Die FDP-Politikerin Dagmar Döring hat ihre Kandidatur für ein Bundestagsmandat zurückgezogen, nachdem sie für einen von ihr verfassten pädophiliefreundlichen Artikel von 1980 kritisiert wurde. Sie kandidiere nicht mehr für den Bundestagswahlkreis Wiesbaden, schrieb Döring in einem von der FDP veröffentlichten Brief an den Kreisvorsitzenden der Partei, Florian Rentsch. Sie wolle Schaden von ihrer Familie und der FDP abwenden.

Döring hatte in dem 1980 erschienenen Buch Pädophilie heute einen zweiseitigen Aufsatz veröffentlicht, der die damalige Forderung einiger Pädophilie-Gruppen nach Legalisierung sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern unterstützt, wie sie selbst schrieb. Ihre Sichtweisen und politischen Aktivitäten von damals seien aus heutiger Sicht "völlig inakzeptabel" und "ein großer Fehler". Sie distanziere sich von allen Schriften und politischen Aktionen aus diesem Kapitel ihres Lebens.

Die damalige Entwicklung sei ihr heute "gar nicht mehr im Einzelnen nachvollziehbar", schrieb Döring. Die Ereignisse jener Zeitspanne habe sie in der Zwischenzeit "völlig verdrängt". Als Ehefrau und Mutter dreier Kinder seien ihr die "damaligen unreifen Gedanken heute unvorstellbar peinlich".

Konfrontiert mit ihrem Artikel wurde Döring eigenen Angaben zufolge von dem Göttinger Parteienforscher Franz Walter. Das von Walter geleitete Institut für Demokratieforschung soll sich mit dem Einfluss von Pädophilen-Gruppen bei den Grünen beschäftigen. Die Pädophilen-Debatte bei den Grünen war durch die Diskussion über umstrittene Äußerungen des Europaabgeordneten Daniel Cohn-Bendit in den siebziger Jahren in Gang gekommen, der erotische Spiele mit Kindern beschrieben hatte. Cohn-Bendit distanzierte sich inzwischen von diesen Äußerungen.