Wahlboykott Nicht wählen geht gar nicht!

Manche Intellektuelle finden es schick, zum Wahlboykott aufzurufen. Dagegen wehren sich junge Politiker in einem gemeinsamen Aufruf. von Katrin Albsteiger, Sascha Vogt und Lasse Becker

Vor Kurzem hat Georg Diez auf Spiegel Online mit dramaturgischer Eleganz des ehemaligen Theater-Feuilletonisten erklärt, dass er sein Kreuz verweigere. In der Tat: Den Stimmzettel nicht ausfüllen und ihn so zum Denkzettel gegen alles, was einem an der Parteiendemokratie nicht passt, zu machen – das mag einem in den Sinn kommen.

Eine sinnvolle Option ist es aber nicht.    

Anzeige
Die Autoren

Katrin Albsteiger (Vorsitzende JU Bayern), Sascha Vogt (Vorsitzender Jusos), Lasse Becker (Vorsitzender JuLis)

Wir laden jeden, der so denkt, gern ein, uns bei unserer Demokratiearbeit in einen scheindemokratischen Staat zu begleiten. Dann wird er erkennen, was für ein Schlag ins Gesicht es für jeden ist, der in Syrien, Aserbaidschan, Weißrussland oder in Mali für Demokratie kämpft, wenn ein deutscher Theaterkritiker aus dem Ohrensessel seiner klimatisierten Berliner Wohnung behauptet, dass freie und faire Wahlen nicht so wichtig seien.

Nicht nur Schönwetterdemokraten

Die Wahlverweigerung als politisches Druckmittel, weil man einer Partei nicht zu 100 Prozent zustimmen kann? Hier offenbart sich eine Einstellung von kindlicher Naivität. Gesellschaftliche Realitäten sind komplex. Gesellschaftliche Probleme sind komplex. So sind auch die Lösungsangebote der Parteien. 100 Prozent Übereinstimmung sind da schlicht unmöglich. Niemand würde diese Anforderung auch an andere Lebensbereiche stellen? Das Dasein wäre wohl sehr einsam. Keine Familie, kein Freundeskreis, kein Job könnte vor diesen Anforderungen bestehen.

Mit der Einstellung, Wahlen nur zu unterstützen, wenn es sich gut anfühlt, hätte Otto Wels niemals die wohl wichtigste Rede der deutschen Sozialdemokratie gegen die Nazis halten können. Die Wahlen davor im Dritten Reich waren für alle Nazigegner, aber zuvörderst für die SPD viel, aber nicht schön. Demokratie lebt davon, dass es nicht nur Schönwetterdemokraten gibt, sondern genau diejenigen, die auch gegen Widerstände zu ihren Überzeugungen stehen. Und auch wenn wir drei unterschiedliche Meinungen haben: Wir sind sicher, dass der oder die jeweils andere wirklich überzeugt ist, dass bürgerliche, freiheitsliebende oder eben soziale Lösungsansätze jeweils den besten Weg aus der Euro-Krise oder zu mehr Chancen in der Bildung ausmachen können.

Jeder macht, was er will? Es ist egal wer regiert? Mitnichten! Zum Beispiel auf dem Feld der Renten- oder Steuerpolitik unterscheiden sich die Parteien deutlicher als früher. Das sind die Alternativen, die angemahnt werden, und wir gestalten sie mit. Auch wir sehen manches kritisch, die Junge Union lehnt die Frauenquote, anders als die Union, ab, die Jusos lehnen die Vorratsdatenspeicherung in voller Gänze, anders als die SPD-Spitze, ab, und die Jungen Liberalen sind, anders als die FDP, auch mehr als skeptisch, was regionale Lohnuntergrenzen angeht.

