichtungen werden geschlossen. Wir haben den Pflegenotstand, der sich in der Zukunft noch weiter verschärfen wird.

    Aufgaben, welche die Menschen übernehmen können gibt es also genug. Sie müssen nicht zwingend in der Produktion legen. Trotzdem kann man es nicht schaffen all die Produkte, welche die Maschinen erzeugen an die Menschen weiterzuleiten, welche solche Aufgaben ausfüllen können.

    Genau hier aber versagen die Märkte. Es ist kein Profit darin zu sehen alte Menschen, Straßen, Schulen und Bibliotheken zu pflegen. Daher regelt der Markt hier überhaupt nichts! Das Geld dafür kommt nicht von den Märkten, sondern es muss von Staat eingefordert werden.

    Wir haben z.Z. einen Leistungsüberschuss. Das bedeutet, dass wir mehr Produzieren als wir verbrauchen oder investieren. Anstatt dass das Geld für die notwendigen Dinge auszugeben werden, hat man damit Blasen gefüttert. Die Kreditblasen sind ja gerade in Südeuropa am platzen. Mal schauen, was sonst noch kommt.

    Das schlüge den Sklaventreibern die Waffe "Arbeitsplatz" aus der Hand.

    Sie haben diese Frau meiner Ansicht nach nicht genau verstanden. Sie will in manchen Bereichen die Marktwirtschaft eingrenzen. Aber Frau Wagenknecht will vor allen Dingen in anderen Bereichen die Marktwirtschaft wieder einführen. Ihr Beispiel der Lebensmittelbranche zeigt sehr offentsichtlich, dass diese Märkte weit von funktionierenden Märkten weg sind.

    Mir zeigt das Interview, dass Frau Wagenknecht von grundlegender Mikroökonomie vieles versteht und wohl zurecht ihren Doktor in Wirtschaftswissenschaften hat.

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