Kanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz © Maja Hitij/CommonLens

Dieser eine Satz, er steht exemplarisch für das ganze Verhalten der Bundeskanzlerin in der Ausspäh-Affäre. Angela Merkel sagt ihn, wie sie solche Dinge häufig zu sagen pflegt. Mit einem spöttischen Unterton: "Es ist nicht meine Aufgabe, mich in Details von Prism einzuarbeiten." Als ob es überflüssig sei, sich mit dem Computerprogramm zu befassen, das offenbar jeden Bürger in Deutschland überwacht. Nein, egal ist die Sache nicht.

Deshalb waren an diesem Freitag so viele Reporter wie selten zur letzten Pressekonferenz der Kanzlerin vor der Sommerpause gekommen. Sie hofften, endlich mehr zu erfahren in der Frage, was die Bundesregierung für die Aufklärung der Geheimdienst-Affäre tut. Aber sie hätten wissen können, dass die Erwartungen zu hoch gesteckt waren. Merkel hat sich verhalten wie immer.

Abwarten und Weitersehen. Das ist das Leitmotiv dieser Kanzlerin. Gibt es eine öffentliche Erregung, eine Diskussion, zieht Merkel sich auf einen Beobachterposten zurück. Sie weigert sich einfach, öffentlich zu agieren, Verantwortung zu übernehmen, damit ja keine Fehler später auf sie zurückfallen.

In der NSA-Affäre behauptet Merkel, sie habe die USA gebeten, die Sache zu klären, und das brauche jetzt eben Zeit. "Insofern warte ich lieber", sagte sie in der Berliner Pressekonferenz. Das aber reicht nicht. Mit dieser Passivität in der Aufklärung des Ausspäh-Skandals ist die Mehrheit in Deutschland nicht zufrieden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

Merkel wird von Amerikaner vorgeführt

Hier also öffnet sich kurz vor der Bundestagswahl eine Flanke, in die Merkels Herausforderer hineinstoßen könnte. Peer Steinbrück sollte verlangen, dass die Kanzlerin mehr Entschlossenheit in der Causa NSA beweist. Die Bürger sind darüber empört, dass ihre Daten von ausländischen Geheimdiensten ausgespäht werden. Warum kann sich Merkel nicht auch einmal öffentlich empören? Fürchtet sie etwa, die Amerikaner zu verärgern? Das sollte sie nicht, denn die führen die Kanzlerin gerade öffentlich vor.

NSA-Geheimdienstchef Keith Alexander hat keine Angst, die Bundesregierung in der Öffentlichkeit zu blamieren. Ja, klar gebe es den Wunsch nach Aufklärung aus Deutschland. Aber: "Wir sagen ihnen nicht alles, was wir machen oder wie wir es machen", antwortet der US-General.

Warum also verschärft die Kanzlerin ihre Rhetorik nicht? Warum erhöht sie nicht den Druck auf die USA? Es gibt eine mögliche Antwort darauf. Sollte sich herausstellen, dass Merkel und die deutschen Behörden informiert waren über die Ausspäh-Praxis und diese geduldet oder gar gefördert haben, könnten rechtliche Konsequenzen drohen. Schließlich ist das Ausspähen von Daten eine Straftat, und die Beihilfe dazu auch. Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe sammelt bereits Beweise.

Vielleicht hat die Kanzlerin deshalb an diesem Freitag erneut betont, sie habe von Prism erst aus der Presse erfahren. Dies aber erscheint immer unglaubwürdiger. Denn die deutschen Sicherheitsbehörden haben geheimdienstliche Erkenntnisse der USA genutzt, die mithilfe dieser womöglich in Deutschland illegalen Technik erworben worden sind. Und sie sollen rein gar nichts darüber gewusst haben?

Es würde der Kanzlerin so passen, wenn keiner mehr über die Sache spricht. Diesen Gefallen aber sollte man ihr nicht tun.