Aber am Ende wissen wir: Demokratie ist auch, dass man nicht immer eins zu eins seine Meinung sofort durchsetzen kann. Wer das will, wünscht sich keine Demokratie, sondern will selbst Diktator sein. Diese Forderung wäre nicht eine "Schrumpfform der Demokratie", sondern deren Abschaffung. Demokratie heißt sich zu streiten. Demokratie heißt, im Wahlkampf auch mit härteren Bandagen zu kämpfen. Demokratie heißt zu versuchen, mit seinen Argumenten zu überzeugen. Und Wahlen sind dabei der Moment, auf den es in unserer repräsentativen Demokratie ankommt. Hier liegt der zentrale Denkfehler der Wahlverweigerung, denn: Der Nichtwähler ist der einzige, der unter Garantie nicht das bekommt, was er will. In einer Demokratie nicht zum Wählen zu gehen, ist so logisch wie sich eine Kinokarte zu kaufen, dann aus Protest nicht in den Film zu gehen und zu hoffen, dass man damit irgendetwas erreicht.

Leserkommentare
    • joG2.0
    • 31. Juli 2013 18:07 Uhr

    ....wen man wählt man auch legitimiert. Es gibt aber keine Partei, die dem Weiterso des Immer Tieferes Europa sich widersetzt und eine neue Verfassung für Deutschland verlangt oder gar vorschlägt. Aber eine Partei, die nicht entweder den Euro abschaffen oder aber einen europäischen Bundesstaat mit einhergehender Volksbefragung und neuer deutscher sowie europäischer Verfassung betreibt eine unehrliche oder widersinnige Politik. Die darf man nicht legitimieren mit seiner Stimme.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die darf man nicht legitimieren mit seiner Stimme.

    @joG52
    ...es verlangt doch niemand, dass Sie eine Partei wählen, die sie nicht möchten. Allerdings wäre es hilfreich, wenn sie Ihre Stimme trotzdem abgeben. Wenn Sie die CDU oder SPD nicht möchten, können Sie ihr Kreuzchen bei eine der 'anderen' Parteien, eventuell auch bei denen, die definitiv nicht in den Bundestag kämen, z.B. Familien- oder Tierschutzpartei, setzen. Damit wird Ihre Stimme gezählt und der prozentuale Anteil (der nunmal aus den abgegebenen Stimmen ermittelt wird) für die SPD oder CDU verkleinert. Somit haben Sie indirekt dafür gesorgt, dass diese Parteien eventuell nicht die Mehrheit bekommen. Umgekehrt müssen sie sich wegen Ihrem Kreuzchen keinen Vorwurf machen, weil die Tierschutzpartei höchstwahrscheinlich nicht mal im Bundestag sitzt und somit auch nichts umsetzen/einführen kann, was sie nicht wollten.

    • jagu
    • 31. Juli 2013 20:24 Uhr

    a) für den freiwilligen Datenbankeintrag als "naiver Querulant" oder wahlweise als "einfach gestrickte Couchpotatoe"

    und

    b) weil sie der CDU / FDP und der nun dort mitschleichenden SPD beim Diätenabzocken so treu helfen.

    Bezahlt wird der geschenkte Lutschbonbon mit einem Stundenlohn unter 7 Euro und den zu erwartenden Steuer- und Abgabenerhöhungen und Einschränkungen der Freiheitsrechte..

    Die Wahlen wären erst dann demokratisch zu nennen, wenn es die Möglichkeit gäbe sein Kreuzchen dort machen zu können, wo steht: Keine der hier genannten Personen oder Parteien erscheinen mir wählbar.

    Liebe Mitbürger,

    es zählen nur die abgegebenen gültigen Stimmen. Jede davon erhält umso mehr Gewicht, je weniger von uns wählen. Deshalb zählt tatsächlich jede einzelne Stimme. So sind unsere unsere Wahlgesetze.

    Wenn Ihr ernsthaft was anderes wollt, geht bitte wählen!

    Es gibt genug unterschiedliche Parteien und Direktkandidaten zur Wahl. Deren Ziele sind breit gestreut. Bisher überzeugte Nicht- oder Ungültigwähler könnten z.B. Die PARTEI oder die Partei der Nichtwähler wählen.

    Hier nur zwei Links zur Info:

    http://www.politische-bildung.de/bundestagswahl_2013.html

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2013#Parteien_und_Kandidaten

    Es ist also nicht clever, nicht oder gar ungültig zu wählen. Bitte sagen Sie's weiter!

