Leserartikel

BundestagswahlEin deutscher Pass ist nicht genug

Leser Michael Bojdys ist Deutscher, lebt in England und wird sich an der Bundestagswahl beteiligen. Als Auslandsdeutscher für ihn keine Selbstverständlichkeit. von Michael Bojdys

Auslandsdeutsche besuchen in der Regel kein Wahllokal, sondern wählen per Briefwahl.

Auslandsdeutsche besuchen in der Regel kein Wahllokal, sondern wählen per Briefwahl.  |  ©Andreas Rentz/Getty Images

Jede Woche erhebt die Wahlforschung in Deutschland Zahlen, die im Idealfall die politische Stimmung der 61,8 Millionen Wahlberechtigten wiederspiegeln. Diese Erhebungen sind auf der Website des Bundeswahlleiters öffentlich einsehbar. Manchmal werden sie in Form von Balken- oder Kreisdiagrammen veröffentlicht. Die Öffentlichkeit interessieren sie allerdings kaum.

So weit, so bekannt. Doch 2013 kommt – weitgehend unbeachtet – eine unberechenbare Variable hinzu: Mit der 21. Änderung des Bundeswahlgesetzes hat der Bundestag einer bislang nicht berücksichtigten Gruppe potenzieller Wähler den Gang zur Wahlurne geebnet: den sogenannten Auslandsdeutschen.

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Auslandsdeutsche, dieses umständlich-bürokratische Determinativkompositum, das sich mehr nach Ausschluss als nach Teilnahme anhört, beschreibt Menschen wie mich und viele andere, die lange genug im Ausland gearbeitet, gewohnt und gelebt haben – und die mit mehr oder weniger konkreten Gedanken spielen, ihren Lebensmittelpunkt vielleicht irgendwann mal nach Deutschland zurückzuverlagern.

Bislang war Auslandsdeutschen die Teilnahme an der Bundestagswahl nur eingeschränkt möglich, und nach mehr als zehn außerhalb Deutschlands verbrachten Jahren gar nicht mehr. Die neue Regelung weitet die Frist auf 25 Jahre aus.

Kein Wahlfrust bei Deutschen im Ausland

Aber wie viele von uns gibt es eigentlich? Dazu kann das Statistische Bundesamt auch auf schriftliche Anfrage hin leider keine Auskunft geben: Es liegen keine Schätzungen zur Anzahl von im Ausland lebenden Deutschen vor, da keine Meldepflicht bei deutschen Vertretungen im Ausland besteht. Tatsächlich kennt mich die Botschaft in London auch nur von panischen Anrufen zum Verlust des Reisepasses.

Hilfreicher ist da schon das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat). Es beziffert die im europäischen Ausland lebenden Deutschen auf 1,14 Millionen (2010). Eine Gruppe von Wahlberechtigten vom Einwohnerumfang der Stadt Köln wird den Ausgang der Bundestagswahl nicht maßgeblich beeinflussen.

Warum dann dieser Artikel? Will ich damit dem wahrscheinlich hoffnungslos überarbeiteten Personal der Bürgerämter gegenüber meine "persönliche und unmittelbare Vertrautheit mit den politischen Verhältnissen in der Bundesrepublik Deutschland" verdeutlichen? Den Nachweis darüber hat der Auslandsdeutsche im Einzelfall nämlich zu erbringen, will er denn ins Wählerverzeichnis eingetragen werden. Deutsche Zeitungen zu lesen reicht da nicht aus. Einen deutschen Pass zu haben übrigens auch nicht.

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Oder will dieser Artikel beanstanden, dass der Bundestag auch nach dieser begrüßenswerten Änderung des Wahlrechts nicht zur Kenntnis nimmt, dass unsere EU-Nachbarländer das Wahlrecht ihrer Bürgerinnen und Bürger im Ausland weit weniger restriktiv handhaben?

