Überpünktlich ist es, das rot-grüne Wahlkampfteam. Um 9.25 Uhr schreiten Katrin Göring-Eckardt und Peer Steinbrück Seit' an Seit' in die Bundespressekonferenz, fünf Minuten vor der anberaumten Zeit. Die Nachzügler unter den Journalisten laufen hektisch die große Eingangstreppe hoch, um nichts zu verpassen. Die beiden Spitzenkandidaten von SPD und Grünen haben die Hauptstadtpresse eingeladen, weil sie einen "sehr konkreten Fahrplan" (Steinbrück) für ihr Mindestlohnkonzept präsentieren wollen und natürlich hoffen, sich damit im für sie schleppenden Wahlkampf ein wenig brüsten zu können.

Am Ende ist das einzig Neue an dem "sehr konkreten Fahrplan" ein Datum: Zum 1. Februar 2014 könnte das bereits vorbereitete rot-grüne Gesetz über einen Lohn von mindestens 8,50 Euro in Kraft treten. Sagt Steinbrück und bleibt doch vorsichtig:  "könnte". Wenn SPD und Grüne die Bundestagswahl gewinnen, dann gebe es ja Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat, die für ein solches Vorhaben notwendig seien.

Mit den Mehrheiten ist es schließlich so eine Sache. Rot-Grün hat sie in den Umfragen  lange nicht mehr gesehen. Während die Grünen konstant 15 Prozent erreichen, kommen die Sozialdemokraten nicht aus ihrem Tief. Und die Union liegt bei über 40 Prozent, was den Dauerkritiker von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU), fröhlich "schüchtern" sein  lässt, wie er es diese Woche formuliert hat. In der Opposition hingegen macht sich langsam, aber sicher Resignation breit. Es gab sogar Überlegungen in der SPD, eine große Koalition nach der Wahl definitiv auszuschließen – um die eigenen Anhänger doch noch zu motivieren, zur Wahl zugehen.

Alt bekannte Statements statt Aufbruchstimmung

Höchste Zeit also für einen gemeinsamen Motivationsauftritt der Spitzenkandidaten, die Vorstellung eines konkreten Konzepts. Einer Pressekonferenz, die unterstreicht, dass hier zwei Parteien planen und sich abstimmen, dass sie trotz allem an die Regierung wollen, die Grünen und Sozialdemokraten. Vor einem guten halben Jahr gab es das schon mal, damals stellten der frisch gekürte Kanzlerkandidat und Jürgen Trittin ein Papier zur Bankenzähmung vor. Eine gut gelaunte Harmonieveranstaltung.

Göring-Eckardt und Steinbrück sprühen nicht vor Esprit. In der ersten halben Stunde tragen der Kanzlerkandidat und die Spitzen-Grüne ihre bekannten Statements vor, während der jeweils andere auf die Tischkante blickt. Der Mindestlohn sei "sozial gerecht und ökonomisch vernünftig" (Steinbrück), er helfe vor allem Frauen (Göring-Eckardt), er schaffe eine zusätzliche Kaufkraft von 19 Milliarden Euro (Steinbrück). Und natürlich sei er besser als die "Lohnuntergrenzen", die Schwarz-Gelb einführen und damit eigentlich an tariflichen Niedriglöhnen sowieso nichts ändern wolle.