    Also, kurz mal informieren, sich ein Bild machen, Termin merken und dann gemeinsam einen schönen und spannenden Wahlsonntag gestalten. Es wird auf jeden Fall ein entscheidender sein.

    Wir sind doch nicht dumm.

    Ich würde ja gern wählen. Doch es gibt ja keine relevanten Nuancen die man bevorzugen muss. CDU und SPD sind fast identisch, beide betreiben wirtschaftlich konforme real Politik. Über NPD und der Spaß Partei FDP brauch ich mich nicht zu äußern. Die LINKE die hebt sich etwas ab. Die sagt wenigstens was falsch ist, was geändert werden musst. Die werden jedoch von allen anderen Parteien ignoriert, da sie einen wirklichen Politikwechsel wollen.

    ich würde ja gerne wählen. Doch die eigentlichen Probleme, die von den skandalisierenden Medien angeprangert werden, werden von keiner Regierung gelöst, höchstens verwaltet. Denn das eigentliche Problem ist das Machtgefälle. Von der internationalen Wirtschaft, der Finanzindustrie oder besser den 5% denen 80% gehört einerseits und der nationalen verwaltenden Politik andererseits. Die Politik hat doch gar nicht die macht etwas zu verändern. weder in USA oder der EU.

    Ich würde mich ja gerne engagieren. Doch leider habe ich keine Zeit. Da ich neben meinen Master noch arbeiten muss. Wer richtig arbeitet hat noch weniger Zeit. und ich würde mich trotzdem engagieren, wenn ich merken würde, dass mein handeln einen Effekt erzielt. Denn das (zeit) Kosten (moralische) Nutzen Verhältnis ist nicht gerade optimal. oder hat es wirklich einen Sinn gegen das vorgehen der NSA oder sich für eine 60% Reichensteuer einzusetzen, zu demonstrieren, oder Bürgerinitiativen zu gründen. Lobbyisten schaffen das, aber nicht in meinem Interesse.

    Ein Demokratie lebt von Debatte. Unterschiedliche Meinungen , wechselnde Politiker und der Einfluss vieler Menschen im Zeitenwandel - ohne geht es nicht.

    Fehlt die Abwechslung, kommt der Filz. Wer zulange in der gleichen Position sitzt, wird nicht besser, sondern korrumpiert. Von anderen. Von sich selbst. Betriebsblind. Weltfremd. Eine Tätigkeit läuft immer Gefahr, seine Reizpotentiale auszuschöpfen.

    Bei Parteien äußert sich das so, wie wir es schon in den 90ern bei CDU und in den letzten Jahren bei CSU mehr als deutliche erleben mussten: Korruption und Affären werden zur Tagesordnung. Die eigenen Gehälter werden aufgestockt, doch die staatlichen Problem weggeschwiegen. Es gibt immer mehr Geheimnisse, immer mehr Leugnung. Es gibt Gesetze, die einen die Haare raufen lassen (Meldeämtergesetz) und jeder zweite Politiker stellt Familienangehörige und Freunde mit viel zu hohen Gehältern in nahe Positionen. Gelder werden rausgeschmissen oder verschwinden unter dem Tisch (Mappus). Zu lange schon sind dieselben Personen in entscheidenden Ämtern und fühlen sich unangreifbar. Die Teflon-Minister regieren.

    Wer nicht wählt, der verrät die Demokratie. Wer Wiederwählt, der gefährdet sie.

    Eine neue Partei an der Macht wird im ersten Jahr bestes leisten. Sie wird bemüht sein, sie wird debattieren, sie wird sich profilieren und muss sich rechtfertigen. Frische Leute treten motiviert in ihre Ämter und lernen mit den Herausforderungen dazu. Alle schauen genau hin. Es wird eine gute Zeit.

    BÄM, und alles gelöst. Man zeigt unseren Angestellten was man von ihnen hält, und legitimiert sie nicht.

  1. ...ich bin ganz gerührt. Soviel Wahlmöglichkeit wie selten, ja? Toll, toll, toll.