Auch. Vor allem aber soll dieser Artikel ein Aufruf an alle Mit-Auslandsdeutschen sein, an dieser Bundestagswahl teilzuhaben. In Deutschland mag sich Wahlfrust breitmachen, aber nicht unter Deutschen im Ausland. Bei meinen deutschen Kolleginnen und Kollegen in Großbritannien ist die Resonanz auf diese neue Möglichkeit der Teilnahme enorm: "Ärgere mich schon seit Jahren, ausgeschlossen zu sein", höre ich, oder "Habe heute meinen Wahlscheinantrag abgeschickt". Politikverdrossenheit geht anders.

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Leserkommentare
  1. Wer vor weniger als 25 Jahren noch in Deutschland gelebt hat, braucht keine Verbundenheit mit Deutschland nachzuweisen, der damalige Wohnsitz in Deutschland genügt völlig. Die Möglichkeit, eine Verbindung mit dem politischen Leben in Deutschland nachzuweisen, betrifft nur Menschen, die nie oder nur vor mehr als 25 Jahren in Deutschland gelebt haben; sie ist eine zusätzliche Möglichkeit, keine Voraussetzung, die für alle erfüllt sein muss. Insofern informiert der Artikel falsch. Vgl. das Antragsformular.

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    Sie haben Recht, Kleopatra, wer Deutschland vor weniger als 25 Jahre verlassen hat, kann sehr unbürokratisch auf Antrag in seinem letzten deutschem Wahlkreis wählen.

    http://www.bundeswahlleit...

    In Frankreich werden die Auslandsfranzosen in eigenen (natürliche sehr grossen) Wahlkreisen zusammengefasst und haben dadurch eigene Abgeordnete in Direktwahl. Dies erscheint mir vorteilhafter, als das deutsche System, in dem die demokratische Vertretung der Auslandsdeutschen auf alle Abgeordnete verteilt ist, und daher de facto kaum stattfindet.

    http://fr.wikipedia.org/w...

    Nebenbei, zu 2.) jocaidre: da die Auslandsdeutschen in ihrem Gastland i.d.R. nicht wählen dürfen (zumindestens nicht auf der nationalen Ebene, es sei den sie haben eine doppelte Staatsangehörigkeit), wer soll uns den sonst demokratisch vertreten? Oder soll die Demokratie für Auslandsdeutsche nicht gelten?

    "Nachweis [...] im Einzelfall [...] zu erbringen, [...]"

    Danke für die Ergänzung, aber der Artikel informiert an dieser Stelle nicht falsch.

  2. hier wählen zu dürfen. Was soll das bitte?

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    Und wieso sollten Deutsche die Deutschland verlassen haben kein Wahlrecht haben? Es gibt heutzutage Deutsche, die Nichtdeutsche heiraten und dann in einem anderen Land leben. Das heißt allerdings nicht, dass sie sich nicht für D interessieren und sich politisch auf dem Laufen halten. Wer einen Deutschen Pass hat, sollte alle Rechte wie andere Deutsche auch haben.

    Es gibt jede Menge von Deutschen, die im Auftrag und/oder fuer das Wohl Deutschlands mehrere Jahre im Ausland leben: Diplomaten, staatlich entsandte Entwicklungshelfer, Mitarbeiter von NGOs und Stiftungen, Soldaten, Journalisten und Auslandskorrespondenten, entsandte Expats deutscher Firmen und viele mehr.

    Die sollen alle nach Meinung einiger Kommentatoren hier nicht waehlen duerfen? Warum das denn? Gilt die Demokratie in Deutschland denn fuer diese Menschen nicht?

    • hirmer
    • 14. August 2013 8:41 Uhr

    Ich unterstütze jede Bestrebung, dass ein Deutscher in dem Land wählen darf, in dem er wohnt. Sei es die Schweiz, die USA oder Thailand. Aber nicht noch zusätzlich in Deutschland, dessen Verhältnisse ihn dann kaum mehr betreffen. Auch Ausländer bei uns sollten das volle Wahlrecht haben.

