Fall Uli HoeneßWahlkampf vorm Fußballstadion

Die Jusos wollen Bilder der Kanzlerin in trauter Eintracht mit Steuerhinterzieher Hoeneß verteilen. Union und FDP schäumen, den Künstler freut's, die SPD hält sich raus. von 

"Wir Steuern das schon": das Motiv der Postkarte, die die Jusos am Wochenende 100.000-fach in Fußballstadien verteilen wollen.

"Wir Steuern das schon": das Motiv der Postkarte, die die Jusos am Wochenende 100.000-fach in Fußballstadien verteilen wollen.  |  ©Edition Staeck

Die Kanzlerin beugt sich etwas vor, lächelt, streckt Uli Hoeneß, der dasteht wie ein Gastgeber, die Hand entgegen. Ein Zipfel des Bayern-Schals um seinen Hals legt sich auf den Handschlag der beiden, besiegelt ihn. Ein starkes Foto ist es, dass da am 25. Mai dieses Jahres beim Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund entstanden ist. Stark vor allem deshalb, weil die damals große Diskussion um Hoeneß’ vermutliche Steuerhinterziehung so überhaupt keine Widerspiegelung in dieser freundlichen, fast vertrauten Begrüßung findet.

Nun kommt das Bild zurück ins Stadion. Am Wochenende wollen die Jusos, die Nachwuchsorganisation der SPD, eine Postkarte mit dem Motiv  100.000-fach vor deutschen Fußballstadien verteilen. Auf der Karte steht, der Kanzlerin den Mund gelegt: "Glückwunsch, Uli, wir Steuern das schon."

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Schon seit einiger Zeit macht die SPD mit dem Thema Steuerhinterziehung Wahlkampf. Doch so richtig gezündet hat es nicht. Jetzt versuchen es die Jusos mithilfe des  Fußball-Promis Uli Hoeneß. Weil Stadien aber normalerweise keine Arenen für Parteipolitik sind, und weil Hoeneß als Bayern-Präsident trotz allem sehr beliebt ist, wüten die politischen Gegner schon, bevor auch nur eine einzelne Karte verteilt ist. Die Jusos freut's.

Der Künstler ist kein Unbekannter

Der FDP-Lautsprecher Wolfgang Kubicki findet die Aktion "erbärmlich" und "an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten", der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt vermutet gar einen "antibayerischen Wahlkampf". Der Politiker macht sich außerdem zum ersten Verteidiger seines heimatlichen Fußballvereins und wirft den Sozialdemokraten vor, "Aggressionen gegen den FC Bayern schüren".

Derjenige, der sich die Postkarte ausgedacht hat, kann sich darüber nur freuen. Klaus Staeck sagte ZEIT ONLINE: "Ich hätte nicht gedacht, dass die so naiv sind und durch ihre Kritik selbst noch mal Aufmerksamkeit darauf lenken." Staeck ist nicht irgendwer, sondern einer der wichtigsten politischen Künstler des Landes, schon in den 1970er Jahren hat er berühmte Plakate für die SPD entworfen. Außerdem ist er seit 2006 Präsident der angesehenen Berliner Akademie der Künste.

Leserkommentare
  1. ...aber von der SPD ist das für mich etwas geschmacklos. Wir sind bei Gott nicht alle einer Meinung, wenn es um die Kompetenz von Mutti geht, aber ich denke man darf ihr als Fußballfan nicht übel nehmen, dem aktuellen Champions League Sieger und dessen Präsidenten zum Sieg zu gratulieren.

    Ganz ehrlich: wenn es am Ende nicht für die SPD reicht, dann nicht, weil die Union einen super Wahlkampf veranstaltet hat, sondern weil die SPD sich immer wieder selbst ins Abseits befördert.