    Aber jetzt mal im Ernst: Die paar Kinkerlitzchen, in denen ihr euch ach so groß unterscheidet sind, a) unmaßgeblich und b) werden im Zweifel sowieso nicht umgesetzt.

    Und was schert es mich, wo sich die "Jungvertreter" von der Altpartei unterscheiden, ihr habt doch sowieso nichts zu melden. Und die Wenigen, die von euch irgendwann ganz oben ankommen, da, wo man was entscheiden kann, die sind bis dahin so rundgeschliffen, satt und etabliert, dass sie von den früheren Idealen nichts mehr wissen wollen.

    Ehrlich gesagt, bin ich inzwischen der Meinung, dass man die Parlamente komplett einsparen könnte und direkt die Großkonzerne die Politik machen lassen sollte, die sie ja sowieso machen. "DER WIRTSCHAFT" wird doch inzwischen eh alles untergeordnet, da braucht es auch keine kostenträchtigen Mittler in Politik und sonstige Lobbyisten; man könnte eine Menge Geld sparen.

    Und bitte, bitte: Dieses Gefasel von "Demokratie", die andere gerne hätten: Es klingt wie früher das: "Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie Spinat hätten!" Ja, ist gut, wir dürfen uns äußern und "die da Oben" kritisieren. Es ändert nur nichts. Wir dürfen auch glauben, wir hätten ein "funktionierendes Rechtssystem", in dem Justizia blind ist. Frag nach bei Mollath.

    Aber schön, dass Sie den Bürger zur Dankbarkeit anmahnen, liebes CDUSPDFDP-Jungvolk

    31 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sehr schöner Kommentar.
    Besonders hervorheben möchte ich noch einmal:
    Zitat
    >>Und was schert es mich, wo sich die "Jungvertreter" von der Altpartei unterscheiden, ihr habt doch sowieso nichts zu melden. Und die Wenigen, die von euch irgendwann ganz oben ankommen, da, wo man was entscheiden kann, die sind bis dahin so rundgeschliffen, satt und etabliert, dass sie von den früheren Idealen nichts mehr wissen wollen.<<

    Leider kann man nur eine Leserempfehlung aussprechen.

    "Und was schert es mich, wo sich die "Jungvertreter" von der Altpartei unterscheiden, ihr habt doch sowieso nichts zu melden. Und die Wenigen, die von euch irgendwann ganz oben ankommen, da, wo man was entscheiden kann, die sind bis dahin so rundgeschliffen, satt und etabliert, dass sie von den früheren Idealen nichts mehr wissen wollen."

    Auch wer angeblich nichts zu melden hat, soll versuchen dürfen seine Meinung einzubringen.
    Gerade wer nicht ganz oben ankommen wird, weil er zu seiner Meinung steht, sollte sich das nicht vorwerfen lassen müssen. Und ob die Autoren zu denen gehören werden, die sich rundschleifen lassen, wissen weder Sie noch ich.

    aber Diktatur wollen (abschaffen der Parlamente) und auf gar keinen Fall sich selbst einbringen und mitmachen: klingt schizophren. -

    auf diejenigen, die sich tatsächlich dafür einsetzen und dafür arbeiten, daß Sie in einer Demokratie leben können, in der Sie sich lautstark darüber auslassen können, daß Sie sie nicht mögen - jedenfalls nicht so, wie sie ist.

    Das geht ja nun offenkundig nicht wenigen so, daß sie sich da an keiner Stelle so ganz richtig vertreten fühlen - aber wie naiv ist es denn anzunehmen, daß es 1. Parteien und Regierungen mit nur perfekt funktionierendem Personal geben könnte und daß 2. das allein ausreichend wäre, um jeden Einzelnen vor allem Unbill in der Welt zu bewahren!?

    Ich möchte die drei Verfasser dieser Replik auf den SPIEGEL-Kommentar ausdrücklich loben!

  2. Ich danke jedem Nichtwähler herzlich dafür, dass er meine eigene Stimme aufwertet.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • edgar
    • 31. Juli 2013 18:30 Uhr

    Einstellung.