    Wahlrecht für Auslandsdeutsche ist nur ein durchsichtiger Versuch konservative Stimmen zu holen: Es wandern kaum arme (= ev. linke) Deutsche aus und wenn ja, halten sie sich nicht lange dort und haben und hätten ohnehin nicht gewählt. Auslandsdeutsche aus den USA oder Brasilien, die im Fernsehen auftreten, sind meist stockkonservativ. Man muss Geld haben, um sich im Ausland etablieren zu können, das engt die politische Einstellung doch sehr ein.

    Wer im Ausland lebt, kann durchaus von der in Deutschland gemachten Politik betroffen sein. Schließlich wird Auslandspolitik betrieben - angefangen von Entwicklungshilfe, bis zu bilateralen Beziehungen und Freihandelsabkommen, von der Auslandsdeutsche durchaus betroffen sein können. Zudem heißt Auslandsdeutscher nicht zwangsläufig immer Auslandsdeutscher: Wer zurückgeht, ist dann auch von der Poltik betroffen. Das Wahlrecht für Auslandsdeutsche wird einer globalisierten Welt gerecht. Somit ist es durchaus sinnig, daß Auslandsdeutsche mit über die Zukunft ihres Landes mitentscheiden dürfen. Ob die Wahlen an sich in der Form sinnvoll sind, steht auf einem anderen Blatt.

    ... auch ich besitze zwei (2!) Staatsbuergerschaften, gehe aber auch nur dort waehlen, wo ich meinen Lebensmittelpunkt habe. Der ist hier in UK.

    Da ich mich unter 100&iger Garantie NICHT mit dem Gedanken trage, jemals wieder 'dauerhaft' zurueckzukehren, warum sollte ich in Deutschland waehlen gehen?

    Man kann Paesse besitzen so viel man moechte, waehlen sollte man jedoch nur dort duerfen, 'wo' man seinen Lebensmittelpunkt (in der Regel durch Erstwohnsitz kenntlich gemacht) hat und Steuern zahlt. Alles andere ist ueberfluessige Buerokratie.

    Das Argument der 'Aussenpolitik' (in diesem Falle Deutschlands) kann mir doch, flapsig gesagt, herzlich egal sein. Sie betrifft mich nicht mehr...

    Cheers

    P.S. Und wenn man Uebersiedelt (EU) oder Auswandert, dann sollte man es mit ganzem Herzen machen. Wenn man 'ueberlegt' irgendwann mal wieder zurueckzukehren, kommt man nie an...

    • JanfriV
    • 14. August 2013 11:51 Uhr

    Man kann Deutschland zwar verlassen, Deutschland verlässt einen im Ausland aber leider nie. Täglich müssen Auslandsdeutsche in beispielsweise in Portugal, Griechenland und Spanien ungewollt Dienst am Vaterland leisten und erklären, dass nicht alle Menschen in Deutschland Bierzelte lieben und Türken hassen, dass es einen Unterschied zwischen deutschen Menschen, deutscher Wirtschaft und deutschem Staat gibt und dass Hitler und Merkel nicht identisch sind.

    Was ist denn das für eine haarsträubende Argumentation? Meine einzige Staatsbürgerschaft ist deutsch, und nur weil ich wie viele andere Deutsche ein paar Jahre berufsbedingt im Ausland lebe, heißt das doch nicht dass ich nicht direkt von deutscher Politik betroffen bin!

    - Meine einzige Staatsbürgerschaft ist deutsch, dass heißt ich bin von dt. Aemtern für meine Dokumente abhängig.
    - Ich habe jahrelang Rentenbeitraege gezahlt, die zukünftige Rentenpolitik betrifft mich
    - Ich habe in D Wohneigentum für das ich Steuern zahle, und bin von gesetzlichen Regelungen zu Energieeffizienz, Sanierung, Mietrecht etc. betroffen.
    - Meine Kinder sind deutsch, und werden irgendwann mal auf eine dt. Schule oder auch Hochschule gehen, sind daher von Bildungspolitik betroffen.
    - Sowohl ich als auch meine Kinder werden irgendwann einmal Erben, was nach dt. Recht geregelt wird.
    - Mein Gehalt ist in Euro, europäische Wirtschaftspolitik (massgeblich von D beeinflusst) betrifft mich direkt
    - ich kann in meinem Gastland nicht wählen, somit ist mein dt. Wahlrecht meine einzige demokratische Teilhabe am europäischen und weltpolitischen Geschehen.
    - Für viele Menschen in meinem Gastland bin ich der erste Vertreter Deutschlands den sie persönlich kennen. Ich leiste meinen Beirag für Deutschlands Ansehen in der Welt.

