Bildungspolitik : Gabriel will Ganztagsschulen statt Hausaufgaben

Nach Auffassung der SPD sollen Schüler künftig keine Schulaufgaben mehr zu Hause machen müssen. Stattdessen solle es flächendeckend Ganztagsschulen geben.

Alle Schüler sollten nach Auffassung des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz erhalten – und dafür keine Hausaufgaben mehr aufbekommen. "Ich bin auch dafür, dass man dann Hausaufgaben abschafft", sagte er der Rhein-Zeitung.  

Es sei ungerecht, "dass Eltern, die Akademiker sind, ihren Kindern bei der höheren Schulbildung einfacher helfen können als Eltern, die nicht studiert haben". Deshalb müssten die Aufgaben während der Schulzeit erledigt werden und nicht im Elternhaus.

Die CDU kritisierte Gabriels Forderung nach der Abschaffung von Hausaufgaben. "Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie oft die SPD Nivellierung nach unten mit Gerechtigkeit verwechselt", twitterte Familienministerin Kristina Schröder.

Die Diskussion war durch eine Anfang August veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung aufgekommen. Demnach wünschten sich zwar viele Eltern, dass ihre Kinder auf Ganztagsschulen gehen, es gebe aber deutlich zu wenige Plätze für die Nachfrage.

SPD will Ganztagsschulen mit acht Milliarden fördern

Die SPD fordert in ihrem Bundestagswahlprogramm, den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz zu einem "Rechtsanspruch auf Ganztagsbildung und -betreuung" weiterzuentwickeln. SPD-Vizechefin Manuela Schwesig sagte dazu vor wenigen Tagen in der Rheinischen Post: "Wir werden in den nächsten vier Jahren dafür ein neues Ganztagsschulprogramm in Höhe von acht Milliarden Euro auflegen."

Die CDU ist zwar im Prinzip auch für einen Ausbau. Sie sieht aber dafür vor allem die Kommunen und die Länder in der Pflicht. Für einen Milliarden-Zuschuss für Ganztagsschulen sei "derzeit im Bundeshaushalt" kein Spielraum, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder der Rheinischen Post.

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Kommentare

60 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Leider nur wirr (:

Zu Ihren Ausführungen:

"a) Ganztagsschulen: Kinder möglichst lange zwecks Indoktrinierung in Staatshand."

>> Lehrer sind weitgehend verbeamtet und können somit praktisch nicht gefeuert werden, sofern sie nicht gerade reihenweise mit Schülern/-innen schlafen o.ä. Es fehlt also das Druckmittel. Andernfalls müßten Sie die ganze Lehrerkaste politisch der jeweils aktuellen Regierungsmehrheit zurechnen, was abwegig ist. Warum also sollten Lehrer indoktrinieren? Lehrpläne sind in Deutschland erstaunlich unpolitisch und historisch recht korrekt. Zumindest leugnen wir keinen Genozid oder schwerste Kriegsverbrechen, was in vielen anderen Staaten (und auch in bildungsfernen rechtsextremistisch Randschichten hierzulande) durchaus üblich ist.

"b) keine Hausaufgaben: um sie möglichst dumm zu halten und leichter indoktrinieren und auf Staatslinie bringen zu können.

So züchtet man sich dumme Sklaven groß, die schön die Staatspropaganda nachplappern und nicht selbstständig denken können."

>> Erstens: Wie kommen Sie darauf daß Hausaufgaben zu bearbeiten einen Menschen politisch und intellektuell unabhängig macht? Zweitens: Wer gibt Ihnen denn die Hausaufgaben? Würde das dann nicht auch unter Ihre Indoktrinationstheorie (a) fallen?

Schulsystem als Indoktrination: "Undiffernziert", wirklich?

An die Redaktion:

Wenn sie sich mal mit den Werken von Fichte, Hegel und Marx oder der neuzeitlicheren Dokumentation des "Reece Committee" in den USA der 50er auseinnandersetzen, wird ihnen bewusst werden müssen, dass die Kritik von "viafriwu" an der Ganztagschule bezüglich Indoktrination alles andere als unsachlich und undifferenziert ist.

Anhand vieler Kommentare wird bereits ersichtlich, dass Staatsunterreicht und -fernsehen 'gewünschte Überzeugungen' durchaus flächenwirksam generiert.
Wir hatten sogar als Unterrichtsmaterial in Sozialwissenschaften typischweise Artikel aus "Die Zeit", aber viel seltener anderer Publikationen.

Hausaufgaben erlauben dem Kind noch bedingt zu reflektieren, Eigeninitiative zu entwickeln und sich selber Fragen zu beantworten, wozu auch gehört, ob die Gegenpositionen Substanz haben - kritisches Denken.

Fragen über Fragen.

Sobald Fragen selbst beantwortet werden müssen, wird der Sachverhalt als "leider nur wirr" wahrgenommen.

Die Hausaufgabe ist sicher imperfekt um unabhängiges Denken zu fördern, aber weniger einschränkend, als unter Schulaufsicht von einem Staatsdiener während eines Aufsatzes (überspitzt) pro Absatz kritisch beäugt zu werden.

Und ja, unsere Lehrpläne sind historisch und politisch korrekt - jedoch hauptsächlich vor sich selbst und mit Hilfe von Aussparungen.
WAS?! Aussparungen?! So eine dreißte, verschwörungstheoretische Unterstellung...! Wo erlernt man diese Reflexe - in der Schule.

Sehr lustig...

Sie lassen meine Kritik also unwidersprochen stehen und wollen Ihre Argumentation dennoch weiter auf den nicht mehr vorhandenen Argumenten stützen? Interessanter Ansatz - dazu kommt man wohl nur durch Autodidaktik.

Vielmehr führen Sie ein neues Thema ein: die Lehrpläne haben Lücken!
Wer hätte das gedacht? Nicht jeder weiß alles! Wie steht das in Relation zu Ihrer Forderung die Zeit in der Schule nicht zu verlängern? Mehr Stoff im Lehrplan braucht auch mehr Zeit zur Vermittlung. Alles über Hausaufgaben auf die Eltern abzuwälzen ist ungerecht und verstärkt bestehende Benachteiligungen von Schülern aus "bildungsfernen Schichten".