    Ich tippe jedoch, dass, anders als der Artikel es vermuten machen könnte ("Manche Intellektuelle"), der größte Teil der Nichtwähler Ihre Meinung nicht lesen wird, da es eben nur manche Intellektuelle sind und der größte Teil der Nichtwähler wohl eher aus der bildungsfernen Schicht kommen wird.

    Und mit meiner Stimmabgabe bekommen die Parteien auch noch Geld.

    Manchmal frag ich mich selbst wo mein Interesse hin verschwunden ist.

    Früher habe ich mit den Augen gerollt, wenn eine neue Umfrage deutlich machte das etliche Prozent Deutschlands wichtigste Minister nicht kennen, heute gehöre ich selbst dazu (Wer ist nochmal gerade Finanzminister?).

    Die nächste Wahl wird jedenfalls die Erste, bei der ich einfach zu Hause bleibe.

  3. Dieser Artikel ist durch und durch von der inhaltslosen, floskelhaften Rhetorik von Parteifunktionären geprägt. Der Nichtwähler ist unter Garantie der einzige, der nicht bekommt was er will? Angesichts derartig einfallsloser Allgemeinplätze grenzt es schon an Frechheit, dem Beitrag auf den hier geantwortet werden soll Naivität zu unterstellen. Angesichts des bundespolitisch gebotenen Einheitsbreis bekomme ich nämlich zu 100% nicht das, was ich will und das hat rein gar nichts mit komplexen Problemstrukturen zu tun, sondern damit dass keine der etablierten Parteien auch nur ansatzweise das Gesellschaftssystem in Frage stellen, dass für die Probleme verantwortlich ist, für die ich mir von unseren demokratischen Institutionen Lösungen erhoffe. Solange aber alle nur das Gleiche vorschlagen, kann es mir doch völlig egal sein, welche Nuance nun eine politische Mehrheit findet. Oder um es mal ganz platt zu sagen: Scheiße stinkt immer, egal von welchem Tier. Der vorliegende Artikel von drei Nachwuchspolitikern vorgeblich unterschiedlicher Lager ist ein recht anschaulicher Beleg für diese These.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • edgar
    • 31. Juli 2013 18:26 Uhr

    Wenn alle Nichtwähler (immerhin so um die 40%) zumindest grundsätzlich Ihre Meinung hätten, keine etablierten Parteien zu wählen, stattdessen eine andere, die stärker ihren Wünschen entspräche, gäbe es höchst wahrscheinlich
    1.) die ein oder die andere Partei, die zusätzlich in den Bundestag einzöge
    2.) eine Schwächung der so geächteten etablierten Parteien

    Da der Nichtwähler sich in der Regel jedoch, ebenso wie Sie, lieber Phrasen drischt, kommt es nicht einmal dazu.

    Und Sie können mir nicht erzählen, dass es keine Partei gäbe,die in etwa Ihren Wünschen entspräche:
    Ach ja, wenn es natürlich ausschließlich nach Ihrer Nase und zu Ihren Gunsten gehen soll ....

    Für mich sind Nichtwähler assozial, im Sinne des Wortes, da Politik die oberste Klammer des Staates, des Sozialen ist.

    danke für diesen Artikel!

    auch wenn er, wie richtig bemerkt, von Parteifunktionären stammt, ist dieser Artikel wichtig, denn er zeigt wenigstens den Denkfehler der Wahlboykotteure auf: wenn die die zur Auswahl stehen alle schlecht sind, dann muss man sich selbst zur Wahl stellen, nicht zu Hause bleiben und nur meckern.

    es gibt einen inhaltlichen Unterschied zwischen dem was Sie gelesen haben:
    Der Nichtwähler ist unter Garantie der einzige, der nicht bekommt was er will?
    und dem Satz, der tatsächlich im Artikel stand:
    Der Nichtwähler ist der einzige, der unter Garantie nicht das bekommt, was er will.

    Will heißen: Der Wähler sagt: mir wäre wichtig, dass sich mit der nächsten Legislaturperiode x, y und z ändern. Wählt er eine Partei, die zumindest x und y versprechen, gibt es eine Möglichkeit, dass diese in die Regierung kommen. Und passiert das, könnte es auch sein, dass vielleicht x umgesetzt wird. Ich betone, es gibt die Wahrscheinlichkeit(!), Garantien gibts keine.