    Und da sagen Sie ich solle kein Recht haben zu wählen??

    • voy
    • 15. August 2013 17:22 Uhr

    bin ins Ausland geschickt, und davor auf eigene Rechnung im Ausland, aber ich bin Deutscher, bei so einer Argumentation, würde dann oft der letzte Draht nach D auch noch gekippt. Wir befinden uns in der Globalisierung, und deutsches Schrebergartendenken, sollte eigentlich eine Region breiter sein mittlerweile.Viele sind im Ausland und auch hier wird innerhalb der Auslandsdeutschen durchaus über Wahl geredet. Das Wahlrecht sollte sehr wohl auch Auslandsdeutschen zustehen, obwohl die Bürokratie hier auch mal wieder zugeschlagen hat. Es hätte auch ein bischen einfacher sein können um in das Wahlregister reinzukommen. Oft funktioniert nämlich auch die Post in vielen Ländern nicht, kein Ahnung ob die Bürokraten in D auch an sowas gedacht haben, Sieht aber nicht so aus.

    ...der so etwas absurdes behaupten darf. Ich glaube die Bundesbürger im Ausland sind diejenigen mit der weitaus kritischeren Betrachtung der momentanen Situation in Deutschland. Und das macht sie wahrlich nicht zu Wählern zweiter Klasse.

    • grwilli
    • 20. August 2013 16:03 Uhr

    Als Antwort auf Ihre diversen Einlassungen möchte ich bloß daran erinnern, dass man als Staatsbürger das Wahlrecht hat und nicht als Sich-in-D-aufhaltender. Es gibt gar nicht so wenige Deutsche, die im Ausland leben und man verliert durch den Ortswechsel ja nicht seine Staatsbürgerschaft. Die muss man aufgeben, wenn man Bürger eines Landes werden will, dass keine Doppelstaatsbürgerschaft zuläßt.
    Ich lebe im Ausland und habe die Teilhabe an Bundestagswahlen selber durchexerziert. Das Verfahren ist derart umständlich, dass man schon den Eindruck erhält, eine Teilnahme der Auslandsdeutschen an der Bundestagswahl sei nicht erwünscht.
    Praktisch wäre es, wenn man in Botschaften oder Konsulaten wählen könnte, wie es z.B. die Franzosen können.

    • sattva
    • 22. August 2013 14:25 Uhr

    Gut die 50% der Deutschen sind Wahlmüde und unfahig ihre eigene Meinung öffentlich zu vertreten. Die gehen lieber auf eine Party als zur Wahl. Weshalb sollen dann Ausland-Deutsche nicht zur Wahl kommen. Die denken noch und sind ihrer Verantwortung bewusst. Aber wenn ich mit einem ordentlichen Deutschen rede und als Antwort bekomme: Ich weiß nicht welchen ich Wählen soll. Darum gehe ich nicht zur Wahl. Dann Frage ich mich ob der Deutsche noch alle Tassen im Schrank hat. Es genügt doch, wenn ich zur Wahl gehe und einen DICKEN STRICH ÜBER DEN WAHLZETTEL mache. Dann ist meine Meinung bekannt.

