Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (hier im Jahr 2008 im Jüdischen Museum in Berlin) © Sean Gallup/Getty Images

Der Literatur-Nobelpreisträger und langjährige SPD-Sympathisant Günter Grass rechnet in einem neuen Buch mit Oskar Lafontaine ab. In einer für die Süddeutsche Zeitung autorisierten Kurzfassung eines Gesprächs, das im September in Buchform erscheinen soll, bescheinigt der Schriftsteller dem früheren SPD-Vorsitzenden "Charakterlosigkeit ohnegleichen". Der heutige Linke-Politiker sei zudem das "Hemmnis auf dem Weg" einer Annäherung zwischen beiden Parteien.

Grass sieht den Ursprung für Lafontaines Verfehlungen im Jahr 1999: Damals war dieser als Bundesfinanzminister der ersten rot-grünen Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder zurückgetreten, gründete danach die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) und schmiedete anschließend ein Bündnis mit der PDS, woraus schließlich die Partei Die Linke hervorgegangen ist. Bis 2010 war Lafontaine dessen Vorsitzender, hat sich inzwischen aber weitestgehend aus der Bundespolitik zurückgezogen und agiert nun als Fraktionsvorsitzender der Linken im saarländischen Landtag.

Für Grass steht das historische Urteil über den SPD-Politiker Lafontaine fest: "Es gab in der Geschichte der sozialdemokratischen Partei keinen schmierigeren Verrat als den von Oskar Lafontaine an seiner Partei", sagt er laut SZ in dem Gespräch für das Buch Was würde Bebel dazu sagen?, das von dem Publizisten Manfred Bissinger und SPD-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse herausgegeben wird. "Gleichzeitig alle Ämter niederzulegen, eine Wende um 180 Grad zu inszenieren, die eigene Partei in der Bild-Zeitung anzugreifen, dazu gehört eine Charakterlosigkeit ohnegleichen."

Auch die Linke, so der Schriftsteller, tue sich mit ihrem früheren Spitzenpolitiker keinen Gefallen. "Es ist im Grunde ein Pyrrhussieg für die Linke, ihn gewonnen zu haben", sagt Grass. "Mit seiner Verweigerungsstrategie hält er die Partei davon ab, Verantwortung zu übernehmen."

Lafontaine wehrt sich

Diese verbalen Angriffe lässt Lafontaine seinerseits nicht unbeantwortet. "Grass bekommt viele Dinge nicht mehr mit", wird er in der Süddeutschen zitiert. Er habe der SPD immer wieder angeboten, mit seinen Linken auf Bundes- oder Länderebene zusammenzuarbeiten. "Die SPD verweigert sich bis heute."

Auch den Vorwurf der Charakterlosigkeit will der 69-Jährige nicht auf sich sitzen lassen – und kontert: "Seit bekannt ist, dass Grass Sozialdemokraten wie Karl Schiller bedrängt hat, ihre Nazivergangenheit offenzulegen, während er die eigene Zugehörigkeit zur Waffen-SS verschwieg, sollte er sich zu Charakterfragen besser nicht mehr äußern."