Der türkische Vizeregierungschef Beşir Atalay © Adem Altan/AFP/Getty Images

Der türkische Vizeregierungschef Beşir Atalay soll Medienberichten zufolge die Juden im Land für die wochenlangen massiven Proteste in Istanbul und anderen Städten verantwortlich gemacht haben.  

Die Proteste, die Ende Mai mit Demonstrationen gegen Bauarbeiten im Istanbuler Gezi-Park begonnen hatten, "wurden von der jüdischen Diaspora organisiert, die bei dem Ereignis aktiv war", wurde Atalay in der türkischen Tageszeitung Hürriyet zitiert.

"Es gibt einige Kreise, die neidisch auf das Wachstum der Türkei sind", zitierte die Zeitung Today's Zaman den Stellvertreter von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan. "Sie vereinen sich alle, und auf einer Seite ist die jüdische Diaspora", sagte Atalay demnach. Auch die internationale Presse und andere "ausländische Kräfte" hätten sich an einer "Destabilisierung" der Türkei beteiligt. 

Atalay dementierte entsprechende Zitate. Er habe zwar die verzerrte Berichterstattung ausländischer Medien kritisiert, aber weder Juden in der Türkei noch außerhalb für die Massendemonstrationen verantwortlich gemacht.

Erdoğan selbst hatte wiederholt eine nicht näher definierte "Zinslobby" verantwortlich für die wochenlangen Proteste gegen die Regierung gemacht. Er kritisierte auch die internationalen Medien für die aus seiner Sicht manipulative Berichterstattung. Den Demonstranten warf er vor, sie ließen sich von staatsfeindlichen Kreisen instrumentalisieren, die die Demokratie und Wirtschaft der Türkei zerstören wollten.

Die türkische Regierung war wegen des brutalen Vorgehens der Polizei gegen Demonstranten international kritisiert worden. Zuletzt gab es am vergangenen Wochenende Massenproteste. 

Erdoğan war bereits früher wegen antizionistischer Äußerungen kritisiert worden. Bei einer UN-Konferenz in Wien zur Förderung des Dialogs zwischen Religionen und Völkern hatte er Ende Februar gesagt: "So wie das für Zionismus, Antisemitismus und Faschismus gilt, ist es unerlässlich, Islamophobie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu betrachten." Die Vereinten Nationen, die USA und Israel verurteilten Erdoğans Aussage scharf, wonach Zionismus ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" sei.