    Entschuldigen Sie bitte, aber Ihre Aussage ist ja wohl reaktionärer Quatsch. Ich studiere in England und bin derzeit für ein Jahr hier. Meinen Wohnsitz in Deutschland habe ich nur verloren, weil ich mich abmelden musste, denn die Gebühr für die Biotonne wäre ja durch mich sonst zu unrecht gezahlt worden. Biotonne ... aha. Ich habe also zuvor über 3 Jahre der vergangenen Legislaturperiode in Deutschland gelebt. Bin also schon ein richtiger Deutscher. Nun dachte ich mir, ich kann ja als Auslandsdeutscher jetzt wählen. Jetzt musste ich dieses Wochenende aber feststellen, dass ich dazu beantragen muss ins Wahlregister aufgenommen zu werden. Der Antrag kann auch nicht gefaxt werden - und das beste - er musste gestern, Sonntag, beim Wahlamt eingehen. Ich hab da einfach mal aus Interesse nachgefragt, was die da mit dem Antrag an einem Sonntag machen. Antwort: Nix! Reine Bürokratiewillkühr. Erneut: Aha. Mal ehrlich, ich sollte bei tendenziell sinkender Wahlbeteiligung wegen des preußischen Übermuts einiger Bürokraten als Wähler nicht zum Bittsteller werden müssen! Und es ist schon sehr merkwürdig, dass ich überhaupt ins Wahlregister meines letzten Wahlkreises aufgenommen werden muss. Da wäre es doch in der Tat leichter gewesen einen neuen Wahlkreis "Deutsche Botschaft, London" zu gründen. Da wäre ich hingegagen und hätte den verdammten Zettel ausgefüllt... Entschuldigung für die lange Antwort, aber ich musste gerade mal Frust ablassen!

  3. Genau das frage ich mich auch. Wie kann man denn so anmaßend sein, dass man meint, man verlässt ein Land und hätte dann noch das Recht dazu, die Politik dieses Landes mitzubestimmen?

    Die Menschen, die in einem Land leben, bestimmen über die Politik, weil sie auch direkt davon betroffen sind - im Gegensatz zu denjenigen, die diese Gesellschaft verlassen haben. Die haben damit das Recht verwirkt, mitzubestimmen in dem Land, von dem sie kein Teil mehr sind.
    Und sich dann auch noch darüber beschweren, dass angeblich zu viele Formalitäten einzuhalten seien für Auslandsdeutsche. Mir erschließt sich nicht, wie man so vermessen sein kann.

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    "Die Menschen, die in einem Land leben, bestimmen über die Politik" Nach der Logik, lässt man dann alle die in Deutschland leben ach Ausländer in Deutschland wählen.

    als Deutscher Staatsbuergetr hat mann die verpflichtung zu waehlen im in- und ausland. Ich denke die meissten deutschen die wie ich im ausland leben wuerden gerne wieder nach dt zurueckziehen. Bedenken Sie mal wer denn ins auland geht. Das ist nicht der durchschnitt der bevoelkerung sondern sind ueberdurchschnittlich hochgebildet. Die verprellen sie dadurch dass Sie ihnen ein stueck ihrer identitaet nehmen. Ihre ansicht erscheint mir ein bisschen trotzkoepfig und unreflektiert.
    Austausch e.g. wissenschaft und auch wirtschaft ist wichtig, dass geht nun mal nicht in einem hlaben jahr auslandsaufenthalt.
    Seit vielen jahren ist es klar das dt sich es ueberhaupt nicht leisten kann leute auf jedem niveau hervoragend auszubilden und dann abwandern zu lassen. Es gibt mitlerwiele viele rueckkehrer programme.
    Aber Sie wollen diese ruckkehrer weiter von ihrer heimat entfremden.
    Ueberlegen Sie erst mal ein bisschen bevor Sie drauflosplappern.

    Ich halte es für vermessen, mithin insinuierend, Auslandsdeutschen zu unterstellen, die Gesellschaft verlassen zu haben.

    Stellen Sie sich vor, wir haben unsere Familien in Deutschland, Eltern, Geschwister, Angehörige, besuchen diese regelmässig und halten uns Teile des Jahres in Deutschland auf; vielleicht haben wir dort sogar immobiles Eigentum.