    11 Leserempfehlungen
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    1. Ist diese Postkarte kein Produkt einer Partei, sondern von einem Künstler, der die Postkarte für 80 Cent verkauft.
    2. Nicht die SPD hat das Ding produziert oder gekauft, sondern die Jusos als Jugendorganisation der SPD.
    3. Der einzige Nutzniesser aus der Empörung über diesen "Gag" dürfte wohl der Künstler sein, der jetzt wohl noch eine Menge Karten nachdrucken kann.
    4. 100.000 verteilte Postkarten -von wem auch immer- werden den Beliebtheitswert Merkels nicht einmal im Promillebereich beeinflussen.
    5 Die Einzigen, die jetzt für mehr Aufmersamtkeit sorgen sind die politischen Gegner der SPD selbst.

    Die SPD ist klug genug das Geschrei der Gegner wirken zu lassen. Das passt sogar zu den jünsten Aussagen der SPD: Die Steuerhinterziehung bzw. -vermeidung wirksamer zu bekämpfen und damit Steuerentlastungen möglich zu machen.

    denn es entlarvt, dass sich Politiker im Glanz der Erfolge sonnen, die andere erzielen und es ist ihnen dabei egal, ob diese Menschen zweifelhafte Persönlichkeiten sind.

    Dass sich Politik mit so einem Plakat selbst entlarvt, macht es natürlich zu einer großartigen ungewollten Satire...

    der Bundesrepublik immer das Privileg der Linken. Ich habe als Heranwachsender beispielhaft die "Behandlung von CDU-Plakaten" in
    meiner Heimatstadt Essen/NRW gesehen. Ich war angeekelt.
    Dies Wahlkrampfkultur hat mich später zu eienem standfesten CDU-Wähler
    gemacht. Wissen diese Jusos eigentlich, was sie da tun? Politik hat immer
    auch mit Charakter und Kultur zu tun. Das sollten sich wirklich ernsthaft
    alle hier zu Herzen nehmen.

    in einer Form, die all denen, die ihr Geld vor dem deutschen Finanzamt in "Sicherheit" Absolution erteilt schließen?
    Hier hat, ganz unbescheiden, die SPD wohl doch den größten Verdienst daran, dass dieses nicht passiert ist, oder?
    Bei uns fehlt einfach der Sinn für das Gemeinwohl, denn der Staat braucht Geld, um seine Aufgaben erfüllen zu können und jeder sollte doch eigentlich freiwillig ohne Wenn und Aber seinen Anteil von seinem Einkommen an den Staat abgeben, damit er so funktionieren kann, wie es gewünscht wird.
    Wobei ich auch erwarte, dass mit dem Geld auch vernünftig umgegangen wird. Ein Schritt wäre hier, die Verantwortlichkeit und Haftung hier neu zu regeln.

  2. >> Der FDP-Lautsprecher Wolfgang Kubicki findet die Aktion "erbärmlich" ... <<

    ... so zimperlich, Herr Kubicki. Sie teilen doch selbst gern aus - Frau Homburger kann ein Liedchen davon singen.

    Und Herr Hoeneß hat das von der Regierung geplante Steuerabkommen eigens lobend erwähnt und bedauert, dass es nicht umgesetzt werden konnte. Das kann man durchaus als Wahlkampfhilfe für die Regierung werten - in gewissen Kreisen.

    40 Leserempfehlungen
    • lugeerl
    • 23. August 2013 16:35 Uhr

    Eigentlich wollte ich bei dieser Wahl SPD wählen.
    Aber ich mag die NRW-Vereine nicht.

    Eine Leserempfehlung
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    Glückwunsch zu ihrem Beitrag. Besser kann man die geistlose Haltung vieler Wähler nicht karikieren!

  3. Wieso wir hier behauptet, die SPD halte sich raus? Frau Nahles hat doch angekündigt, „die Jusos würden die Postkarten unter anderem in Hannover, wo Schalke spielt, und beim Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen verteilen. Bis zu 100.000 Karten wolle man unter die Leute bringen.“ http://www.spiegel.de/pol...

    Mittlerweile distanziert sich die SPD. Aber das „Eigentor“ hat Frau Nahles bereits geschossen.

    4 Leserempfehlungen
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    intern wird im Willy Brand Haus schon gemunkelt, dass man sich Frau Nahles nach der Wahl ihre Kompetenz angemessen entledigen wird.