    Der Nichtwähler sagt: och, mir ist a, b und c wichtig, aber keine Partei arbeitet für meine Wünsche. Er hat die Garantie (!), das von seinen Wünschen nicht einer in Erfüllung geht.
    Möglichkeiten: entweder besser informieren, obs irgendwo jemand zu wählen gibt, der vielleicht doch ähnliche Ziele verfolgt. Oder selbst was machen. Oder natürlich meckern. Das geht immer.

  4. Wenn ich in einer Diskussion über Politik festellte, daß mein Gegenüber nicht wählen war, aber sich über die aktuelle Politik beschwert, dann breche ich die Unterhaltung sofort ab.
    Wer es am Sonntag nicht aus dem Bett schafft, um wenigstens einen Strich quer über den Wahlzettel zu malen, der hat meiner Meinung nach die kommenden vier Jahre auch nichts zu anzumelden:

    Meckern ohne Alternativen vorzuschlagen? Nope. Das ist Kindergarten.

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aber mit Leuten, die brav ohne nachzudenken ihr Kreuzchen machen oder wählen, wer grad die sympathischste Visage hat - mit solchen Leuten reden Sie dann weiter? Das nenne ich mal eine durchdachte Haltung. :D

    • H.v.T.
    • 31. Juli 2013 18:37 Uhr

    Dem Kern Ihrer Darlegung kann ich sofort zustimmen, nur mit Bezug auf den Artikel geb ich zu bedenken:

    Wenn das ´Kreuzchen´ dann an einer Stelle gemacht würde, die sämtliche etablierten Parteien und deren politischer Nachwuchs zutiefst ablehnten, unerheblich ob ganz links oder rechts, dann fragen Sie noch mal nach bei den obigen Artikelschreibern, ob denn eine Stimmenthaltung jener Wähler nicht wünschenswerter gewesen wäre.

    Ich unterstelle mal, die obigen Artikelschreiber schrieben nicht in diesem Sinne; vielleicht blenden jene diese Möglichkeit auch aus; einfach undenkbar, es könnte eine politische Richtung als Wahl-Ergebnis sein, das nicht zum Artikel passen würde ?

    Man bedenke, was man sich wünscht. Manchmal hat ein Theaterkritiker auch nur den besseren Vorschlag zum Erhalt der Demokratie, oder was man gerade darunter versteht.

    Die notwendige Replik auf Ihre Ansicht hat meiner Ansicht nach George Carlin am besten formuliert: http://www.youtube.com/watch?v=qxsQ7jJJcEA

    gilt als ungültig. Rechnerisch wird das fast genauso wie gar nicht gewählt gewertet. Es gelten nur gültige Stimmen, z.B. zur Berechnung der Prozentzahlen.
    Deswegen ist jede Stimme für eine Kleinpartei (unten auf dem Zettel) wirksamer, als ungültig oder gar nicht zu wählen.
    --
    17e6053a03d19f1a22ee368d642538f222d6f584c78e0f7c52f00c8d53098a

    dankedankedanke für diesen auf den punkt gebrachten kommentar. jeder versuch, menschen zu überreden, nicht wählen zu gehen, ist tatsächlich ein schlag ins gesicht. und zwar derer, die nicht wählen dürfen und derer, die sich wirklich abmühen, etwas zu verändern.
    arrogante nichtwähler sollten in den öffentlichen diskussionen denn auch zu allen themen zu wort kommen dürfen - außer zur aktuellen politik!

    • jeli
    • 08. August 2013 0:31 Uhr

    http://www.freiwilligfrei.info/archives/4688#comment-7528

    Ihr Kommentar ist absolut unlogisch: Ihrer Meinung nach erhält man ein Beschwerderecht ausschließlich durch die teilnahme an der Wahl! Man kannte die Spielregeln schon vorher, muss sie aber akzeptieren und daran teilnehmen um sich beschweren zu dürfen.

