ZEIT ONLINE: Nun hat auch die CDU ihre Wahlplakate präsentiert. Man sieht: Einen Vater, der mit seiner Tochter Pfannkuchen bäckt. Darunter steht: "Jede Familie ist anders. Und uns besonders wichtig." Sonst gibt es vor allem kurze Slogans wie: "Starke Wirtschaft", "Sichere Arbeit" oder "Mehr für Familien".  Die richtige Wahlkampf-Strategie?

Frank Stauss: Ja und Nein. Die Plakate der CDU sehen aus, als wären sie direkt aus dem Maggi Kochstudio. Aber auch die SPD-Motive sind nur wenig überzeugender. Die Strategien der Parteien sind bisher in diesem Wahlkampf unfassbar banal und überraschungsfrei. Das Motto der CDU ist "Schubidubidu – alles gut dank CDU", deshalb soll alles so weiterlaufen wie bisher. Die Strategie der Sozialdemokraten lautet überspitzt formuliert: "Ist das Volk erst deprimiert, wählt es uns schon garantiert."

ZEIT ONLINE: Die SPD zeigt echte Menschen in ihren richtigen Berufen. Die CDU greift auf Fotomodelle zurück.

Stauss: Ja, aber das ist dem Wähler egal. Die Bilder der CDU sind aber sehr banal. Sie hätten auch Schablonen benutzen können.

ZEIT ONLINE: Die SPD wiederum setzt auf Attacken gegen Merkel. Auf einem Plakat kramt die Kanzlerin etwa in ihrer Handtasche: "Privatsphäre: Neuland für Merkel?" Ist es klug, die Konkurrentin auf dem eigenen Plakat abzubilden?

Stauss: Die Hauptkampagne der SPD dreht sich eigentlich um soziale Themen, wie Kita-Ausbau und Altersarmut. Daneben gibt es eben noch zwei, drei Merkel-Plakate, die jetzt die volle Medienaufmerksamkeit abbekommen. Das ist aus Sicht der Strategen sehr unglücklich gelaufen. Die SPD versucht die derzeitigen Probleme, wie den Datenskandal oder die Drohnen-Affäre, Merkel anzuhängen. Das ist aber eine riskante Strategie, denn sie ist eine extrem populäre Kanzlerin.  

Im Wahlkampf 2005 wurde Merkel von der SPD auch als Gegnerin plakatiert, aber damals war sie lediglich Oppositionsführerin und noch unbekannter. Heute ist das anders. Sie ist zu einer Vertrauten der Bürger geworden. Es kommt nicht gut an, sie so anzugreifen.

Die Sozialdemokraten scheinen die Stimmung in der Bevölkerung nicht gut einzuschätzen. Dabei ist das die Kunst in Wahlkämpfen. 1998 gab es zum Beispiel eine echte Wechselstimmung und einen passenden Wahlwerbe-Spot, in dem Helmut Kohl weggebeamt wurde. Das passte zur Stimmung vieler Menschen nach 16 Jahren CDU-Regierung.

ZEIT ONLINE: Auf den SPD-Plakaten ist Peer Steinbrück nicht zu sehen. Wird er absichtlich versteckt?

Stauss: Nein, der Vorwurf, den manche da erhoben haben,  ist nicht gerechtfertigt. Das ist eine normale Strategie von Parteien. Die CDU macht das auch nicht anders. Die Parteien dürfen erst in den letzten sechs Wochen vor der Wahl ihre Plakate aufstellen. Der Plakatanbieter plakatiert alle zehn Tage um, dadurch können drei Motive gezeigt werden. Normalerweise versucht eine Partei zuerst einmal Themen zu setzen. Dann kommen die zweite und die dritte Phase, in der die Kandidaten im Mittelpunkt stehen.