    Aber was noch wichtiger ist: Ein Wegzug ins Ausland bedeutet nicht, die Gesellschaft zu verlassen, denn die deutsche Gesellschaft, insbesondere in der Ausformung ihrer deutschen Behörden, tritt immer wieder an uns Auslandsdeutsche heran, obwohl wir im Ausland leben - und verlang sogar, dass wir uns an der Gesellschaft beteiligen.

    Z.B. mit der Klärung von unseren Rentenverhältnissen. Oder aber wenn es darum geht, von Auslandsdeutschen Unterhalt für pflegebedürftige Angehörige in Heimunterbringung zu kassieren - auch wenn sowas in den Ländern in denen wir nun vielleicht wohnen mit unseren täglich bezahlten Steuern finanziert ist. Da werden wir ggf. also doppelt belastet.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Da ein langjähriger Auslandsaufenthalt nicht die Bindung und die Verpflichtung gegenüber dem deutschen Staat beendet, mithin sogar wirtschaftliche Konsequenzen aus der deutschen Staatsbürgerschaft trotz Leben im Ausland folgen können, ist es völlig natürlich, dass Auslandsdeutsche weiterhin ihr Wahlrecht ausüben wollen/sollen/dürfen um somit über das mitzubestimmen, was sie weiterhin betreffen kann.

    Herzlichst,

    Bandhagen

    Auslandsdeutsche sind immer noch deutsche Staatsbürger.
    Damit betrifft sie immer noch die deutsche Politik, insbesondere die Auswärtige- und Europapolitik (Wenn sie im europäischen Ausland leben).
    Denn andererseits dürfen sie auch nicht an ihrem neuen Wohnort wählen
    gehen, weil sie kein Staatsbürger des Landes sind, in dem sie leben.
    Denken Sie also mal über die Konsequenzen dessen, was sie schreiben, nach:
    Laut ihrer Argumentation dürfen nur diejenigen, die sich in Deuschland aufhalten und damit sich in der Gsellschaft bewegen, wählen.

    Was ist nun mit den Staatsbürgern anderer europäischer Staaten? Diese müssten als Schlussfolgerung darauf ebenfalls wählen dürfen, ebenso wie Immigranten aus dem außereuropäischen Ausland.
    Da würden die Meisten wieder schreien: "Nein, das geht doch nicht!",oder?
    Ich wäre sogar für eine solche Regelung (z.b. nach Aufenthaltserlaubnis über 5 Jahren)

    Wir im Ausland lebenden Deutschen haben doch nicht alle Deutschland verlassen, weil wir nichts mehr mit diesem Land zu tun haben wollen! Jeder von uns hatte gute Gründe, daher halte ich Ihre Meinung doch für sehr extrem und engstirnig. Im 21. Jahrhundert ist es schließlich für viele Menschen normal, eine Weile im Ausland zu leben.

    Ich habe z.B. noch Eltern und Geschwister in Deutschland, Grundbesitz und Einkommen, zahle Steuern und halte mich häufig in Deutschland auf. Weil ich mich nach wie vor als Deutsche fühle (die Identität legt man doch nicht ab wie einen Wintermantel), auch wenn ich seit einigen Jahren in den USA lebe, habe ich auch meine deutsche Staatsangehörigkeit nicht aufgegeben (obwohl ich theoretisch die amerikanische schon vor langer Zeit hätte beantragen können).

    Also werde ich selbstverständlich im Herbst wählen.

    • eras
    • 14. August 2013 11:10 Uhr

    "Die Menschen, die in einem Land leben, bestimmen über die Politik, weil sie auch direkt davon betroffen sind - im Gegensatz zu denjenigen, die diese Gesellschaft verlassen haben."

    Jawoll! Nur der Deutsche, der schön brav auf der heimatlichen Scholle verweilt, verdient das Wahlrecht. Ins Ausland zu gehen ist ja schon fast sowas wie Landesverrat, nicht wahr?

