Unionsfraktionschef Volker Kauder hat sich für den Ausschluss seines Bruders Siegfried aus der CDU ausgesprochen, weil der sich als unabhängiger Kandidat um ein Bundestagsmandat bewirbt – und damit in Konkurrenz zur eigenen Partei tritt. "Das ist der klassische Fall für einen Parteiausschluss, und das muss auch so kommen", sagte der CDU-Politiker der Schwäbischen Zeitung. "Er kandidiert gegen einen von der CDU aufgestellten Kandidaten und will gleichzeitig Parteimitglied bleiben. Unabhängig von der Familienzugehörigkeit muss ich klar sagen: Das geht nicht", sagte Volker Kauder der Saarbrücker Zeitung.

Siegfried Kauder ist Vorsitzender des Bundestagsrechtsausschusses und mit 62 Jahren ein Jahr jünger als der Unionsfraktionschef. Er tritt im Wahlkreis Villingen-Schwenningen als unabhängiger Direktkandidat bei der Bundestagswahl im September an, nachdem ihn die CDU nicht wieder nominiert hatte.

Bereits vor den Äußerungen seines Bruders hatte Siegfried Kauder gesagt: "Sollte es ein Ausschlussverfahren geben, werde ich mich diesem natürlich stellen." CDU-Landeschef Thomas Strobl hatte ihm bereits einen Austritt nahegelegt. Damit könne er einem Ausschlussverfahren zuvorkommen.

Seit 2002 sitzt Siegfried Kauder für die CDU im Bundestag. Er hatte unter anderem gefordert, Urheberrechtsvergehen mit Netzsperren zu bestrafen und befürwortete als Vorsitzender des BND-Untersuchungsausschusses staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Journalisten. Zudem initiierte er einen fraktionsübergreifenden Gesetzesentwurf gegen Abgeordnetenbestechung. Der Vorstoß scheiterte an der Unionsfraktionsführung und somit auch an seinem Bruder Volker. Viele in der Unionsfraktion beschrieben in als Quertreiber.

Im eigenen Wahlkreis wurde Siegfried Kauder vorgeworfen, er würde sich nicht um die Basis kümmern. Er beantworte keine Briefe und suche nicht die Nähe zu Parteifreunden, hieß es. Die Anschuldigungen nannte Kauder selbst eine "Schlammschlacht".