    Für alle die mehr darüber erfahren möchten: Schaut euch die unten angehängten Videos an: http://www.freiwilligfrei.info/archives/4844

    nicht moralisch mitschuldig machen will. Beispielsweise am Angriffskrieg gegen Afghanistan, der ja immer noch läuft.

    Dass meine Stimme wegen der 5% Klausel sowieso nichts wert wäre - denn weder die Blockparteien noch die SED-Nachfolgeorganisationen bekämen meine Stimme - kommt hinzu, ist aber unwesentlich.

    Mitreden tue ich, hier zum Beispiel. Die Stimme abzugeben überlasse ich anderen - denen, die die Politik der Blockparteien billigen.

    Super Einstellung, die man sich bei geheimen Walen durchaus erlauben darf. Oder entschuldigen sich die CDU/CSU Wähler neuerdings wenn ihre Partei mal wieder was verbockt ?

    Eine lustigs Symptom dieser "Demokratie", in der Menschen, die die Wahl treffen, dass keine der zur Wahl stehenden Parteien ihre Stimmer verdient (Denn ja, auch das ist Demokratie), stigmatisiert werden anstatt zu hinterfragen warum die Politikverdrossenheit in Deutschland zunimmt.

  5. Aber mit Leuten, die brav ohne nachzudenken ihr Kreuzchen machen oder wählen, wer grad die sympathischste Visage hat - mit solchen Leuten reden Sie dann weiter? Das nenne ich mal eine durchdachte Haltung. :D

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • edgar
    • 31. Juli 2013 18:34 Uhr

    "Aber mit Leuten, die brav ohne nachzudenken ihr Kreuzchen machen oder wählen, wer grad die sympathischste Visage hat - mit solchen Leuten reden Sie dann weiter?"
    Ja, genau, denn mit denen macht es Sinn sich über Ihre Wahl zu unterhalten und ihnen Alternativen aufzuzeigen - mit Verweigerern eben nicht.

    ja, manche leute reden sogar mit anderen leuten, die ohne nachzudenken kommentare verfassen! :)
    und wer bitte kann erfassen, ob sich jemand gedanken über seine wahl gemacht hat oder nicht? eine unterstellung dieser art macht es sich selbst ziemlich leicht....

    • edgar
    • 31. Juli 2013 18:26 Uhr

    Wenn alle Nichtwähler (immerhin so um die 40%) zumindest grundsätzlich Ihre Meinung hätten, keine etablierten Parteien zu wählen, stattdessen eine andere, die stärker ihren Wünschen entspräche, gäbe es höchst wahrscheinlich
    1.) die ein oder die andere Partei, die zusätzlich in den Bundestag einzöge
    2.) eine Schwächung der so geächteten etablierten Parteien

    Da der Nichtwähler sich in der Regel jedoch, ebenso wie Sie, lieber Phrasen drischt, kommt es nicht einmal dazu.

    Und Sie können mir nicht erzählen, dass es keine Partei gäbe,die in etwa Ihren Wünschen entspräche:
    Ach ja, wenn es natürlich ausschließlich nach Ihrer Nase und zu Ihren Gunsten gehen soll ....

    Für mich sind Nichtwähler assozial, im Sinne des Wortes, da Politik die oberste Klammer des Staates, des Sozialen ist.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Leere Rhetorik"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es tut mir Leid, aber Politik mit wählen gehen gleichzusetzen deutet meines Erachtens auf ein eher eigenartiges Verständnis von Politik hin. Aufgrund dieses Verständnisses dann aber andere Leute als asozial zu etikettieren ohne sich mit deren sicherlich vorhandenen Argumenten auseinanderzusetzen ist mindestens unfreundlich.

    Politisches Handeln sollte sich nicht im alljährlichen Kreuzchen machen erschöpfen. Wenn man beispielsweise in seinem Umfeld nach Dingen sucht, die einen Stören und die Behebung dieser Missstände dann engagiert anpackt, handelt man wesentlich sozialer.

    Im Übrigen frage ich mich was denn an ihren Optionen 1 + 2 so schlecht sein soll?

  6. ...hier angesprochen wird.