    Übrigens: Ihrer Aussage zufolge müßte dann ja auch jeder in Deutschland dauerhaft gemeldete Türke, Italiener, Inder, Libanese, etc das volle Wahlrecht erhalten. Schließlich leben die auch da und sind ebenfalls von der deutschen Politik betroffen. Das wäre tatsächlich eine gute Idee, für die ich gerne mein Wahlrecht aus dem Ausland aufgebe.

    Angesichts des Neides und der Mißgunst (leider fast so deutsche Tugenden wie "German Angst"), die aus Ihrem Beitrag triefen, vermute ich allerdings, dass Ihnen diese Folge Ihrer neuentworfenen Regel noch nicht aufgefallen war. Und dass sie natürlich kein Wahlrecht für in Deutschland wohnhafte Ausländer wollen. Aber ich lasse mich gerne überraschen...

  4. Naja, man entscheidet sich ja freiwillig zu gehen. Dann muss man auch die Konsequenzen in Kauf nehmen. Wenn ich nicht mehr in Deutschland leben würde, würde ich niemals auf die Idee kommen, dass ich noch das Recht hätte, über die Politik in Deutschland mitzubestimmen.

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    • Acrux
    • 14. August 2013 8:37 Uhr

    Mit Verlaub, deutsche Politik betrifft natuerlich auch im Ausland lebende Deutsche. Daher haben diese ganz selbstverstaendlich das Recht, ihre Meinung im politischen Prozess vetreten zu sehen.

    Die Zeiten in denen die Ausuebung des Rechtes auf freie Wohnortwahl auch ausserhalb Deutschlands als Verrat an der Heimat interpretiert werden koennte, sind doch schon lange vorbei.

    • hairy
    • 14. August 2013 21:40 Uhr

    die meisten Auslandsdeutschen, die ich kenne, gehen nicht so freiwillig weg, sondern weils in D keine passende Arbeit gab oder gibt. War bei mir auch so. "Vertrieben" kann man das auch nennen.

    Naja, wenn wieder dann Merkel gewinnt, werde ich wohl meine deutsche Staatsbürgerschaft zum Teufel schicken.

  5. Und wieso sollten Deutsche die Deutschland verlassen haben kein Wahlrecht haben? Es gibt heutzutage Deutsche, die Nichtdeutsche heiraten und dann in einem anderen Land leben. Das heißt allerdings nicht, dass sie sich nicht für D interessieren und sich politisch auf dem Laufen halten. Wer einen Deutschen Pass hat, sollte alle Rechte wie andere Deutsche auch haben.

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    Und wer nicht in Deutschland lebt, stimmt nicht über sein Schicksal ab. Wer zu seinem Ehepartner ins Ausland gezogen ist, sollte nach einer Weile und wenn es für immer ist, sich kümmern das er in seiner Heimat über sein Schicksal mit abstimmen darf.
    Wenn er heimkehrt, dann sollte er natürlich wieder wählen dürfen.

  6. "Die Menschen, die in einem Land leben, bestimmen über die Politik" Nach der Logik, lässt man dann alle die in Deutschland leben ach Ausländer in Deutschland wählen.

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    Das stimmt. Im Ausland lebende deutsche sollten auch nicht auf ewigkeit die die Staatsbürgerschaft IHRER HEIMAT verweigern

    • zenner
    • 14. August 2013 8:19 Uhr

    der Autor schreibt explizit von Menschen, die ihren Wohnsitz vorübergehend im Ausland haben und früher oder später wieder nach Deutschland zurückkehren wollen.
    Darüberhinaus gibt es sicherlich noch eine Vielzahl von individuellen Lebenssituationen, auf die im Einzelfall hier nicht eingegangen werden kann.
    Eine so radikale Komplexitätsreduktion vorzunehmen deutet entweder auf mangelnde Sachkenntnis oder eine polemische Absicht hin.

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    Er schreibt von Deutschen, die im Ausland LEBEN. Und für diejenigen, die wieder zurückkehren wollen: Die können ja dann wieder wählen, wenn sie wieder da sind.

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