    Allgemein gibt es doch zu dieem Wahlkampf zu dem Kandidat und zur kompletten Opposition nichts zu sagen:
    Ein Vortragsmillionär ,der klamme Kommunenkassen raubt und jetzt den großen Vorkämpfer fürs soziale gibt ,ist doch nur peinlich.
    Dasselbe gilt für die Grünen ,deren Wahl in gewissen Kreisen ,nach einem ZEitartikel, als "moralischer ABlasshandel" gesehen wurde.

    pro Bildung f+r alle und die eigenen Kinder auf die Privatschule.
    So machte es Ypsilanti mit ihrem Sohn und auch Hannelore Kraft
    Diese FOrm der Heuchelei ist doch nicht auszuhalten.

    "Aber das „Eigentor“ hat Frau Nahles bereits geschossen."

    Jetzt mal im Ernst, wer ist diese Frau? Sie gilt als 'links', das ist nun wirklich einer der größten Treppenwitze in der beschämenden Geschichte der Partei, deren Kürzel ich mit Schäbig-Peinlich-Dumm zu übersetzen mir angewöhnt habe.

    Ihre Leistungen: Der Entwurf der 'Guten Gesellschaft' in Zusammenarbeit mit dem britischen Großkapital, zweitens die geniale Idee, die Plakatfarbe der SPD-Wahlplakate von Rot zu Lila zu wechseln.

    Wie ist so etwas in einer vorgeblich demokratischen Organisation mögich?

  4. aber genau das, was man von den linken Parteien erwarten kann. Das passt genau ins Bild: Den politischen Gegner so billig zu diffamieren, anstatt selbst irgendwas auf die Beine zu stellen. Solche Parteien sind unwählbar. Von der CDU wäre eine vergleichbare Aktion nicht zu erwarten.

    14 Leserempfehlungen
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    • NGC1672
    • 23. August 2013 16:41 Uhr

    "Kinder statt Inder", das ist erbärmlich!

    Inhaltsleere, aber diffamierende "Rote-Socken"- Kampagnen in zig veschiedenen Ausprägungen...

    • AvisFu
    • 23. August 2013 17:15 Uhr

    ...ist, dass die beiden "Steuerhinterziehungsparteien" schechthin in Hessen Steuerfahnder haben für verrückt erklären lassen und Gustl Mollath wegen berechtigter Schwarzgeldvorwürfe in die Klapse gebracht haben. In Hessen ist ein FDP-Minister als Steuerhinterzieher mit zig Scheinfirmen entlarvt und was war? Rücktritt? xD Das ist das "bürgerliche Lager"! Da wird ausgesessen! Die Hessen bezahlen diesem Straftäter auch noch seine Abgeordnetendiät, er hat den Landtag nicht verlassen! DAS ist erbärmlich! Und das man Straftätern nicht die Hand gibt, versteht sich von selbst.

    Kann mir jemand mal einen anderen Steuerhinterzieher nennen, bei dem sich die STAATSANWALTSCHAFT schlau macht, wie man ihn möglichst schonen kann???

    Lächerlich, dieses getue. Und Herr Kubicki kann sich ausnahmsweise mal geschlossen halten.

    • hakeen
    • 23. August 2013 18:40 Uhr

    Alle Linke Parteien würden so was machen.
    Ja, und alle konservative Parteien sind faschischten..

    Ich sehe keine große Unterschied zwischen solche Vorwürfen beider Seiten.

    ... den Ironietag nämlich!

    als die "Rote Socken", "Freiheit statt Sozialismus" usw. Kampagnen der CSU/CDU in der Vergangenheit!

    Haben Sie die letzten Jahren unter Tage zugebracht? DIe SPD hat seit der Schröder-Ära alles daran gesetzt, ihre sozialen Prinzipien über Bord zu werfen. Dort wird längst keine Politik mehr für "den kleinen Mann" gemacht. Abschaffung der Vermögenssteuer? Rot-Grün. Senkung der Unternehmenssteuer? Rot-Grün. Agenda 2010? Rot-Grün. Deregulierung der Finanzmärkte? Rot-Grün. Das ist Politik, wie man sie von Schwarz-Gelb nicht anders erwartet hätte, aber sowohl SPD als auch GRÜNE haben sich überr Jahre hinweg verraten.