    Eigentlich ist es mir unbegreiflich, warum so viele Menschen glauben, dass sie sich klug verhalten, wenn sie nicht wählen gehen.
    In meinem Bekanntenkreis werden ständig Diskussionen darüber geführt.

    Zuerst ein Zitat aus einem anderen Forum:
    'In der Demokratie geht es nicht darum, OB man wählt, sondern WEN man wählt.'
    Vielleicht hilft auch ein mathematisches Modell um die Auswirkung des 'Nichtwählen' zu verstehen:
    Man stelle sich 100 Wahlberechtigte vor. Davon sind 4 FDP-, 11 SPD-, 15 CDU- und 10 Grünenwähler. 60 Wahlberechtigte haben sich noch nicht entschieden oder möchten die anderen vier Parteien nicht wählen. Wenn diese 60 Leute ihre Stimmen an andere Parteien abgeben, z.B. AfD, Linke oder Piraten, würde die FDP die 5% Hürde nicht schaffen, da nur 4 von 100 Wählern, diese Partei gewählt haben. Gehen aber von diesen 60 Unentschlossenen 50 nicht zur Wahl, wird die FDP die 5% Hürde problemlos schaffen, weil nämlich 4 von 50 abgegeben Stimmen 8% sind. Und somit hätten die 50% Nichtwähler dafür gesorgt, dass eine Partei im Bundestag sitzt, die eigentlich nur von 4 Leuten gewünscht wurde. Und deshalb haben Nichtwähler kein Recht hinterher über die Regierung zu schimpfen.

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auswahl gibt es außerdem reichlich -> https://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2013#Parteien Von marktradikalen Verschwörungstheoretikern bis zu Retro-Kommunisten, von christlichen Fundamentalisten bis zu Satirikern - ein breites Spektrum aller möglichen Farbtöne. Selbst bei der Partei der Nichtwähler kann über ein Viertel der Wahlberechtigten seine Kreuzchen machen. Selbst wer bloß seinen Protest gegenüber den Etablierten deutlich machen will, hat also Auswahlmöglichkeiten. Wessen Stimmen überdies auch noch eine Rolle spielen sollen, der muss sich nolens volens zur Wahl des aus persönlicher Sicht geringsten Übels bequemen. Das schränkt die Optionen zwar stark ein, aber deutliche Akzente in diese oder jene Richtung lassen sich so immer noch setzen. Die Bundestagsparteien sind mitnichten so ununterscheidbar, wie oftmals behauptet wird. Offen gestanden sind ja auch die politischen Auffassungen der allermeisten Wähler recht konventionell.
    Anbei noch eine kleine Nichtwählerbeschimpfung: Wer bei einem ziemlich breiten Angebot einerseits nichts Unterstützenswertes findet, aber andererseits auch nicht bereit ist, mit Gleichgesinnten eine eigene Partei zu gründen, der ist einfach nur faul und gleichgültig.

    aber leider starren alle immer nur auf die Prozentzahlen, die sich immer aus den abgegebenen Stimmen errechnen. Peer Steinbrück hat die Problematik (gültig nicht nur für die SPD) auf den Punkt gebracht. 2009 haben im Vergleich zu 2002 etwa 9 Millionen Menschen die SPD NICHT gewählt. Sie sind aber nicht zu anderen Parteien gegangen, sondern unter die Nichtwähler.
    Wer nicht wählen geht, überläßt anderen die (Mit-)Entscheidung über seine eigene Zukunft. Aber Demokratie besteht auch aus Beteiligung. Wer also meint, dass "die" Politiker alles falsch machen, sollte sich sofort einmischen: in Parteien, Bürgerinitiativen, Vereinen... Ich (67) begrüße die Replik der jungen Menschen ausdrücklich.
    Außerdem hoffe ich, dass sich alle die Neunmalklugen Forumsschreiber mal mit ihrem Klarnamen bekennen. Das gehört auch zur Demokratie. Aber dazu sind die meisten wohl zu feige.
    Heiner Geiß, Bonn

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Demokratie | Junge Union | Jusos | Wahl
Service