Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier hat seine Bereitschaft erklärt, vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium auszusagen. Interessieren dürfte vor allem, was er als Kanzleramtschef und Geheimdienst-Koordinator bis 2005 über die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Diensten gewusst und gebilligt hat.

Was immer er sagen und kommentieren wird, spätestens danach kann man das Thema nicht mehr allein der Regierung Merkel in die Schuhe schieben, zumal nicht, da ja die SPD von 2005 bis 2009 in einer großen Koalition mit der CDU/CSU zusammen regierte.

Dabei muss sich der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel gedacht haben: "Diese kleine Kalamität muss ich mit einer größeren politischen Bombe übertönen, und zwar mit einer ganz alleine und selbst gezündeten."   

Und so forderte er forsch, deutsche Staatsanwälte sollten den Whistleblower Snowden als Zeugen vernehmen. Mit solchen tolldreisten Ideen schafft es Gabriel immer wieder, eine ernste Sache und sich selber lächerlich zu machen.

Punkt Nummer eins: Wenn Staatsanwälte jemanden als Zeugen vernehmen wollen, müsste erst einmal ein Straf- oder mindestens ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sein. Lieber Herr Gabriel, gegen wen bitte und wegen welches Straftatbestandes? Bisher wird dies lediglich geprüft – und das kann dauern.

Punkt Nummer zwei: Wer Edward Snowden als deutscher Staatsanwalt verhören möchte, der müsste schon über eine ladungsfähige Adresse von ihm verfügen, möglichst in Deutschland gelegen. Aber Snowden befindet sich, mit welchem aufenthaltsrechtlichen Status auch immer, gegenwärtig in Russland.   

Da Deutschland mit Russland kein Rechtshilfe-Abkommen hat, dürften weder deutsche Staatsanwälte nach Russland reisen, um dort irgendeines Amtes zu walten, noch könnten sie russische Kollegen um Amtshilfe bitten; schon gar nicht, wenn man die ständige und berechtigte Kritik an russischen Justizpersonen selber mitformuliert.  

Ganz abgesehen davon, dass Snowden gar nicht gezwungen werden könnte, sich deutschen Justizpersonen zu präsentieren.

 Nein, das ist ein echter Gabriel. Und eine echte Schnapsidee.   

Ganz abgesehen davon, dass deutsche Dienste die Protokolle eines solchen absolut unwahrscheinlichen "Verhörs" den amerikanischen Diensten sicherlich übermitteln würden.

Vielleicht sollte Gabriel seinen Kollegen Steinmeier erst einmal danach fragen, am besten noch vor seinem Auftritt im Kontrollgremium. Bevor er seinen vormaligen Troikaner und den Wahlkampf der ganzen SPD noch weiter in Verlegenheiten stürzt.