    Es wäre ja zu schön, wenn die SPD mal wieder linke Politik machen würde. Nur ist sie davon meilenweit entfernt.

    • NGC1672
    • 23. August 2013 16:40 Uhr

    "Union und FDP schäumen"

    36 Leserempfehlungen
  5. Ich kann Steack nur zustimmen. Auch ich habe mich sehr geärgert, dass sich Frau Merkel im entscheidenen Moment nicht distanziert hat. Sie hatte Zeit genug zum Überlegen, und hat sich lächelnd auf die Seite des Gewinners Hoeneß gestellt. Selbst schuld.
    Wenn man mit solcher Kumpanei nicht Wahlkampf machen soll, dann weiß ich nicht, womit sonst.

    37 Leserempfehlungen
  6. ...Gerhard Schröder bei GasPromm verteile, oder von Wolfgang Clement. Das ist so eine bescheuerte Idee, Wahlkampf auf dem Rücken anderer. Ist ja gut zu wissen, dass ein SPD Politiker den Hoeneß nicht begrüßt hätte.

    Aber da sieht man mal wieder: Der meiste Dreck kommt von den moralisch Sauberen...

    Der Grünen Jugend wäre das sicher viel zu Establishment gewesen...

    Rot/Grün amerikanisieren den Wahlkampf und dafür bekommen sie von mir keine Sympathiepunkte. 1.2 Promille auf dem Fahrrad, Tempo 130 auf der Autobahn und jetzt ein Bild... das sind die Wahlkampfthemen.

    Aber gut, in den Linken Kreisen reicht oft ein einziges Foto und alles ist klar. Bei Drygalla reichte ja ein total verpixeltes Handyfoto... welches sich später als falsch rausstellte. Und auf Demos reicht auch oft ein Foto und ALLES ist klar ??? Aber egal. Das eigene Ego hat Vorrang...

    4 Leserempfehlungen
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    >> Ist ja gut zu wissen, dass ein SPD Politiker den Hoeneß nicht begrüßt hätte. <<

    ... hätte insbesondere kein Steuerabkommen vereinbart, bei dem solche Leute wie Hoeneß billig wegkommen zu Lasten des normalen Steuerzahlers.

    Wessen Rücken meinen Sie jetzt?

    Den von Frau Merkel, die sich im Glanze eines bekennenden Steuerhinterziehers sonnt?

    Oder auf dem Rücken von Hoeness, der jahrelang den Moralapostel gespielt hat und vielleicht mehrere hundert Millionen nicht versteuert hat?

    Oder meinen Sie, dass jemand, der sich öffentlich zu einer Partei bekennt, dann dennoch nicht damit in Verbindung gebracht werden darf?

    Oder meinen Sie damit, dass man im Wahlkampf nicht auf die Verfehlungen anderer hinweisen darf?

    Bestimmt haben Sie bei der BILDerfindung " R2G " geklatscht und das als suuuper-gut befunden ... aber da geht es ja um Steinbrück bzw. um die SPD.
    Das ist ja was ganz anderes ... nicht wahr !

    auf dem Rücken des politischen Gegners ausgetragen. Seit Jahrzehnten. Seit Jahrhunderten. Schon immer haben sich Parteien gegenseitig mit Dreck beworfen und keine Gelegenheit ausgelassen, dem Gegner selbst Nebensächlichkeiten unter die Nase zu reiben.

    Immerhin stammt die Aktion von den Jusos, die sich tatsächlich noch etwas Glaubwürdigkeit bewahrt haben - bevor dann die Emporkömmlinge in der "großen" Partei zerrieben und assimiliert werden. Ich hätte es auch eher komisch gefunden, wenn die Aktion von der SPD selbst gekommen wäre. Jener Partei, die mit Abschaffung der Vermögenssteuer ja Klientelpolitik für Leute wie Hoeneß gemacht haben. Na vielleicht kam auch ein Fingerzeig von oben, man weiß es nicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Uli Hoeneß | SPD | Klaus Staeck | Wahlkampf | Alexander Dobrindt | Bundesliga
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